Frank Bodin wird Chef von EuroRSCG

- Frank Bodin, CD von McCann-Erickson in Genf, wird neu auf Mitte Jahr Chairman und VR-Delegierter der EURO RSCG Gruppe Schweiz. Er zieht Otto Spirig als Chief Operating Officer nach, der viele Jahre Corporate Finance Officer der Young&Rubicam-Gruppe war. Spirig startet schon Ende Februar. Das Interview mit Frank Bodin:

Wie entstand die Idee?

Ein Headhunter kam auf mich zu und ich konnte schnell die Voraussetzungen schaffen.

Welche Voraussetzungen?

Ein fundamentaler Führungswechsel bei der gesamten Gruppe.

Und René Hürlimann, der diese Funktion bis anhin inne hatte?

Er wird nicht mehr operativ tätig sein, aber der Agentur als Mitglied des Verwaltungsrates noch mit Rat zur Seite stehen.

Haben Sie René Hürlimann hinausgedrängt?

Der Wechsel geschah auch auf seinen Wunsch.

Warum reizt Sie der Wechsel vom Creative Director zum Manager?

Das ist eine persönliche Weiterentwicklung. Nicht nur die Kreation von Kampagnen interessiert mich, sondern auch die Kreation einer Agenturmarke, die gute Kampagnen ermöglicht.

Aber ein Chairman hat sich auch mit Büros, Personal, Versicherungen und so weiter zu befassen.

Damit habe ich mich auch jetzt schon teilweise befasst. Jetzt werde ich es eben noch mehr tun. Ich verstehe mich nicht als golfspielender Verwaltungs-Chairman. Wer mich je Golfspielen sah, weiss, dass ich anderes besser kann. Mit Otto Spirig habe ich für administrative Belange den besten Partner, den man haben kann. Er hatte bei der Y&R-Gruppe schon weitgehend derlei Aufgaben zu bewältigen.

Was wollen Sie aus der EuroRSCG-Gruppe machen, die heute weniger den Ruf hat, eine Kreativagentur zu sein.

Das Ziel ist die beste Agenturgruppe der Schweiz. Und zwar einerseits für die Kunden und aber auch hinsichtlich der Qualität der Arbeitsplätze für die Mitarbeiter.

Ist das Ziel nicht etwas sehr hoch gesteckt?

Wer ins Rennen geht und nicht gewinnen will, hat schon verloren.

Wie wollen Sie das schaffen?

Ich wäre blöd, wenn ich im voraus irgendetwas verraten würde. Zudem halte ich nichts von hübschen Versprechungen. Ich bin ein Macher und will eine Macheragentur.

Werden Sie jetzt auf die Jagd nach guten Kreativen bei Konkurrenz-Agenturen gehen?

Natürlich ist die Zusammenarbeit mit dem einen oder anderen Talent wünschenswert. Wichtiger als das Jagen ist aber ersteinmal eine entsprechende Kultur, die gelebt werden muss. Es ist nicht so, dass jetzt alle bei Euro um ihren Arbeitsplatz zittern müssen, denn ich weiss, oft wird das Potenzial der Mitarbeiter nicht ausgeschöpft. Kultur und Training sind wichtiger als jagen.

Wie hat McCann den Entscheid aufgenommen?

Es ist, wie wenn man sich von einer Geliebten trennt: schmerzhaft für beide Seiten, denke ich.

Gab es Bestrebungen, Sie bei McCann zu halten?

Wer mich kennt, weiss, dass ich nicht zu halten bin, wenn ich mich entschieden habe.

Das Gerücht kursierte bereits länger in der Branche.

In Gerüchten ist die Branche berufsbedingt gut. Ich habe keinen Entscheid gegen McCann gefällt, sondern einen Entscheid für EuroRSCG und für mich.

Hat Sie Geschäftsführer Heinz Flückiger einfach so gehen lassen?

Das sind Internas. Ich habe McCann geliebt und es ist darum auch hier wiederum wie mit einer Geliebten: Wäsche sollte man nicht in der Öffentlichkeit waschen, schon gar nicht Reizwäsche.

Wie geht es jetzt mit McCann Genf weiter, nachdem die Agentur zuerst das Renommier-Budget SBB verlor und jetzt den CD?

Ich habe soviel Kerosen und Herzblut zwischen Zürich und Genf investiert, dass ich nicht möchte, dass die Agentur leidet. Die Grundsubstanz der Agentur ist auch ohne SBB und ohne mich sehr gesund.

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