Aus Saatchi & Saatchi Switzerland und Simko Communication wird Saatchi & Saatchi Simko. Die Information des Personals durch Richard Hytner, CEO von Saatchi & Saatchi Europe, findet in diesen Minuten am Hauptsitz in Genf statt. Die Agentur mit einer Niederlassung in Zürich wird von Simko-Gründer und -Inhaber Pedro Simko (Bild) geleitet. Warum gibt er seine Unabhängigkeit auf? Was verspricht sich Saatchi & Saatchi von der Fusion? Und welchen Stellenwert wird die Deutschschweiz haben? "persoenlich.com" hat mit Pedro Simko gesprochen. Das Interview:
Warum geben Sie die Unabhängigkeit auf?
Weil diese Fusion für mich und für die Agentur eine phänomenal gute Gelegenheit ist. Wir sind antizyklisch sehr gewachsen und haben es als unabhängige Agentur sehr weit gebracht. Das hätte zwar auch weiter funktioniert. Doch es ist nun der richtige Zeitpunkt für eine neue Herausforderung gekommen. Ich bin im übrigen nicht der Meinung, dass ich meine Unabhängigkeit verliere: Ich werde CEO einer ganz tollen Organisation, und ich werde das Geschäft weiter mit grosser Unabhängigkeit führen können.
Warum ist dieses für Sie der richtige Zeitpunkt?
Die konjunkturelle Talsohle ist in der Schweiz erreicht. Wir haben jetzt die Möglichkeit, während des Aufschwungs mit mehr Ressourcen gute Sachen zu machen. Zudem ist das gemeinsame Angebot der beiden Agenturen in diesem Land einmalig: Welche Agentur sonst hat so viele Profis sowohl für lokale Kunden, als auch auf einem Corporate-Level und im Business-to-Business-Bereich -- noch dazu in acht Sprachen? Darüber hinaus in einem Netzwerk, das in 90 Ländern vertreten ist und 2002 "Global Agency Network of the Year" war? Diese Möglichkeiten will ich ausschöpfen!
Was verspricht sich Saatchi & Saatchi vom Zusammengang?
Saatchi will aus eins und eins drei machen. Und zwar indem die internationalen und die B2B-Ressourcen von Saatchi zusammengelegt werden mit der Dynamik und dem Wissen von Simko. Unsere Synergien sind genial! Zudem stehen wir vor der Türe von Procter & Gamble, wo ich während sechs Jahren im Marketing tätig war. Es geht bei dieser Fusion darum auch nicht um eine Geld-Geschichte, sondern um das Synergiepotential und das Angebot für die Kunden.
Wollte sich Saatchi & Saatchi mit Ihnen einfach einen besseren Zugang zu Procter & Gamble erkaufen?
Die Verbindungen zwischen Saatchi und P&G sind bereits heute sehr stark. Wegen unserer Nähe zum Hauptsitz in Nyon und wegen meines Hintergrunds werden sie sich nun aber sicherlich noch zusätzlich festigen. Sie müssen sich vorstellen: Der heutige General Manager UK von Procter und ich sassen einst im selben Büro, und wir sind bis heute Freunde geblieben. Und mit einem der beiden heute in Genf tätigen CEOs habe ich vor zwanzig Jahren zusammengearbeitet. So reichen viele meiner Beziehungen sehr weit zurück, und ich habe das Gefühl, Mitglied einer Familie zu werden, die ich bereits sehr gut kenne.
Wie ist die Idee zur Fusion entstanden?
Sie entstand vor rund einem Jahr bei einem Gespräch mit Kevin Roberts, dem CEO Worldwide von Saatchi & Saatchi. Wir haben damals beide gemerkt, dass es sehr positiv wäre, unsere beiden Agenturen zusammenzulegen. Zumal zwischen uns keinerlei Kundenkonflikte bestehen.
Bereits vor einem Jahr? Und danach konnte die Idee ganz langsam reifen...?
Ja, die Idee ist sorgfältig gereift, aber die eigentlichen Verhandlungen dauerten nur wenige Wochen. Die lange Reifezeit beweist, das beide Organisationen auch gut alleine hätten weiterarbeiten können. Es bestand keinerlei Zugzwang, der Ablauf war mehr wie vor einer Hochzeit: Man lernt sich kennen, ist sich sympathisch, verbringt immer mehr Zeit miteinander, und irgendwann sagt man: Komm, lass es uns tun!
Sie sprechen von einer "Fusion". Wie viele Prozent besitzen Sie noch an der Agentur?
Ich rede über vieles, aber nicht über die Inhaber-Situation. Die Agentur heisst Saatchi & Saatchi Simko, und ich bin ihr CEO. Und selbstverständlich tritt die Puclicis-Gruppe als Eignerin von Saatchi ins Aktionariat unserer Agentur ein. Diese Auskünfte müssen reichen, mehr würde Ihnen auch nichts nützen.
Aber Sie haben doch die Mehrheit?
Kein Kommentar.
Dann eben zum Personellen: Wie gross wird die Agentur sein? Wird es Entlassungen geben? Was geschieht mit der bisherigen Saatchi-CEO Erika Darmstädter?
Wir werden gegen fünfunddreissig Leute sein, und es wird wie bei jeder Fusion ein paar Entlassungen geben. Das werden aber extrem wenige sein, weil zwischen den heutigen Agenturen ja kaum Überschneidungen bestehen: Saatchi ist eine sehr internationale B2B-Organisation, Simko hingegen eine lokale B2C-Agentur. Erika Darmstädter, ein absolut phänomenaler Profi, wird auf eigenen Wunsch eine neue Funktion innerhalb des Netzwerks übernehmen. Nach vier Jahren als CEO hat sie vielleicht Lust, etwas Neues zu machen -- doch das müssen Sie Erika selber fragen.
Und was haben Sie mit der Niederlassung in Zürich vor?
Diese werden wir langsam aber sicher ausbauen. Wir werden versuchen, auch hier New Business zu akquirieren. Schliesslich kenne ich die Region aus den sechs Jahren, als Simko eine Filiale an der Limmat hatte.
Wo wir gerade bei Örtlichkeiten sind: Werden die Saatchi-Mitarbeiter in Ihr Gebäude in Genf einziehen?
Ja, wenngleich es am Anfang sehr eng werden wird. Wir beziehen aber neue Büros. Lustigerweise sagte man uns bei Vertragsabschluss, dass im zweiten Geschoss noch eine weitere Werbeagentur einziehen werde -- und der Zufall wollte es, dass es sich dabei um Saatchi handelte. Das zeigt, wie sehr wir für einander geschaffen sind! Leider wird der Umzug erst 2005 stattfinden. Aber wenn eine temporäre Raumnot das Schlimmste ist, was uns widerfährt, dann geht es uns gut!