Geri Aebi

"persoenlich.com"-Serie "Zur Lage der Nation" - Globalisierung, Konjunkturflaute, Werbeverbote -- wie wirken sich die Rahmenbedingungen auf die Werbung aus? Was ist von Gratis-Pitches zu halten? Und werden Below-the-Line-Aktivitäten in klassischen Agenturen zunehmen? "persoenlich.com" präsentiert in lockerer Folge die Einschätzung wichtiger Exponenten der Branche. Heute: Geri Aebi (Bild), CEO der Wirz Werbung.

Welchen Einfluss hat die Globalisierung auf die Schweizer Werbung?

Eine generelle und eine spezielle Antwort: Generell gilt es zu sagen, dass das einzige, was letztlich zählt, der Erfolg der Kunden ist. Wenn also globale Unternehmen mit globalen Kampagnen nicht nur effizienter, sondern auch erfolgreicher werben, kann wohl niemand etwas dagegen haben. Ob das allerdings immer der Fall ist, wage ich zu bezweifeln. Weil vielen globalen Auftritten zumindest die lokalen Ecken und Kanten fehlen. Speziell gilt es festzuhalten, dass globale Kampagnen von globalen Networks natürlich schon ein bisschen häufiger in New York und London als in Zürich und Bern konzipiert werden, dass wir hierzulande also immer öfter nur noch adaptieren und nicht mehr kreieren – und das hilft dem Werbestandort Schweiz logischerweise weder qualitativ noch quantitativ.

Leidet die Kreativität unter der schlechten Konjunktur?

Aber ja doch. Auch wenn es letztlich genau umgekehrt sein müsste, weil weniger Geld eigentlich Kunden und Agenturen zu mehr Ideen zwingen müsste. Die Realität sieht allerdings anders aus: Das Sicherheitsbedürfnis steigt, die Risikobereitschaft sinkt. Wobei das sehr wohl nicht nur für die Auftraggeberseite gilt ("Hauptsache keine Fehler machen"), sondern genauso für die Agenturseite ("Hauptsache die Kampagne ist verkauft"). Der fatale: Effekt: Gerade bei grösseren Etats wird -- wie man leicht nachvollziehen kann -- wieder häufiger Gleiches mit Gleichem bekämpft. Der kontraproduktive Nebeneffekt: Bei Jurierungen von ADC bis Cannes gewinnen immer häufiger Arbeiten für kleine (bis keine...) Kunden. Wo frische Kreativität eben noch eher ein Ventil findet.

Welchen Einfluss haben Werbeverbote auf Werbung und Medien?

Das ist weniger eine kommerzielle Frage als eine ideelle. Wenn ganze Branchen nicht mehr oder nur mehr in engen Grenzen werben dürfen, resultiert daraus natürlich ein finanzielles Minus in Agenturen und Medien. Wesentlicher ist sicher die gesellschaftliche Dimension. Um hier nicht zum x-ten Male die einschlägigen Untersuchungen über die Wirkung und Nicht-Wirkung von Werbeverboten zu zitieren, halte ich mich lieber an die "Werbung für die Werbung" von WIRZ: Ohne Werbung würden wir als Konsumenten keine Innovationen mehr wahrnehmen, worauf es letztlich bald auch keine mehr gäbe. Ein natürlich auch wirtschaftlich mehr als katastrophaler Teufelskreis!

Schadet die Pitch-Inflation den Agenturen und Auftraggebern?

Wird heute wirklich häufiger gepitcht als früher -- oder nur brutaler?! Dass sich Agenturen um den kleiner werdenden Etatkuchen heftiger bekämpfen, ist unbestritten. Dass sich Auftraggeber das zu Nutze machen und tendenziell mehr Agenturen einladen, aber weniger (oder gar nichts) für die Präsentationen bezahlen, wohl ebenfalls. So oder so ist es falsch, den Fehler für diese Entwicklung nur auf Kundenseite zu suchen. Schliesslich müssen immer beide Seiten mitspielen. Wir bei WIRZ versuchen diesem Trend auch dadurch entgegen zu steuern, indem wir verstärkt die direkte Auftragsvergabe forcieren. Die ist nämlich wesentlich weniger wirklichkeitsfremd als jede Pitch-Situation. Wir finden: Wenn sich zwei Partner wie Kunde und Agentur im persönlichen Gespräch kennen- und schätzenlernen, dann sollen sie es doch einmal miteinander versuchen. Wie im richtigen Leben: Da lädt man ja auch nicht fünf potenzielle Freundinnen einfach so mal zum Probeschlafen ein. Sondern versucht in -- hoffentlich -- bester Absicht erst einmal mit einer eine Beziehung aufzubauen. Wenn's dann klappt, steht einer glücklichen, langjährigen Partnerschaft nichts mehr im Wege. Zwischen Männlein und Weiblein genauso wie zwischen Kunde und Agentur.