Die TBWA verliert ihren Kunden McDonald's, und Sie ziehen sich aus dem Operativen zurück. Besteht ein Zusammenhang?
Überhaupt nicht! Mein Rückzug ist ein längerer Prozess, der jetzt abgeschlossen sein wird. 1998/99 habe ich die Mehrheit der dazumaligen Impuls-Gruppe an TBWA\Worldwide verkauft und gleichzeitig die Geschäftsleitung abgeben. Wie vereinbart, blieb ich weitere zwei Jahre als aktiver Verwaltungspräsident tätig. Seit anfangs 2001 übe ich diese Funktion noch als Teilpensum aus. Im vergangenen Sommer fiel mein Entschluss, in diesem Frühjahr alle operativen Tätigkeiten für die TBWA\Switzerland-Gruppe aufzugeben. Dieser Entscheid steht in keinerlei Zusammenhang mit dem Verlust von McDonald's.
Ist Ihnen die Lust an der Werbung vergangen?
Nein, den Spass an der Werbung habe ich nicht verloren. Ich habe während annähernd dreissig Jahre in dieser Agentur die "Pace" gemacht. Es bot sich vor vier Jahren eine einzigartige Gelegenheit für einen Verkauf. Zudem mache ich gerne nochmals etwas Neues. Ich bin in einem Alter, wo ich dies noch kann.
Was genau werden Sie denn tun?
Ich habe die wunderschöne Gelegenheit, private Interessen mit meinen beruflichen Erfahrungen zu verknüpfen. Ich leite einerseits den Vinum-Verlag. Dies ist eine sehr spannende Aufgabe. Daneben hatte ich vor zwei Jahren eine Consulting-Gesellschaft gegründet, mit der ich einige Direktkunden auf den Gebieten des Marketings und der Kommunikation berate. Ich werde aber nicht als klassische Werbeagentur tätig sein. Über Kunden möchte ich deshalb nichts sagen.
Welches sind Ihre Neuerungen als Verleger von Vinum?
Vinum wurde neu als Europas Weinmagazin positioniert. Zur Zeit erscheint Vinum in vier Ausgaben: für die Deutschschweiz, Deutschland, den französischen Sprachraum und Spanien. Ich habe ein neues Entwicklungskonzept aufgegleist. In Deutschland wurde 2002 mit einem neuen Partner ein wichtiger Relaunch durchgeführt und dabei die Auflage verdoppelt (heute 55'000 Exemplare). Auch in der Schweiz haben wir das Konzept gründlich überarbeitet.
Und welche Pläne haben Sie mit dem Produkt?
Wir möchten das weitere Europa erschliessen. Es bieten sich dafür tolle Möglichkeiten! Wir wollen weitere Länderausgaben herausgeben. Nächste Woche entscheiden wir zum Beispiel über eine italienische Ausgabe. Wir organisieren im Wein-Business aber auch andere, parallele Aktivitäten. In der Schweiz etwa mit der Schweizer Meisterschaft im Weindegustieren oder in Deutschland durch die Verleihung der Rotwein- und Riesling-Preise. Meine Werbeerfahrung kann ich dabei sehr gut einbringen. Es handelt sich bei den meisten Aktivitäten um Marketing-, Kommunikations- oder Promotionsaufgaben.
Ist eine Ausdehnung der Tätigkeiten über die Weinbranche hinaus für Vinum ein Thema?
Nein, wir wollen beim Wein bleiben. Dieser Markt ist stark am Wachsen. Angebot und Qualität nehmen laufend zu. Und damit auch die Informationsbedürfnisse. Das Potenzial reicht für Jahre. Ausserdem möchten wir unabhängig bleiben.
Wem gehört der Verlag?
Zur Zeit ist neben mir ein Konsortium von 120 Einzel-Aktionären beteiligt, von denen jeder eine Aktie besitzt. Zudem hat unser deutscher Partner einen Anteil. Diese Struktur soll auch so bleiben. Ausserhalb der Schweiz lizenzieren wir unsere Marke und verkaufen Konzept und Content. Letzterer ist je hälftig international und lokal ausgerichtet, wobei regionale Inhalte natürlich in die Ausgaben anderer Länder einfliessen können.
Nochmals zum BSW: Welche Konsequenzen hat Ihr Weggang bei TBWA für die Präsidentschaft? Lässt sich das überhaupt noch vereinen?
Bei der TBWA behalte ich vorläufig eine Minderheitsbeteiligung und bleibe VR-Präsident auf Zeit. Beim BSW werde ich im April turnusgemäss abgelöst. Ich trete auf die Mitgliederversammlung aber gleichzeitig ganz aus dem Vorstand zurück -- wie übrigens auch aus SW Schweizer Werbung. Dann wird der BSW zwar ein Jahr lang keinen Past-President haben, das ist aber kein Drama. Verbandsaufgaben kann man nicht wahrnehmen, wenn man nicht im Tagesgeschäft ist.
Wo sehen Sie Ihre Erfolge als BSW-Präsident?
Verbandsarbeit ist immer Knochenarbeit, einzelne Aktivitäten lassen sich da schlecht in Erfolge ummünzen. Mein Präsidium fiel in eine schwierige Zeit, in der die gesamte Branche vor tiefgreifenden Veränderungen stand. Themen waren beispielsweise die Honorarordnung oder die Positionierung unserer Mitglieder im Markt, die wir unter anderem über die Publikation "Leading Swiss Agencies" in Zusammenarbeit mit "persönlich" förderten. Daneben führten wir Management-Seminare für unsere Mitglieder durch. Vieles geschieht eben im Hintergrund und ohne dass die Branche dies wahrnimmt.