Was Heimat bedeutet, zeigt sich meist erst dann, wenn man sie verliert. Seit dem 25. Februar 2020 leben die Bewohnenden des Berner Oberländer Dorfs Mitholz zwischen Ohnmacht und Aufbruch: Damals wird ihnen mitgeteilt, dass sie ihr Dorf wegen Räumungsarbeiten im Munitionsdepot 2030 für zehn Jahre verlassen sollen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es im Depot zur Explosions-Katastrophe, die die meisten Häuser zerstörte und neun Menschen in den Tod riss.
In einem gemeinsamen Projekt setzten sich Menschen aus Mitholz und das Alpine Museum der Schweiz mit der Bedeutung von «Heimat» und mit der ungewissen Zukunft auseinander. Die Spurensuche führt von der Explosionsnacht 1947 bis in die Zukunft. Die Ausstellung «Heimat. Auf Spurensuche in Mitholz» eröffnet laut einer Mitteilung Zugänge über informative, sinnliche und installative Elemente. So führt sie etwa in das mit allen Sinnen erlebbare «Archiv Mitholz» oder mitten in eine begehbare Musikinstallation, den «Abschiedschor».
Neben den persönlichen Perspektiven stehen die mess- und kontrollierbaren technischen Prozesse der geplanten Räumungsarbeiten. Die «Variantenevaluation» für den Umgang mit der Munition wurde aufgearbeitet und illustriert, so dass sich interaktiv erkunden lässt: räumen, überdecken, fluten oder sprengen? In Mitholz zeigen sich die grossen Fragen wie unter dem Brennglas: Wie prägen uns Erinnerungen? Als Individuen, als Gesellschaft? Welche Risiken wollen wir eingehen? Was bedeutet Heimat?
Für das partizipative Ausstellungsprojekt «Heimat: Auf Spurensuche in Mitholz» hat Studio DP sämtliche Kommunikationsmittel, Plakate, das Ausstellungsmagazin und die Ausstellungsgrafik entwickelt.
Projektleitung und Konzeption: Alpines Museum; Szenografie: Karin Bucher; Illustrationen: Luigi Olivadoti; Ausstellungsbilder: Alpines Museum, Armando Guetg, Olivier Rüegsegger. (pd/cbe)