Herr Beck, der Edi. wird an diesem Donnerstagabend im Züricher Schiffbau verliehen. Die Veranstaltung findet heuer bereits zum 15. Mal statt. Wie hat sie sich über die Jahre verändert?
Peter Beck: Die Preisverleihung vom Edi. hat sich zu einem der wichtigen Branchenanlässe für die Film- und Kreativwirtschaft entwickelt. Es kommen jeweils rund 700 Gäste in den Schiffbau, um an der sich jährlich neu erfindenden Show teilzunehmen. Und um sich zu treffen und auszutauschen. Die Qualität der Werbefilme ist hochstehend und einwandfrei. Wir haben den Eindruck, dass immer mehr unkonventionelle, witzige, eigenständige Filme in der Kategorie "Internet Virals & Clips" eingereicht werden und nicht mehr in der Kategorie "Commercials" zu finden sind. Vielleicht führen die sehr hohen Streukosten in TV und Kino bei den Auftraggebern zur Haltung, dass bei Werbespots auf "Nummer sicher" gesetzt wird, was manchmal halt nicht zu den witzigsten Ergebnissen führt.
Wie sind sie denn zufrieden mit den diesjährigen Eingaben?
Die Qualität der Filme ist generell hoch; dieses Jahr gab es viele gute Geschichten, die handwerklich einwandfrei umgesetzt wurden. Die Anzahl der Einreichungen ist seit Jahren konstant. Vier Jury-Teams, insgesamt mit 40 Personen, haben eine Woche lang rund 290 Filme angeschaut und die Arbeiten nach den Kriterien Drehbuch, Konzept, Regie, Kamera, Production Design, Schnitt, Visuelle Effekte und Sounddesign & Musik bewertet.
Was sind die aktuellen Trends in der Werbefilmbranche?
Der Trend geht auch weiterhin in Richtung Internet und Multimediale Anwendungen. In dieser Kategorie gab es den höchsten Zuwachs an Einreichungen. Aufgefallen ist, dass es vor allem in der Kategorie "Corporate" einige "kleine Spielfilme" mehr gab als in anderen Jahren. Und dass die witzigsten Filme in der Kategorie "Internet" eingereicht wurden.
Organisiert wird der Edi. von der Swissfilm Association. Was beschäftigt derzeit den Verband?
Als Branchenverband vertreten wir die Interessen der Filmproduzenten in wirtschaftlichen und rechtlichen Belangen. Hauptanliegen sind die Sicherung des Produktionsstandortes Schweiz, die Qualitätsförderung und die Professionalität der Filmproduktion. Der Produktionsstandort Schweiz ist enorm unter Druck, das betrifft die ganze Kreativwirtschaft. Entsprechend beschäftigen wir uns mit Konzepten für eine neue Gesamtsicht und Reorganisation der Branche. Das betrifft auch die Zusammenarbeit mit der übermächtigen SRG. Wir verhandeln darüber hinaus mit verschiedenen Organisationen betreffend Tarifen. Das neue Weiterbildungsangebot für Line-Producers ist ebenfalls ein grosses Projekt. Wir werden Mitte November den ersten Workshop für unsere Mitglieder und nächstes Jahr dann auch für externe Produzenten anbieten.
Sie haben den Druck auf den Produktionsstandort Schweiz angesprochen. Wie nehmen Sie die Konkurrenz und den Preisdruck aus dem Ausland wahr?
Der Schweizer Auftragsfilm ist kreativer und qualitativ hochstehender denn je. Aber der konstante Preisdruck, der Zerfall der Budgets und manchmal die Leidenschaft der Auftraggeber für die Auftragsvergabe an ausländische Produktionen, macht natürlich zu schaffen. Ich bedaure zudem den Verlust der Wertschätzung für unsere Arbeit. Filme werden zu oft einfach als "Füllmaterial Bewegtbild" betrachtet.
Herr Beck, Sie sind seit 2005 Präsident der Swissfilm Association und führen den Edi. zum 15. Mal durch. Welches ist Ihr absoluter Lieblingswerbefilm der letzten 15 Jahre?
Als Präsident der Swissfilm Association will ich keinen einzelnen Film erwähnen. Mein Lieblingsfilm würde aber sicher vor allem durch Kreativität herausstechen, eine Eigenschaft, welche in Zukunft wieder mehr Gewicht bekommen wird. Mir bereiten die Filme, welche die Geschichte eigenständig mit tollen Bildern und gutem Sound erzählen, immer wieder Freude. Und wenn es Auftraggebern und Filmemachern gelingt, den Spielraum innerhalb der vorgegeben Grenzen voll auszunützen, dann sind das meistens sehr gute Filme.
Fragen: Seraina Etter