"Ich bin halt nicht so genial wie Schawinski"

- Wer ist schuld am Zusammenbruch der WHS? Reinhold Weber (Bild) äussert sich im neusten "persönlich rot" in einem ungewöhnlich offenen Interview über die Hintergründe, die zum Untergang seiner Agentur führten. Ein Wink des Schicksals? Zur gleichen Zeit, als Weber beim Konkursrichter antraben musste, stürzte er lebensbedrohlich die Treppe hinunter. Doch nun will es Reini Weber nochmals wissen: Mit seiner neuen Agentur Reinhold an der Zürcher Weinbergstrasse meldet er sich zurück. "persoenlich.com" bringt einen Ausschnitt aus dem Interview:

Herr Weber, es macht den Anschein, es seien immer andere schuld an Ihrem Schicksal. Zunächst Yvonne Hodel wegen Berlin, später Hermann Strittmatter indirekt wegen des Konkurses. Müssten Sie jetzt nicht in sich gehen und die Fehler vorab bei sich selbst suchen?

Das ist reiner Quatsch. Ich schiebe überhaupt nichts auf andere. Wenn Sie es hören wollen: Zu 99 Prozent trage ich selber die Verantwortung und habe bis auf die Kieferknochen daran gekaut.

Welches waren Ihre eigenen Fehler?

Ich weiss es wirklich nicht in einem einzigen Satz. Zu sich selbst fehlt einem doch jegliche Distanz. Vielleicht bin ich ein Gutmensch, der zu viel Vertrauen in die Leute hat. Vielleicht bin ich das pure Gegenteil, vielleicht beides gleichzeitig. Ich habe auch weder einen Yogi, der mich erhellt wie damals John Lennon oder George Harrison. Für die einen habe ich abgehoben, für die anderen bin ich arrogant, für weitere bin ich zu treuherzig, zu gutgläubig, zu konservativ, zu irgendwas. Vielleicht war ich, wie ich erst neulich zu hören bekam, auch zu wenig egoistisch, denn ich hätte mich primär immer für das Wohl unserer Mitarbeiter eingesetzt usw. Wie auch immer. Wäre ich ein eiskalter Typ, hätte ich eher einen Bloch’schen Zusammenbruch hingelegt und wäre nach Dalmatien zum Fischen gefahren.

Wie fühlen Sie sich vor dem Hintergrund, dass WHS einmal 20 Millionen Franken Wert gehabt haben dürfte?

Sie war sogar mehr wert. Ich hatte während des Internethypes ein Angebot von 40 Millionen Franken auf dem Tisch. Was sollte ich mit dem Geld? Ferraris anhäufen? Und: Das kam mir andererseits auch lächerlich vor angesichts der Milliardensummen, welche die Investmentbanker anderen kleinen Budeli im Internetbereich schmackhaft machten. So dachte man damals. Es kam bekanntlich anders heraus.

Die Kunst des Unternehmertums zeigt sich auch im Verkauf zur rechten Zeit. Konnten Sie nicht loslassen?

Loslassen -- das ist das Unwort des Jahrhunderts! Aber es stimmt wohl. Ich checkte nicht, dass der Moment für den Verkauf gekommen war, ich bin halt nicht so genial wie Schawinski.

Vor Jahren haben Sie einmal gesagt, dass Sie unbewusst haargenau Jean Etienne Aebis Werdegang imitierten, der seinerzeit mit der ASGS/ BBDO zunächst der Star war und dann Schiffbruch erlitt. Sie kannten also das Wechselspiel von Aufstieg und Fall. Kann man es nicht lernen, muss man die Erfahrung selber machen?

Stimmt, ich habe Etienne schon vor Jahren gesagt: Ich mache dir alles Gute nach, aber auch all deinen Mist. Der Aebi konnte die ASGS/BBDO-Nachfolgeagentur Aebi&Partner gerade noch Publicis verkaufen, ansonsten sind unsere Lebensläufe sehr ähnlich. Deshalb wäre jetzt eigentlich ein Buch von mir fällig.