Irreführende Werbung bei Süss-Pflanze

Stevia - Verschiedene Organisationen monieren Biopiraterie beim Süssstoff.

In der Werbung für die Süss-Planze Stevia werde geschummelt. Zudem werde das Volk der Guarani im Grenzgebiet von Brasilien und Paraguay um seine Rechte betrogen, monieren verschiedene Organisationen und Institutionen.

Stevia ist natürlich, Stevia ist süss und Stevia hat praktisch keine Kalorien: beste Voraussetzungen also, um die Blätter der Pflanze "Stevia Rebaudiana" als Süssstoff einzusetzen.

Die Guarani tun dies seit jeher. Sie verwenden die Pflanze zudem als Heilmittel gegen verschiedenste Beschwerden, wie es in einem am Donnerstag veröffentlichen Bericht verschiedener Organisationen und Institutionen aus der Schweiz, Deutschland und Paraguay heisst. Zu den Herausgebern gehören die Erklärung von Bern (EvB) und die Informationsplattform Pro Stevia Schweiz.

Schummeln in der Werbung

Der Bericht kritisiert die Werbung für Produkte mit künstlichen Süssstoffen auf Basis der Pflanze, so genannte Steviolglykosiden, als irreführend. Es gehe nicht an, dass Anbieter ihre Produkte als "traditionell", "von den Guarani" oder "natürlich" anpriesen, "wo dies doch ganz klar nicht der Fall ist". Von Regierungen in den industrialisierten Ländern erwarte man Massnahmen für wirksame Gesetze zu Vorteilsausgleich und Werbung.

Die traditionelle Verwendung der Stevia-Blätter als Süssmittel sei in den meisten Industrieländern verboten. Gleichzeitig boomten Produkte mit Steviolglykosiden. Basis aller dieser Süssstoffe sei das "jahrhundertealte Wissen der Guarani", heisst es im Bericht. Hier liege ein klarer Fall von Biopiraterie vor: Die ungerechte Aneignung einer genetischen Ressource und des zugehörigen traditionellen Wissens.

Jahrhundertealtes Wissen für künstliche Süssstoffe

Obwohl bereits tausende von Produkten auf dem Markt seien – von Coca-Cola Life bis zu Ricola Lakritz-Bonbons – sei weder mit dem Volk der Guarani noch mit den Ursprungsländern Paraguay und Brasilien je eine Vereinbarung über eine gerechte "Aufteilung der Vorteile" getroffen worden. Genau dies aber verlangten die Uno-Biodiversitätskonvention und das Nagoya-Protokoll.

Die Herausgeber des Berichts appellieren deshalb an die Hersteller von Stevia-basierten Süssstoffen sich zu Verhandlungen mit dem Guarani-Volk und den Ursprungsländern zu verpflichten. Mit Hilfe eines Vermittlers sei eine ausgewogene und gerechte Aufteilung der Vorteile zu vereinbaren. Dabei gehe es nicht in erster Linie um Geld, sondern um die Bedürfnisse der Guaranis etwa nach Land. (ruh/sda)