Konsumentenschutzorganisationen in Deutschland fordern eine Werbesteuer. Die Gelder sollen zur Finanzierung der Verbraucherschutzverbände eingesetzt werden. Macht das Sinn? Der Verband Schweizer Werbung SW glaubt nein.
Bereits in den 70er-Jahren hat man in Deutschland eine Werbesteuer zugunsten der Verbraucherorganisationen diskutiert. Sie wurde freilich nie in Kraft gesetzt. Gegenwärtig ist das Anliegen wieder aktuell und wird nicht nur von den Verbraucherorganisationen in den diversen deutschen Bundesländern, sondern auch vom Verbraucher-Ministerium (früher Landwirtschaftsministerium) auf Bundesebene verlangt.
Die Chancen, dass eine Werbesteuer zur Finanzierung von Konsumentenorganisationen eingeführt wird, scheint allerdings nicht besonders gross zu sein. Denn: Der Widerhall des Anspruches war in der Presse und in der Öffentlichkeit ausgesprochen mager. Die Verlagshäuser und andere Medienanbieter haben nämlich realisiert, dass eine Werbesteuer letztlich ihnen schaden würde und halten sich demnach mit der Kommunikation für die unpopuläre Idee zurück. Wenn Werbung mit einer Steuer belegt würde, müssten die Werbetreibenden ihre Kommunikationsausgaben einschränken. Für Verlage beutet das Einbusse an Inseratevolumen und für Werbetreibende weniger Investition in Werbung. Und weniger Werbung bedeutet weniger Markterfolg.
Argumente pro und contra
Die Verbraucherorganisationen argumentieren damit, dass sie wesentlich weniger Geld zur Aufklärung der Konsumenten hätten, als die Wirtschaft: Die Gelder, welche in die Werbung und Kommunikation der Unternehmen fliessen, stünden in keinem Verhältnis zu den Mitteln, welche sie (zum Schutz, respektive zur Aufklärung und Beratung der Konsumenten) einsetzen könnten, was letztlich ihr Ziel sei.
Die Wirtschaft ist hingegen der Meinung, dass die Konsumenten durch Werbung genügend informiert werden. Da brauche es keinerlei kommunikatives Gegensteuer. "Ausserdem stehen dem Verbraucherschutz im redaktionellen Teil unentgeltlich Tür und Tor offen", meint Volker Nickel, Geschäftsführer des deutschen Werbeverbandes, ZAW.
Position der Schweizer Werbung SW
Als Dachorganisation, welche die Interessen der gesamten Werbewirtschaft vertritt, lehnt die SW eine Besteuerung der Werbung klar ab. Eine solche Steuer hätte infolge finanzieller Belastung der Werbetreibenden einen Rückgang des Werbevolumens zur Folge, was weder im Interesse der Werbetreibenden noch der Werbemedien sein könne, wie es in einer Stellungnahme heisst. Die SW glaube an die Mündigkeit der Konsumenten und halte eine weitgehende Kontrolle und Überwachung des Angebotes durch Konsumentenschutzorganisationen für nicht opportun. Konsumenten müssten in dem Sinne auch nicht vor Produkten gewarnt und geschützt werden, welche Mängel aufweisen. Das würden sie selbst feststellen und in der Folge auf das Produkt verzichten.