20 Minuten hat in einer mehrteiligen Serie die Werbekampagnen der Krankenkassen beleuchtet. Auslöser war ein virales Video des Tessiner Komikers Mike Casa, der abstrakte Slogans wie «Weine, es befreit» (Helsana) oder «Wofür ist es jetzt zu spät?» (CSS) satirisch hinterfragt.
@mikecasacomedy Is it just me ? #switzerland #schweiz #suisse #svizzera ♬ original sound - Mike Casa Comedy
Casa trifft mit seiner Kritik einen Nerv: Sein Video wurde innert vier Tagen tausendfach angeschaut. Er bemängelt, dass die Kassen nicht mit Preisen und Leistungen werben, sondern mit vagen Botschaften. Die Werbebudgets sind beträchtlich. Atupri gab 2024 laut 20 Minuten rund 7,5 Millionen Franken für Marketing aus, die CSS 49,5 Millionen und Helsana 125 Millionen.
Marketingexperte Felix Murbach gibt Casa recht: «Viele Krankenkassenwerbungen wirken austauschbar und weltfremd», so Murbach zum Pendlermedium. Emotionale Werbung helfe beim Image, aber neue Kunden gewinne man damit selten. Die Kassen sollten konkreter zeigen, was sie besser machen.
Die Versicherer verteidigen ihre Kampagnen. Atupri betont, die Kampagne erreiche ihre Ziele. CSS und Helsana verweisen darauf, dass Casa veraltete Sujets kritisiert habe – mittlerweile gebe es neue Kampagnen mit konkreteren Leistungsversprechen.
In der 20-Minuten-Community entbrennt eine Debatte. Viele Leser fordern ein Werbeverbot für Krankenkassen oder eine Einheitskasse. Andere relativieren: Die Verwaltungskosten machten nur 4,5 Prozent der Prämien aus, die Werbekosten seien minimal. (cbe)