In diesen Tagen starten Amnesty International und weitere namhafte Organisationen eine schweizweite Kampagne für eine fairere und humanere Asylpolitik. Erklärtes Ziel ist es, sowohl Politiker als auch die breite Bevölkerung aufzurütteln, dass nun definitiv genug ist: dass jede weitere Verschärfung des Asylgesetzes gegen die Menschenwürde verstösst.
Kernstück der Kampagne ist ein Viral-Spot, der zeigen soll, wie unser Alltag wäre, wenn wir nicht als Schweizer, sondern als Somalier, Eritrer oder Kongolese auf die Welt gekommen wären. In einer Inszenierung sehen wir dem dunkelhäutigen Flüchtling "Blocher" zu, wie er zusammen mit dem syrischen Asylbewerber "Maurer" die Zeit totschlägt. Flankiert wird der Viral durch diverse Plakatsujets, die in diesen Tagen zum Aushang kommen.
Alexandra Karle, Mediensprecherin von Amnesty International Schweiz, präzisiert die Verbreitung der Kampagne gegenüber persoenlich.com: "Der Spot und die verfremdeten Politikerfotos sind im Netz unter www.jetzt-ist-genug.ch zu sehen, auf Facebook auf der Amnesty-Schweiz-Seite und hoffentlich geteilt auf tausenden weiteren Seiten, auf Twitter, auf Youtube." Weiter würden die Amnesty-Mitglieder in der ganzen Schweiz Postkarten und Plakate mit dem Blocher-Motiv verteilen. Zudem hängten an den Bahnhöfen zahlreicher grösserer Städte Plakate mit den verfremdeten Namen der Politikerinnen und Politiker.
Bei der Kampagne handle es sich nicht um eine Antwort auf die neueste SVP-Initiative zur Verschärfung des Asylrechts, wie Karle betont: So schnell sei auch Amnesty International nicht. Trotzdem ist der Zeitpunkt für die Amnesty-Kampagne perfekt: "Der Vorstoss von Toni Brunner erhöht natürlich heute die Aufmerksamkeit für unsere Kampagne." Den Zeitpunkt der Lancierung begründet Karle so: "Wir haben den Start der Kampagne auf Anfang Oktober Ende der Herbstsession gelegt, weil die Bundesversammlung am Freitag eine Verschärfung des Asylrechts auf Betreiben der SVP und Hardliner anderer Parteien wie der FDP verabschiedet hat."
Mit rechtlichen Problemen rechnet die Mediensprecherin nicht: "Es sind ja keine Diffamierungen, wir stellen die Politiker lediglich mit einer anderen Hautfarbe dar und geben ihnen einen ausländisch klingenden Vornamen." Weiter betont sie, dass Karikatur und Satire generell keine Verletzung des Persönlichkeitsrechts darstellen und verweist auf die Stellungnahme des Medienrechtsexperten Matthias Schwaibold in 20 Minuten: "Die Protagonisten werden verfremdet, aber keinesfalls herabgewürdigt. Persönlichkeitsrechte werden nicht verletzt."
Verantwortlich bei Amnesty International: Bruno Riesen, Magdalena Urrejola Balçak; verantwortlich bei Spinas Civil Voices: Miriam Fischer, Matthias Freuler (Kreation) Lorenz Spinas (Gesamtverantwortung), Corinne Bucher (Beratung), Alexander Meier (Regie Viral). (bn/pd)