Kreative Führung mit neuer Struktur

Publicis - Die Zürcher Werbeagentur Publicis will die Leitung ihrer rund 40-köpfigen Kreativabteilung breiter abstützen und ernennt in der Folge Markus Gut (Bild), bisher Creative Director und Mitglied der Geschäftsleitung, zum Geschäftsführer Kreation. "persoenlich.com" wollte von dem frischgebackenen Executive Creative Director wissen, was seine Ernennung für Konsequenzen hat. Das Interview:

Ab heute dürfen Sie sich Executive Creative Director nennen. Welches waren die Gründe für die Schaffung eines solchen Postens?

Es ist ja nicht so, dass dieser Posten neu geschaffen worden wäre. Bis anhin hatte Jean-Etienne Aebi dieses Amt inne, während ich als sein Stellvertreter fungiert habe. Er war es auch, der auf mich zugekommen ist und mich gefragt hat, ob ich bereit sei, seine Funktion zu übernehmen. Was mich natürlich sehr geehrt hat. Und mit der Ernennung von Uwe Schlupp und Daniel Krieg zu Creative Directors, womit wir statt bisher zwei neu vier CDs sind, bekommt die Funktion ja jetzt vermehrt Gewicht.

Für die breitere Abstützung unserer Kreativabteilung gibt es einige Gründe. Ein Punkt ist sicherlich, fit für die Zukunft zu sein. Mit 40 Leuten haben wir eine recht grosse Abteilung, die auch eine entsprechende Leitung braucht. Und da ich davon überzeugt bin, dass die Zeiten der "Lonely Heros" resp. "Big Bosses" vorbei sind, finde ich es sinnvoll, auch die Leitung breit abzustützen. Klar braucht es auch einen Chef, aber schliesslich arbeiten wir bei Publicis vorallem als Team. Ein weiterer Punkt ist sicherlich auch ein notwendiger Generationenwechsel. Mit Schlupp und Krieg stossen jetzt ein paar Youngsters nach, wobei ich mich sehr darüber freue, dass wir hausintern so gute Leute nachziehen konnten.

Müssen wir damit rechnen, dass sich Jean Etienne Aebi demnächst auf den Altenteil zurückziehen wird?

(Lacht) Wohl kaum! Ihm geht es vorallem darum, sich von Managementaufgaben zu entlassten. Um so zum Beispiel die Möglichkeit zu haben, den direkten Kundenkontakt vermehrt zu pflegen. Und dann will er die Freiheit haben, sein Know-how intern als Coach und extern bei Seminarien stärker einbringen zu können.

Haben Sie keine Angst, dass sich "Übervater" Aebi in Ihren Job einmischen könnte?

Gar nicht, da habe ich wirklich keine Bedenken! Ich habe ja schon seit längerer Zeit als sein Stellvertreter gearbeitet, und wir haben bewiesen, dass wir es gut zusammen können. Es ist jetzt einfach so, dass der bisherige Stellvertreter nun nicht mehr der Stellvertreter ist. Eine Art Rollentausch oder Rochade also.

Was werden Sie ändern?

Eine erste Konsequenz war bereits, dass Uwe Schlupp und Dani Krieg zu CDs ernannt worden sind. Mein Bestreben ist es, guten Leuten intern eine Chance zu geben - so wie das mir selber passiert ist. Ein gutes Team und eine gute Teamarbeit haben für mich höchste Priorität. Und ich glaube, dass mit den beiden neuen Jung-CDs, aber auch mit unseren gestandereren Mitarbeitern, gute Leistung möglich ist.

Ein zweiter Punkt ist es, auch weiterhin in der Kreation die Nummer 1 zu bleiben. Das waren wir in den Jahren 1999 und 2000 - und das wollen wir auch dieses Jahr wieder werden. Dass wir schon an der Spitze sind, ist für mich fast ein bisschen frustrierend (lacht): Wären wir auf Platz 35 oder so, könnte ich sagen, unser Ziel ist es, besser zu werden. Aber so?!

Anfangs Februar hat Publicis die Dialogmarketingagentur Fisch.Meier.Direkt übernommen. Wie hat sich die Zusammenarbeit angelassen?

Wir haben gerade jetzt ein gemeinsames Projekt im New Business-Bereich angerissen und ich bin positiv überrascht, wie gut die Zusammenarbeit nicht nur auf dem Papier, sondern auch im realen Leben klappt. Wir profitieren tatsächlich beide vom Know-how des anderen.

Soeben ist bekannt geworden, dass Publicis sich im Pitch um Bluewin gegen Jung von Matt nicht durchsetzen konnte. Was ist schief gelaufen?

Das weiss ich selber noch nicht so genau, vorallem, weil ich ein sehr gutes Gefühl hatte. Das Nachgespräch mit dem Kunden ist auf Donnerstag angesetzt - vielleicht kann ich Ihnen anschliessend mehr sagen.

Markus Gut, werden Ihnen die vermehrten Managementaufgaben überhaupt noch Zeit lassen, selber auch gute Werbung zu machen?

Das will ich doch hoffen! Immerhin bleibe ich weiterhin als Kreativdirektor für einen grossen Teil unserer Kunden verantwortlich. Abgesehen davon macht mir auch das Organisieren viel Spass, und das ich das recht gut kann, habe ich ja bereits bewiesen. Und als emotionaler Ausgleich bleibt mir ja noch immer mein Lieblingskind, der "Sportplausch Widder", für den ich mich gemeinsam mit Markus Ruf auch weiterhin austoben werde!

Stühlerücken an der Theaterstrasse: