"Man hat uns bereits spontan zu zwei Pitchs eingeladen"

- Daniel Meier, bis vor kurzem noch Creative Director von Jung von Matt/Limmat, startet mit Jan Maurer (ex By Heart) in Küsnacht eine eigene Agentur namens Unikat. Was hat die beiden zu diesem Schritt bewogen? Warum gerade jetzt? Mit wem arbeiten sie? Und für wen? "persoenlich.com" hat bei Daniel Meier (Bild) nachgefragt. Das Interview:

Gerade erst hat Claude Catsky eine Agentur eröffnet, nun folgen Sie. Habe ich den Konjunkturaufschwung verpasst?

So wird's wohl sein (lacht). Ähnlich wie Claude Catsky sehen wir den jetzigen Zeitpunkt eher als Chance denn als Gefahr. Natürlich lässt es sich nicht wegdiskutieren, dass die Wirtschaftslage schlecht und weniger Geld als auch schon vorhanden ist. Handkerum starten wir Unikat ohne Wasserköpfe, müssen nicht wie die grossen Agenturen mit Etatkürzungen von bis zu 30 Prozent kämpfen. So gesehen können wir als Newcomer nur Kunden gewinnen -- aber keine verlieren. Abgesehen davon ist Honegger von Matt, wo ich während fünf Jahren gearbeitet hat, damals ebenfalls mitten in der Rezession gestartet. Heute ist Jung von Matt/Limmat eine erfolgreiche Agentur.

Wo liegen Ihre Beweggründe für einen Start in die Selbständigkeit?

Jan Maurer und ich haben beide einen ähnlichen Beweggrund. Beide waren wir bei unseren letzten Agenturen minderheitsbeteiligt und beide haben wir schon länger die Absicht gehabt, eine eigenen Agentur zu gründen. Dazu kommt, dass wir ähnliche Wege beschritten haben. So waren wir bei Wiener Agenturen tätig -- er bei GGK, ich bei Demner, Merlicek. Für mich war aber von Anfang an klar, dass ich nicht einen zweiten Kreativen brauchen würde, sondern jemanden von der Beraterseite mit guten Kundenkontakten. Und als dann Mauer im letzten Sommer bei By Heart ausgestiegen ist, war die Konstellation perfekt -- mit auch, weil wir bereits seit Jahren privat befreundet sind und ähnliche Vorstellungen haben.

Wie ist das Echo im Markt auf Ihre Neugründung?

Die Basis von Unikat ist der persönliche Kontakt mit den Agenturinhabern. Bei Projekten, aber auch bei Problemen sitzen wir mit dem Kunden am Tisch. Ein weiterer positiver Punkt ist, dass eine Kleinagentur nie so teuer sein muss wie eine grosse, weil nicht so viele Löhne zu zahlen sind. Beides ist auf dem Markt -- auch von grösseren Unternehmen -- sehr positiv aufgenommen worden. So positiv, dass man uns bereits spontan zu zwei Pitchs eingeladen hat. Also kann unsere Timing so falsch nicht sein (lacht).

Wie wollen Sie Ihre Agentur positionieren?

Es wäre blauäugig von uns, wenn wir nicht genau wüssten, wohin wir wollen. In der heutigen Zeit reicht es nicht mehr, wenn man mit einem Präsentationschart, das von integrierter Kommunikation spricht, beim Kunden antrabt. Gefragt ist die gesamte Kommunikationspalette, ein breites Spektrum. Im Mittelpunkt stehen muss ganz klar der integrierte Ansatz. Mit der Grund, warum wir die PR-Agentur cR Kommunikation als Minderheitsaktionär an Bord genommen haben. Unsere Agenturräumlichkeiten befinden sich im übrigen im gleichen Gebäude wie die der cR-Kommunikation.

Unikat sieht sich als eine der wenigen Klein-Agenturen, die berechtigterweise von sich sagen können, dass sie die gesamte Kommunikationspalette anbieten. Nicht als Worthülse, sondern ganz konkret. Werbeagenturen, die sich auf den klassischen Bereich reduzieren, wird es sicherlich auch in fünf Jahren noch geben. Der Trend geht aber ganz klar in Richtung Kommunikationsagenturen, ein Prozess, der bei Jung von Matt/Limmat als Beispiel bereits eingeläutet wurde.

Wer sind Ihre Kunden? Welche Budgets betreuen Sie?

Zu unseren ersten Kunden zählen Credit Suisse Privat Banking, eine Neulancierung im medizinischen Dienstleistungsbereich, René Lezard/Modeagentur Lüthi-Mifsud, der Früchtegrosshändler Füglister AG und zwei Kunden aus der Hotellerie -- Classic Hotels und Château de Montcaud. Weiter wurden wir, wie bereits gesagt, an zwei Konkurrenzpräsentationen eingeladen, über die ich aber zum jetztigen Zeitpunkt noch keine Details bekannt geben kann.

Wer ist neben Ihnen und Ihrem Partner Jan Maurer sonst noch bei Unikat tätig?

Zur Zeit beschäftigen wir nur eine Grafikdesignerin. Handkerum ist sie bereits mehr als ausgelastet: Ein gutes Zeichen, oder? (lacht).

Sie arbeiten mit cR Kommunikation zusammen. Sind internationale Netzwerke für Sie ein Thema?

cR Kommunikation ist in einem Verband internationaler PR-Agenturen eingebunden, das ist richtig. Wir sehen uns aber im Moment vor allem als lokal tätige Agentur. Wer mit uns zusammenarbeitet, hat die Agenturinhaber am Tisch, und das ist unsere Stärke. Eine Vernetzung wie zum Beispiel bei Publicis oder McCann-Erickson ist für uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht relevant.

Wo sehen Sie Unikat in fünf Jahren?

Während all meiner Jahre in den verschiedenen Agenturen habe ich gespürt, dass mir eine Agenturgrösse von 20 bis 30 Leuten am Sympathischten ist. Unikat setzt auf qualitatives Wachstum, nicht auf quantitatives. Natürlich würden wir heute alles machen, um vom Fleck zu kommen. Andererseits ist es nicht unsere Ziel, irgendwann einmal unter die Top Ten der Schweizer Werbeagenturen zu kommen. Wir wollen nicht zu Gefangenen unserer Grösse werden; wir wollen vor allem Spass haben. Möglicherweise wird sich dieser unser Fokus irgendwann einmal ändern. Aber um unter die Top Tens zu kommen, bräuchte es sowieso mehr als fünf Jahre...

(Interview: Almut Berger).

Unikat -- 'Werbung ist einzig dann erfolgreich, wenn sie einzigartig ist'

Daniel Meier (links) war bis im November 2002 langjähriges Geschäftsleitungsmitglied und Creative Director bei Jung von Matt/Limmat und hat in seiner Laufbahn unter anderem Etats wie ABB, Alpha, Bank Julius Bär, Credit Suisse, Goodyear, IKEA, Lancia, Levis, Mazda, Maurice Lacroix, ORF, Österreich Werbung, Panasonic, Quantas, Renault, SBB, Schweizer Illustrierte, Technics, Unilever, Uniroyal, USM und VW betreut.

Jan Maurer, ehemals Managing Director der Werbeagentur By Heart, bringt als eidg. dipl. Werbeleiter langjährige Erfahrung auf Budgets wie Bank Austria, Berner Zeitung BZ, Bundesamt für Gesundheit, Chronometrie Beyer, Feldpausch, KLM, Lindt & Sprüngli, McDonald's, Migrosbank, Passugger Mineralwasser, PKZ, SBB, Suzuki, Tag-Heuer und UBS mit.