Nach zwölf Jahren ist Schluss mit Bloggen

Seiler's Werbeblog - Yves Seiler stellt die Plattform ein, auf der er Interviews mit Werbern und Kampagnenrezensionen veröffentlicht hat. Der frühere Wirz-Partner leitet seit Oktober Marketing und Kommunikation der Schaffhauser Kantonalbank. In seinem letzten Beitrag äussert er sich kritisch zur Entwicklung der Agenturbranche.

Seiler's Werbeblog ging im Oktober 2014 online (persoenlich.com berichtete). Seiler wollte damit nach eigenen Angaben Werber und Auftraggeber «in einem persönlichen Licht» zeigen. Im am Sonntag aufgeschalteten Abschiedstext auf seilers-werbeblog.ch nennt er einen weiteren Grund: Kreative hätten zur Selbstvermarktung ihre Mappen, Berater nicht. Mit dem Blog habe er deshalb an seiner «eigenen Awareness» arbeiten wollen.

Interviews gaben ihm unter anderem Markus Ruf, Frank Bodin, Thomas Wildberger, Dennis Lück, Peter Felser und Jean-Remy von Matt. Dazu kamen Vertreter einer früheren Werbergeneration wie Hermann Strittmatter und Jean Etienne Aebi. Ein Teil der Gespräche erschien zusätzlich im Fachmedium Horizont. Vereinzelt schrieben auch Gastautoren für den Blog, den Grossteil der Beiträge verfasste Seiler nach eigenen Angaben selbst.

Kritik an Agenturen und Auftraggebern

Ein grosser Teil des Abschiedstexts gilt dem Zustand der Branche. Statt über Ideen werde heute hauptsächlich über KPIs gesprochen, statt über Kreation über Conversion. Grosse Kampagnen seien zur Ausnahme geworden, KI übernehme Aufgaben, für die früher ganze Kreativteams zuständig waren. Als Beispiel nennt Seiler die Migros, eine der wichtigsten Werbeauftraggeberinnen, die es «jetzt ein M günstiger» mache. «Inhouse ist die neue Zauberformel; ich gehe so weit und sage, dass die Bereinigung noch nicht zu Ende ist.»

Auch seinen früheren Arbeitgeber spricht er an. Bei Wirz sei zeitweise mehr über Kosten, Leistungspakete und Preisstrategien diskutiert worden als über Kampagnen. «Die besten Kreativen der Agentur sassen in Meetings, um über Kosten zu diskutieren, aus Kreativen wurden Finanzplaner», so Seiler. Den Auftraggebern hält er vor, ihr Einfluss auf die Kreation sei gewachsen. Das sei für eine Kampagne «selten zum echten Vorteil».

Über die Foodbranche zur Kantonalbank

Seiler arbeitete ab 2008 bei WVC Communications, zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung. 2016 wechselte er zur Wirz Group, wo er bis September 2025 Director Business Development Dialog und Partner war. Danach verliess er die Agenturseite und war von November 2025 bis September 2026 Head of Group Brand & Communication bei der Idak Food Group. Zu dieser gehören die Marken Kadi, Romer's, Margherita und Gusto Sorrento.

Mit dem Stellenantritt bei der Schaffhauser Kantonalbank sei «der richtige Zeitpunkt gekommen, den Blog zu beenden», schreibt Seiler. Die bisherigen Beiträge bleiben bis auf Weiteres online, wie er auf Anfrage von persoenlich.com sagt. (cbe)