Fussverkehr Schweiz startet am 29. September 2014 mit einer Präventionskampagne: "Queren abseits vom Fussgängerstreifen". Finanziert wird die Kampagne vom Fonds für Verkehrssicherheit Schweiz FVS. Blue Spirit Communications hat Ende Januar 2014 den Pitch gewonnen und verantwortet die Umsetzung und die Gesamtleitung des Projekts.
"Die Ausgangslage war eine ganz spezielle", so Liliane Ritzi, Projektleiterin bei Blue Spirit, gegenüber persoenlich.com. Fussverkehr Schweiz ist mit dem Ballett Zürich eine Partnerschaft eingegangen, womit diese Zusammenarbeit bereits vorgegeben war: Das Ballett tanzt die Message in einem Präventions-Spot. "Eine ungewöhnliche Situation für eine Kreativ-Agentur, wenn ein Teil des Kreativ-Konzepts bereits vorgegeben ist und sich die Agentur diesbezüglich zurücknehmen muss."
Auch einen Regisseur musste Blue Spirit beim Pitch bereits präsentieren. Mit Ben Strebel konnte man einen erfahrenen Mann begeistern, welcher auch gut zum Ballett-Direktor und Choreograph Christian Spuck passt. "Die beiden sind die künstlerischen Köpfe des Spots", erklärt Rolf Jeger, Inhaber und Geschäftsführer von Blue Spirit.
Mit der Art der Prävention beschreitet die Agentur neue Wege. Der Spot bedeute ein Paradigmenwechsel in der Verkehrsprävention der Schweiz, erklären die beiden begeisterten Verantwortlichen. "Es wird wunderbar getanzt und dann verunfallt. Bilder, die alles sagen. Wir haben in Tests festgestellt, dass die Bilder sehr unterschiedlich interpretiert werden, aber die Botschaft immer rüberkommt. Das ist ganz toll."
Der Spot ist das Herzstück der Kampagne. Er wird von einem Plakat begleitet, welches als Filmplakat gestaltet ist und lediglich als Teaser auf den Film funktionieren soll.
Daneben wird auf der dreisprachigen Website wiederum auf den Spot verlinkt. Sie wurde im Responsive Design entwickelt und bietet eine Mischung aus Schlagzeilen und Informationen, die den Besucher mit verschiedenen Kacheln auch auf eindrückliche statistische Fakten aufmerksam macht.
Prunkstück am ZFF uraufgeführt
Das Prunkstück der Kampagne, der 90-Sekündige Directors Cut des Spots, wurde entsprechend der aussergewöhnlichen Ästhetik auch präsentiert. Die Uraufführung fand am Montag im Rahmen des Zurich Film Festivals bei einem "intimen Launchevent" statt. Rund 80 geladene Gäste schauten sich den Spot im Kinosaal an und horchten der Einstiegs-Rede des ehemaligen Verkehrsministers Moritz Leuenberger.
Beim anschliessenden Talk wurde die Wirkung des Spots diskutiert. Am Podium nahmen Moritz Leuenberger, Thomas Hardegger (Präsident Fussverkehr und Nationalrat), Ben Strebel (Regisseur) und Christan Spuck (Direktor Ballett Zürich, vgl. Bild unten) teil.
Aber weshalb wurde die Kampagne im Rahmen des ZFF veranstaltet? "Dies symbolisiert für uns die Nähe zu Film und Kultur", erklärt Ritzi. "Mit dem Ballett Zürich und dessen Direktor haben wir schon Kunst und Glamour drin. Dem werden wir mit dem ZFF gerecht." Der Kontrast zwischen Prävention und Glamour stand also jeweils im Vordergrund. Nadja Schildknecht, Organisatorin des ZFF, wurde angefragt und war auf Anhieb begeistert von der Idee, berichtet Ritzi weiter. Das Ballett sei immer willkommen. Zudem bedeute es ein Paradigmenwechsel in allen Belangen. "Wir wollen neue Wege in der Verkehrsprävention beschreiten, die Zuschauer wachrütteln und nicht mit dem erhobenen Finger zeigen“.
"Gewinn steht nicht im Vordergrund"
Das Budget war für eine nationale Kampagne dieses Umfangs vergleichsweise klein. 1,2 Millionen Franken standen zur Verfügung, wobei die Agentur schon zum Pitch einen Sponsor präsentieren musste, welcher zehn Prozent abdecken sollte. "Diese Tatsache schreckte zunächst viele innerhalb der Agentur ab", sagt Ritzi. Sogar Rolf Jeger war zunächst etwas skeptisch. Mit Mobilezone konnte jedoch ein engagierter Sponsor gefunden werden. "Die haben toll und vertrauensvoll reagiert, obwohl Mobilezone kein Kunde von uns ist."
80 Prozent des Budgets kommen vom Fonds für Verkehrssicherheit Schweiz. "Somit ist jeder Autofahrer mit einem kleinen prozentualen Anteil an der Kampagne beteiligt", rechnet Jeger vor. Denn ein kleiner Anteil der Motorfahrzeug-Haftpflichtprämie fliesst jeweils in den FVS.
Rein vom Budget her hat Blue Spirit bereits grössere Projekte entwickelt, unter anderem für Orange oder SIX. Berücksichtigt man die Breite der Kampagne sei es aber mit Abstand die aufwändigste, die Blue Spirit seit der Übernahme Jegers 2012 konzipiert und geleitet hat. "Der Gewinn steht nicht im Vordergrund", so Jeger. "Wir hoffen aber, dass dieses Projekt nachhaltig Wirkung zeigt und dass der Spot auch andere von unserem Können und unserer Erfahrung überzeugt“, so Jeger weiter.
Stadttheater Sursee an Stelle des Opernhauses
Das gesamte Projekt lief über 8 Monate hinweg. Es sei eine sehr aufwändige Arbeit gewesen, so die beiden Köpfe des Projektes. Glücklicherweise konnte mit Lamar Hawkins, dem Produzenten von Pumpkin Films, auch ein langjähriger Weggefährte von Jeger dafür begeistert werden.
Produzent Lamar Hawkins
Regisseur Ben Strebel (Mitte)
Gedreht wurde nicht wie zuerst erwünscht im Opernhaus Zürich, dieses war immer ausgebucht, berichtet Ritzi. "Im Juni haben wir für zwei Tage das Stadttheater Sursee gemietet und Menschen und Maschinen dorthin gefahren.“
Rund 25 Personen vom Opernhaus, darunter 15 Tänzerinnen und zwei Tänzer, waren mit dabei. Ben Strebel führte Regie, Lamar Hawkins war als Produzent anwesend und Christian Spuck mit seinem Ballett-Meister Jean-François Boisnon als Choreographen des Balletts.
"The most beautiful broken window ever" verdankt der Film der Stuntfrau Dominique Salzgeber der Firma Kstunt. Sie knallte mit dem Knie in die Frontscheibe des Autos. "Ich habe mich gewundert, dass sie sich dabei nicht verletzt hat", so Ritzi.
"Manage the people"
Die Hauptaufgabe der Agentur war "manage the people", so Ritzi und Jeger. "Die Herausforderung war, die verschiedenen Stakeholder aus den unterschiedlichsten kulturellen Richtungen zu koordinieren und immer wieder auf das gemeinsame Ziel zu fokussieren. Alle haben aber immer am selben Strick gezogen“, berichten die beiden. "Und alle haben uns extrem viel Vertrauen entgegengebracht."
Den fertigen Spot gibt es in fünf verschiedenen Längen. Der 90-Sekünder wird ausschliesslich auf der Website und auf persoenlich.com gezeigt. In den verschiedenen Mobilezone-Filialen laufen insgesamt während vier Wochen die 60-Sekünder auf den Screens. Im Kino wird der 30-Sekünder über fünf Wochen gezeigt. Im TV werden während vier Wochen an prominenter Stelle, etwa direkt nach "Meteo", ebenfalls die 30-Sekünder geschalten. Dazu gibt es noch einen 20- und einen 12-Sekünder für den TV, zur Optimierung der Frequenz, wie Ritzi verriet.
Gezielte Anzeigen in der "NZZ am Sonntag", "Tagesanzeiger" und "20 Minuten" runden die Kampagne ab.
Verantwortlich bei Fussverkehr Schweiz: Dominik Bucheli (Projektleiter), Christian Thomas (Berater von Fussverkehr Schweiz); verantwortlich bei Ballett Zürich: Christian Spuck/Jean-François Boisnon (Choreographie), Tänzerinnen und Tänzer; verantwortlich bei Blue Spirit Communications: Liliane Ritzi (Gesamtprojektleitung), Rolf Jeger, Cynthia Domfe (Beratung), Jürg Buchi, Giulia Furrer (Grafik), Maysa Meier, Valentin Ritzi (Website); verantwortlich bei Pumpkin Film: Ben Strebel (Director), Lamar Hawkins (Producer); verantwortlich für Media: Initiative Media.
Rolf Jeger ist seit 2012 Inhaber und Mehrheitsaktionär von Blue Spirit Communications mit Sitz in Schlieren. Er beschäftigt 25 Mitarbeiter, davon vier Lehrlinge und 2 Praktikanten. Jeger kommt aus der Basler Bank-Branche, wo er eines Tages in der Kommunikationsabteilung landete. Auf Kundenseite arbeitete er unter anderem für Swissair. Danach wechselte er auf Agenturseite und betreute zuerst bei Draftfcb/Lowe das Orange-Mandat. Danach war er dort primär für BMW Schweiz verantwortlich und als Gesicht der 1818-Kampagne bekannt.
Liliane Ritzi kommt aus der Consulting-Branche und hat dort einige grössere IT- und Organistions-Projekte geleitet. Sie war für die Bundesverwaltung tätig ebenso wie für viele grosse privatwirtschaftliche Unternehmen. Ihre Ausbildung zur Mediatorin Uni St.Gallen half ihr, mit kritischen Momenten in Change Situationen richtig umzugehen. Sie war einige Jahre selbstständig tätig, bevor sie durch Jeger zu Blue Spirit geholt wurde.
Text: Marco Lüthi, Bilder: zVg.