Selbstkritik und ein Blick in die Werbezukunft

Roman Hirsbrunner - Werber hätten sich zu lange für «Kreativgötter» gehalten, sagt Jung von Matt/Limmat-Chef Roman Hirsbrunner in der «SonntagsZeitung». Er glaubt, dass bald weniger Geld zu Google und Facebook fliesst.

Onlinewerbung nervt die Nutzerinnen und Nutzer. Über 30 Prozent in der Schweiz haben Adblocker aktiviert. Was tun? Die «SonntagsZeitung» thematisiert das Problem, mit dem die Medienbranche kämpft, in einem Interview mit Jung von Matt-Limmat/Chef Roman Hirsbrunner. «Nervös blinkende Anzeigen» oder «Werbeclips vor Videos» seien Werbemethoden von gestern, aus dem letzten Jahrhundert, sagt dieser.

In fünf Jahren, so prophezeit Hirsbrunner, werde es im TV kaum mehr Unterbrecherwerbung geben. «Fernsehen wird sich generell in Richtung einer On-demand-Plattform entwickeln, auf der Sie jederzeit Ihr eigenes Programm zusammenstellen.»

Die Werbebranche müsse selbstkritisch sein. Sie hätten sich zu lange an zu starren Strukturen festgehalten und sich für «Kreativgötter» gehalten. Früher hatten diese Götter vielleicht Berechtigung gehabt. In Zukunft aber ­sicher nicht mehr.

Angesprochen auf Influencer-Marketing sagt er: «Die Wildwestphase ist vorüber. Die Szene konsolidiert sich. Viele Influencer müssen sich bald einen neuen Job suchen.» Behaupten würden sich Multiplikatoren und Meinungsführer für kleine Gruppen, Micro-Influencer mit nicht mehr als 5000 Fans, aber einer hohen Glaubwürdigkeit.

Hirsbrunner rechnet mit einem «Bereichnigungsprozess». Noch gehe enorm viel Geld zu Google oder Facebook – doch das werde sich wieder ändern. «Beispiel Facebook: Die soziale Plattform konnte lange enorm wachsen. Bis zu dem Moment, wo die Kommerzialisierung überhandnahm, zu viel Werbung platziert wurde. Werbung, die für Nutzerinnen und Nutzer nicht relevant ist. Ein Like bei Facebook ist nicht mehr gleich viel wert.» (wid)