Herr Aebi, sind 15 Jahre in der Ferne sprich Wien genug, oder was zieht Sie nun zurück in den heimatlichen Stall?
Eine gute Frage (lacht). Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich mich nie gefragt habe, wo ich sapperlott nochmal nach Wien noch hin könnte. Mir war es immer sehr wohl hier, und als dann im Herbst die Anfrage kam, nach Zürich zu Wirz zu wechseln, habe ich erst einmal nur gelacht und mit einem "Nein danke, mir geht es hier ganz gut" geantwortet. Natürlich hab' ich mich auch ein bisschen gebauchpinselt gefühlt, dass man mich in der Schweiz nicht ganz vergessen hatte. Und da ich privaterweise sowieso mal in Zürich war, habe ich Jost Wirz zu einem Gespräch getroffen. Das verlief höchst interessant und erfreulich, so dass ich mir plötzlich gedacht habe: Tolle Agentur, tolles Angebot why not!? Dann ist schnell ein Dominoeffekt eingetreten, als sich meine Frau, übrigens eine Schweizerin, vom Gedanken an einen Umzug zurück nach Zürich begeistert gezeigt hat. Vor allem, weil auch der Zeitpunkt für unsere Kinder nicht allzu schlecht ist.
Der Kontakt kam also durch Jost Wirz selber zustande?
Nicht ganz. Da gab es eine Drittperson, die gehört hatte, dass man bei Wirz noch immer heftig am Suchen sei und die da fest der Meinung war, dass ich gut zu dieser Truppe passen würde. Und die hat dann den Kontakt vermittelt. Wer das war, überlasse ich aber Ihrer eigenen Fantasie...
Kronprinz Hans Tanner, der eigentlich die Funktion hätte einnehmen sollen, für die Sie jetzt nach Zürich wechseln, hat damals in einem Interview mit "persoenlich.com" erklärt, ein Hauptgrund für seinen Rücktritt sei, dass bei Wirz starke und polarisierende Leute arbeiten, mit denen es ihm nicht gelungen sei, einen Konsens im Führungsstil und im Führungsanspruch zu erreichen. Ein schweres Erbe?
Nun, das macht für mich ja auch gerade einen Teil des Reizes aus. Ich bin niemand, der sich in ein gemachtes Bett legt. Bei Lowe GGK habe ich bis heute gekämpft, wenigstens einen anständigen Bettrahmen zu konstruieren (lacht). Wer GGK in Wien kennt, weiss, was für ein irrsinniger Individualistenhaufen das ist und dies bis in die obersten Etagen. So gesehen bin ich gut geeicht, vor allem, da ich gerne eine Integrationsperson bin, die dafür sorgt, dass alle zumindest in die gleiche Richtung marschieren. Was bei Wirz historisch schief oder nicht schief gelaufen ist, kann und will ich nicht beurteilen. Andererseits ist es nicht einfach für eine Agentur, die über Jahre von einer Person sprich Hans Ueli Schweizer geprägt wurde, einen geordneteten Übergang zu schaffen. Ich komme nach fünf Jahren als Geschäftsführer auch aus einer ganz anderen Position als damals Tanner. Und ironischerweise habe ich vor Jahren hier in Wien fast den gleichen Job übernommen: Mit dem Geschäftsführer und Eigentümer Hans Schmid ging damals eine sehr starke Person von Bord. Wobei die gesamte Branche erwartete, dass das Boot nun ins Trudeln käme. Heute sind die Billings und das Income fast doppelt so gross. Warum also sollte so etwas nicht auch in Zürich gelingen?
Wo wollen Sie Wirz hinführen?
Für eine ausführliche Antwort ist es noch ein bisschen früh, schliesslich habe ich hier in Wien erst vor zwei, drei Tagen Bescheid gegeben, dass ich gehe. Ich will jetzt auch noch keine programmatischen Sätze oder Zielsetzungen formulieren. Ausser vielleicht einen fast selbstverständlichen Anspruch: Eine Agentur wie Wirz muss sowohl kreativ als auch wirtschaftlich zu den Top 3 gehören.
Werden Sie sich finanziell an der Agentur beteiligen?
Wirz ist ja dafür bekannt, dass sie eine Mitarbeiterbeteiligung generell fördert. Und ich gebe gerne zu, dass das den Reiz, nach Zürich zu kommen, erhöht hat. Wobei ich ja auch in Wien beteiligt war - mit zehn Prozent.
Sie sind der Bruder von Jean Etienne Aebi, seines Zeichens Chief Creative Officer bei Publicis. Bricht nun in Zürich der Konkurrenzkampf der Aebis aus?
Nun, immerhin habe ich ja 1983 bei meinem Bruder und seiner damaligen Agentur Aebi&Partner die ersten Sporen in der Werbung abverdient! Sagen wir es doch ganz einfach: "This town is big enough for both of us!" (lacht herzlich). Wenn ich Jean Etienne auch von Herzen einen goldenen Lebensabend wünschen würde. Nein, im Ernst: Wir beide kommen blendend miteinander aus und haben auch während meiner Zeit in Wien immer einen prima Kontakt gehabt. So gesehen sehe ich das Ganze eher sportlich. Wobei es natürlich schon spannend wird, wenn der Wirz-Aebi zum erstenmal gegen den Publicis-Aebi antritt...
Wo sehen Sie die grössten Unterschiede zwischen der österreichischen und der Schweizer Werbung?
Die Frage wurde mir bereits vor 15 Jahren hier in Wien gestellt wenn auch mit umgekehrten Voraussetzungen (lacht). Objektiv gesehen gibt es einen sehr starken Unterschied, und zwar in der Rolle und Bedeutung der Medien. In der österreichischen Werbung zählen vor allem die elektronischen Medien wie Fernsehen und Radio. Und dann das Plakat. So ist zum Beispiel Wien meines Wissens Europas Stadt mit der grössten Plakatdichte. Anzeigen respektive Print führen daneben ein eher kümmerliches Dasein, was für mich als Texter/Konzepter natürlich immer ein Jammer war, da das in der Schweiz genau umgekehrt ist. Eine grossformatige Doppelseite in einer wichtigen Tageszeitung das finden Sie hier kaum. Historisch hat auch der Wettbewerb hier noch nicht so eine lange Tradition wie in der Schweiz, mit der Konsequenz, dass der Konkurrenzdruck viel kleiner ist. Was sich handkehrum oft auch wieder negativ auf das Niveau auswirkt. Vom Arbeitsklima her habe ich Wien hingegen immer als äusserst angenehm empfunden. Ganz relevant sind dabei natürlich auch die Wiener Mentalität, der Humor, die Menschlichkeit. Alles Dinge, die der manchmal doch eher steifen Schweiz durchaus gut anstehen würden. Aber vielleicht gelingt es mir ja, ein bisschen Wiener Lebensart nach Zürich mitzubringen...