Weiblich kostet 20 Prozent weniger

Publicis - Der Bohrer kostet 120.90 Franken, die Bohrerin 96.90 Franken: Frauen verdienen laut Studien noch immer 20 Prozent weniger als Männer, - trotz gleicher Ausbildung und Position. Um diesen Missstand aufzuzeigen, hat die Werbeagentur Publicis im Auftrag der Frauenzentrale Zürich Alltagsgegenstände mit unterschiedlichen Preisen produziert. Sparschäler, Kopfhörer oder Korkenzieher kosten als männliche Ausführung 20 Prozent mehr als die feminine Variante. persoenlich.com stellt die Kampagne vor und hat bei Publicis nachgefragt, wie es Agentur-intern um die Lohngerechtigkeit bestellt ist.

"Weiblichkeit darf nicht weniger wert sein", so der Claim der neuen Kampagne: Um auf die 20 Prozent Lohndifferenz zwischen Mann und Frau hinzuweisen, haben die Werber von Publicis die Ungleichheit einfach auf Produkte übertragen.

Männliche Produkte sind teurer
15 Gebrauchsgegenstände wie Fön, Sparschäler oder Korkenziehen kosten als männliche Variante 20 Prozent mehr als die feminine. Diese ist zwar von identischer Qualität, kostet aber deutlich weniger. Also ist z.B. der Fernseher teurer als die Fernseherin, der Dosenöffner teurer als die Dosenöffnerin, der Kugelschreiber teurer als die Kugelschreiberin etc. "Genau so wie Frauen in Schweizer Firmen immernoch weniger wert sind als Männer", schreibt Publicis in einer Mitteilung.

Mitglieder gewonnen
Als eine der ersten Massnahmen wurden im Dezember eine Kollektion von Gebrauchsgegenständen unter die Leute gebracht. Es ergaben sich spontane Diskussionen mit Passanten, wobei neue Mitglieder für den von der Frauenzentrale Zürich unterstützten Kampf gegen Lohnungerechtigkeit rekrutiert werden konnten (vgl. Casefilm).

Daneben realisierte Publicis nicht ganz ernst gemeinte Teleshopping-Spots, in denen TV-Urgestein Walter Freiwald als Moderator auftritt. Unter der eingeblendeten Telefonnummer und über die URL gibt es nichts zu bestellen, doch man kann sich als Mitglied der Frauenzentrale anmelden. 

Die Aktion wird in diesen Tagen weiter durch Outdoor-, Print- und Onlinemassnahmen sowie Radiospots beworben. Als Höhepunkt wird am 8. März zum Internationalen Tag der Frau in Bern eine grosse Demonstration stattfinden.

Publicis arbeitet seit etwa acht Jahren für die Frauenzentrale. "Wir haben immer wieder Kampagnen für sie gemacht und es ist auch Geld von seitens Frauenzentrale geflossen", antwortet Creative Director Urs Schrepfer auf die Frage, ob es sich bei der Zusammenarbeit um ein regulär bezahltes oder ein freundschaftliches Engagement handelt.

Publicis verweist auf Online-Tool
Bei der ganzen Diskussion um "Gleiche Arbeit, gleicher Lohn" stellt sich die Frage: Wie viel ist weiblich wert bei Publicis? Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern sei ein Anliegen, bisher wurde die Situation innerhalb der Agentur angeschaut, doch nicht bis ins letzte Detail überprüft. "Wir haben auf logib.ch nachgeforscht und "eingehalten" bekommen", erklärt Urs Schrepfer und fügt an: "Aber vielleicht müsste man das demnächst vertieft branchenweit mal machen".

Verantwortlich bei der Frauenzentrale Zürich: Andrea Gisler (Präsidentin); verantwortlich bei Publicis: Thomas Wildberger (CCO), Urs Schrepfer (Creative Direction), Daniel Ahrens, Jan Kempter, Raphael Graber, Norihito Iida, Gregory Hedrich, David Fischer (Kreation), Alain Goetschi (Beratung), Benjamin Kägi (Art Buying), Tiago Dias (Development), Rolf Hefti (Produktion), Felix Streuli (Fotograf); Filmproduktion: Dynamic Frame; Tonstudio: Jingle Jungle. (eh)