Wie stark trifft die Aufhebung des Euro-Mindestkurses die Schweizer Werbebranche? Nach dem überraschenden Entscheid der Schweizerischen Nationalbank SNB von letzter Woche macht "bsw leading swiss agencies"-Präsident Geri Aebi eine Einschätzung.
Herr Aebi, welches sind die einschneidesten Veränderungen für die Schweizer Werbeagenturen, die die Aufhebung des Euro-Mindestkurses mit sich bringt?
Ganz einfach und plakativ formuliert: Am Donnerstagmorgen kurz nach 11 Uhr ist der Werbe- und Produktionsstandort Schweiz im internationalen Vergleich schlagartig um 15 bis 20 Prozent teurer geworden. Das trifft uns als Branche zwar nicht ganz so hart wie die Exportindustrie oder den einheimischen Tourismus, wird aber den bereits happigen internationalen Wettbewerb und Konditionendruck sicher noch einmal zusätzlich verschärfen.
Welche Agenturen sind am Stärksten benachteiligt?
Werbung ist ein ausgesprochenes people's business und die Nähe zu den Kunden und das Verständnis für den Markt sind ganz entscheidend. Insofern mache ich mir als BSW-Präsident für die "leading swiss agencies" keine allzu grossen Sorgen, insbesondere wenn sie vorwiegend Schweizer Kunden in der Schweiz betreuen. Im Gegenzug dürften Schweizer Network-Agenturen mit grossen internationalen Kunden durch die aktuelle Währungsentwicklung tendenziell stärker betroffen sein.
Könnte es sein, dass internationale Firmen ihre Werbung künftig im Euro- oder Dollarraum einkaufen werden?
Die Versuchung, im Ausland günstiger einzukaufen dürfte vor allem im Produktionsbereich noch grösser werden - und das gilt nicht nur für grosse internationale Firmen. Im Beratung und Kreationsbereich liegt es an uns als führende Schweizer Agenturen, allfällige Abwanderungsgelüste mit ausgezeichneter Arbeit und hohem persönlichen Engagement zu verhindern - und den Auftraggebern weiterhin mit "creativity swiss made" eine höhere Investitionssicherheit zu geben.
Sind Agenturen mit Hauptsitz oder Zweigstelle im Euroraum (z.B. Deutschland) im Vorteil?
Ich kann mir schon vorstellen, dass die eine oder andere deutsche Agentur mit Ableger in der Schweiz das Kostenargument jetzt noch offensiver ins Feld führen wird.
Inwiefern haben sich die Agenturen in den letzten Jahren mit dem "Schutzschirm Mindestkurs" auf die anhaltend starke Franken-Situation angepasst?
Ich denke nicht, dass der Mindestkurs per se für die Agenturen so entscheidend war. Aber der über Jahre jetzt mehr oder weniger stabile Euro-Kurs hat zumindest die kostenmässige Vergleichbarkeit berechenbar gemacht.
Wie denken Sie, wird diese Situation die Media-Agenturen und schliesslich die Medien betreffen?
Was die Möglichkeit betrifft, sich als Werbeauftraggeber in der Schweiz z.B. von einer Mediaagentur in Deutschland beraten zu lassen, scheint mir Mediaagentur-Business doch noch stärker lokal geprägt als das Werbeagentur-Geschäft. Ähnlich sehe ich es bei den Medien selbst. Wo einzig im Printbereich vielleicht der eine oder andere ausländische Titel jetzt preislich etwas attraktiver erscheinen könnte.
Fragen: Edith Hollenstein, Bild: Keystone
Geri Aebi ist Präsident des Verbandes bsw leading swiss agencies sowie CEO und Mitinhaber von Wirz.