Zürich vergibt Kampagne zu Tiefstsätzen

Employer Branding - Für einen Stundensatz von 110 Franken erhält die Agentur Source Associates den Zuschlag für die gesamtstädtische Employer-Branding-Kampagne der Stadt Zürich. Aus der Branche kommt Kritik – von «Dumping» ist die Rede. Die Stadt verteidigt den Entscheid.

von Christian Beck

Die Stadt Zürich hat den Zuschlag für die Weiterentwicklung und Umsetzung ihrer gesamtstädtischen Employer-Branding-Kampagne vergeben. Wie aus der Publikation auf der Beschaffungsplattform simap.ch hervorgeht, erhielt die Zürcher Agentur Source Associates AG den Zuschlag. Sie habe die höchste Gesamtnote erzielt und damit das wirtschaftlich vorteilhafteste Angebot eingereicht, heisst es in der Begründung.

Für Aufsehen sorgt dabei der Preis: Gemäss Publikation offerierte Source Associates einen mittleren Stundensatz von 110 Franken (inklusive Mehrwertsteuer). Aus der Werbebranche gibt es Kritik an dieser Grössenordnung. Ein Werber spricht gegenüber persoenlich.com von Dumping. Ein anderer geht davon aus, dass 110 Franken nicht einmal den Deckungsbeitrag für einen Junior-Mitarbeiter abdecken dürften. Einen derart tiefen Ansatz könne man wohl nur anbieten, wenn die Arbeit ins Ausland verlagert werde.

Kritisiert wird zudem das langwierige Verfahren und dessen Ausgang. Die Ausschreibung auf der Beschaffungsplattform Simap habe nun, nach über einem Jahr, ihren Abschluss gefunden, kommentiert ein weiterer Werber. Er wisse nicht, wie eine Schweizer Agentur zu diesem Preis wirklich überleben könne. Offenbar gewinne man mit einem solchen Ansatz aber öffentliche Ausschreibungen.

Zwei Angebote, ein Zuschlag

Der Auftrag ist Teil eines längeren Verfahrens. Die Stadt Zürich hatte eine erste Ausschreibung für die Kampagne im September 2025 abgebrochen (persoenlich.com berichtete). Die Neuausschreibung wurde im Januar 2026 auf simap.ch publiziert, mit neuer Aufgabenstellung sowie angepassten Zuschlags- und Bewertungskriterien.

In der ersten Stufe gingen bei der Vergabestelle 23 Teilnahmeanträge ein. Davon erfüllten 21 die geforderten Mindestanforderungen hinsichtlich der Eignungskriterien, wie aus der Simap-Publikation zur Teilnehmerauswahl hervorgeht. Vier Anbieter qualifizierten sich für die zweite Stufe. Dort wurden ein Preisblatt mit Stundensätzen sowie die Bearbeitung und Präsentation mehrerer Aufgaben verlangt. Zwei der vier Anbieter zogen sich während dieser Stufe zurück – aus Gründen, die laut Stadt im Verantwortungsbereich der jeweiligen Anbieterinnen liegen. Damit standen sich am Ende nur noch zwei Angebote gegenüber, wie die Zuschlagspublikation zeigt.

Zum Vergleich: An der ursprünglichen, im September 2025 abgebrochenen Ausschreibung hatten sich noch elf Agenturen mit vollständigen Angeboten inklusive kreativer Vorarbeit beteiligt. Im neu aufgesetzten, zweistufigen Verfahren war das Feld der Bewerberinnen zwar mit 23 Teilnahmeanträgen breiter, verengte sich am Ende aber auf denselben Zweikampf.

Stadt bestätigt vertiefte Preisprüfung

Auf Anfrage von persoenlich.com bestätigt Greta Grashorn, Leiterin HR-Kommunikation und Employer Branding bei der Stadt Zürich, dass die eingereichten Stundensätze sorgfältig geprüft worden seien. Aufgrund der tiefen Preisansätze sei gestützt auf die Nachfragepflicht gemäss Artikel 38 Absatz 3 der Interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB) eine vertiefte Prüfung durchgeführt worden. Die Anbieterin sei aufgefordert worden, ihre Preisgestaltung sowie die Erfüllung der Anforderungen näher zu erläutern.

Diese habe «nachvollziehbar darlegen» können, dass sie die Anforderungen des Auftrags und die Vertragsbestimmungen verstanden und bei der Preisgestaltung berücksichtigt habe, so Grashorn. Ausschlussgründe hätten sich keine ergeben. Ein erhöhtes Risiko für die Qualität der Leistungserbringung sehe die Stadt nicht: Der Zuschlag habe nicht allein auf dem Preis beruht, massgeblich seien auch die Qualifikation der Schlüsselpersonen, Referenzen sowie die Bearbeitung und Präsentation der gestellten Aufgaben gewesen. Eine genaue Gewichtung der einzelnen Kriterien nennt die Stadt nicht.

Agentur weist Dumping-Vorwurf zurück

Lukas Rüegg, Partner Strategie und Consulting bei Source Associates, weist den Dumping-Vorwurf indirekt zurück. Beim publizierten Stundensatz von 110 Franken inklusive Mehrwertsteuer handle es sich nicht um einen Einheitssatz, sondern um einen mittleren Stundensatz; je nach Leistung und Projektphase variierten die Ansätze. Das Team-Setup habe man anhand der in der Ausschreibung verlangten Projektrollen definiert. Die offerierten Sätze seien «selbstverständlich kostendeckend», was die Stadt vor dem Zuschlag detailliert nachgeprüft habe.

Zur eigenen Erfahrung mit öffentlichen Aufträgen verweist Rüegg auf «viel Erfahrung» mit der öffentlichen Hand und staatsnahen Betrieben. Die Kalkulation für die öffentliche Hand unterscheide sich «nicht grundsätzlich» von jener für private Kundschaft; Offerten seien immer transparent und basierten auf unternehmerischen Kalkulationen. Man habe an der 2025 abgebrochenen Ausschreibung nicht teilgenommen und sei «völlig unbelastet» ins neue, zweistufige Verfahren gestartet.

Kostendach deckt Agentur, Produktion und Media

Zur finanziellen Grössenordnung des Auftrags liefert die Stadt auf Anfrage zudem neue Zahlen: Für die vierjährige Vertragslaufzeit gilt ein Kostendach von jährlich 450'000 Franken, total also 1,8 Millionen Franken. Dieses Kostendach deckt allerdings nicht nur die Agenturleistung ab, sondern auch Produktion und Media inklusive Platzierung und Distribution. Ein konkretes Stundenvolumen für den Aufwand der Anbieterin wurde laut Stadt nicht definiert.