22-Jähriger narrt internationale Medien

PR-Coup - UNO-Praktikant macht mit ungewöhnlicher Aktion auf die Situation unbezahlter Praktikanten aufmerksam.

"Guardian", "New York Times", "Daily Mail" und die BBC: Sie alle berichteten über die Meldung eines 22-jährigen UNO-Praktikanten, der mangels Bezahlung vom Arbeitgeber in einem Zelt übernachten muss. Nun stellt sich heraus, dass zumindest Teile der Geschichte inszeniert sind.

Entdeckt hat den campierenden Praktikanten die "Tribune de Genève". David Hyde, ein junger Neuseeländer aus Christchurch, suchte nach seinem Studium der internationalen Beziehungen einen Praktikumsjob. Gefunden hat er diesen bei der UNO in Genf. Der einzige Haken: Das Praktikum beim Völkerbund ist unbezahlt. Kein Lohn, keine Verpflegungszulage, keine Krankenversicherung.

Praktikum gekündigt

Hyde hat den Job trotzdem angenommen. Da er sich keine Unterkunft leisten könne, übernachte er nun in einem Zelt am Genfersee, sagt er gegenüber der "Tribune de Genève". Die daraus resultierende Medienrummel war enorm und veranlasste den 22-Jährigen, seine Praktikumsstelle zu kündigen, wie er vor versammelten UNO-Korrespondenten erklärte.

Am Freitag folgte dann aber die überraschende Enthüllung: Die Zeltaktion war ein inszenierter PR-Coup, um auf die Situation unbezahlter Praktikanten aufmerksam zu machen. Dies sagt Hyde gegenüber dem Online-Medium "The Intercept". So habe er die Möglichkeit erhalten, vor der Weltpresse seine Botschaft zu platzieren. Der Grundsatz "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" sei schliesslich in der UNO-Menschenrechtserkärung verankert.

Demonstration vor UNO-Sitz

Der Unmut über unbezahlte Praktika hat am Freitag rund 100 Studenten und Uni-Absolventen auf die Strasse gebracht. Vor dem Genfer UNO-Sitz demonstrierten sie für eine Vergütung von Praktika bei den Vereinten Nationen.

In Sprechchören riefen sie "Unpaid is unfair – pay your intern" (unbezahlt ist unfair - bezahle deinen Praktikanten). UNO-Sprecher Ahmed Fawzie sagte, die Nichtbezahlung von Praktika sei einst von der UNO-Generalversammlung beschlossen worden. Viele UNO-Angestellte bedauerten dies. "Wir meinen, Praktikanten sollten bezahlt werden." Die Mitgliedstaaten sollten die Mittel im UNO-Haushalt bereitstellen.

Allein in Genf - einer der teuersten Städte der Welt - sind derzeit 275 UNO-Praktikanten betroffen, hinzu kommen weitere in New York und anderen UNO-Standorten. (ruh/sda)