Mit den beiden Sympathieaktionen will Standortmarketing Schweiz erreichen, dass die Schweiz als Gastgeberland punktet. "Wir wollen sympathisch erscheinen. Charmant sind ja bereits die Österreicher", witzelte Jörg Krebs, Leiter von Standortmarketing Euro 08 am Dienstag vor den Medien im Zürich. Für die Vermarktung der Schweiz stehen ihm im Hinblick auf das Fussballturnier 12.5 Millionen Franken zur Verfügung, davon 10 Millionen vom Bund.
Schon seit Dezember werden Besucher der Schweiz an der Landesgrenze mit einer Willkommensbotschaft empfangen. "Wir freuen uns auf die Deutschen", sagt da ein Schweizer Postauto-Chauffeur im Deutschland-Trikot, "Che bello! Arrivano gli italiani" schwärmt eine SBB-Schaffnerin im Leibchen der Azzurri. In ihrer Landessprache willkommen geheissen werden die Fans der zehn Mannschaften, die entweder in der Schweiz wohnen oder spielen. An über 100 Grenzübergängen, Flughäfen und Bahnhöfen sind die Plakate und Leuchtsäulen bereits positioniert.
Mit Video-Clips wird die Vorfreude-Kampagne, welche die Werbeagentur Spillmann Felser Leo Burnett entwickelt hat, ab Dienstag nun auch in der Schweiz eingeläutet. Ein Mann erklärt: "Als Appenzeller in Basel freue ich mich natürlich auf die Spanier." Es ist einer der zahlreichen Clips, die in den drei grossen Landessprachen am Fernsehen zu sehen sind. Die Leibchenträger auf den Plakaten und in den Video-Clips seien keine Schauspieler, sondern "echte Schweizer, denen man auf der Strasse, in der Beiz, im Zug, oder auf dem Berggipfel begegnen kann", betonte Krebs an der Präsentation. Die Werbefilme laufen in den Kinos der vier Host Cities Bern, Basel, Zürich und Genf.
Die Schweiz als sympathisches Gastgeberland
Neben dieser Vorfreude-Aktion sollen aber vor allem jene Schweizer und Schweizerinnen für ihr Land punkten, die in Kontakt mit den Fussballfans kommen. Bereits im ersten Moment entscheide sich, ob sich Besucher der Schweiz als Gäste oder bloss als Kunden behandelt fühlten, erklärte Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus. Eine zweite Chance erhielte man nicht. Die Marketingorganisation will deshalb mit allen ihr zur Verfügung stehenden Kräften dafür sorgen, dass die angereisten Gäste während der Euro auf ein überraschend herzliches und kompetentes Gastgeberland treffen.
Um dieses Ziel zu erreichen, sollen bis zum Beginn des Turniers im Schneeballprinzip mehr als 50'000 Gastgeberinnen und Gastgeber von geschulten Trainern ausgebildet werden. Los geht der Ausbildungsmarathon am 23 Januar: In einem ersten Schritt will Standortmarketing Schweiz unter der Leitung des Kommunikationsspezialisten Dan Wiener 300 Coaches schulen. Diese geben das erlangte Wissen danach ihren Mitarbeitern weiter. Themen der Ausbildung sind: "Punkten Sie als Gastgeber", "... als Kenner der Euro 2008", "... als City Guide", "... bei den Fans", sowie "... mit Fairness und Sicherheit".
Euro 08 als einmalige Chance zur Imagekorrektur
Dass die Fieberkurve in der Schweiz 150 Tage vor Anpfiff des Eröffnungsspiels noch kaum in die Höhe geschnellt ist, beunruhigt den Euro 08-Delegierten des Bundesrats, Benedikt Weibel trotz der kritischen Beiträge in den Medien nicht, wie er gegenüber "persoenlich.com" erklärt. "Es ist undenkbar, schon Monate vor der Euro 08 in Euphorie zu verfallen. Man ist schliesslich auch nicht schon in der Vorbereitungsphase eines Hochzeitsfestes enthusiastisch." Vielmehr tue man alles, damit es -- wenn es soweit ist -- ein tolles Fest werde.
Für Weibel ist neben den Vorbereitungen für die Fussball-WM die Gastgeberinitiative das Wichtigste überhaupt. "Mit der Euro 08 erhalten wir eine einmalige Chance, das Image unseres Landes zu korrigieren." Um die Reputation der Schweiz im Ausland stehe es nämlich nicht zum Besten, wie Weibel erklärt: "Wir Schweizer werden wohl als kompetent, zuverlässig und korrekt angesehen. Auf der Freundlichkeitsskala befindet sich unser Land aber etwa bei Null. Und auf der Fröhlichkeitsskala bei Minus 20."
Dank der Euro könne die Schweiz eine Imagekorrektur erreichen, die allein mit gekaufter Werbung nie möglich sein werde. Weibel ist insgesamt sehr zuversichtlich, was die Vorbereitung der Euro 08 betrifft. Zwar gebe es in den Monaten bis zur Euro noch sehr viel zu tun. "Aber wir sind in jeder Beziehung auf Kurs." (dvp)