Aus der Post wird 2013 die Schweizerische Post AG. Als ersten Verwaltungsratspräsidenten der Aktiengesellschaft hat der Bundesrat den bisherigen Post-Präsidenten Peter Hasler gewählt. Die Umwandlung in eine AG ist Folge der neuen Postgesetzgebung. Die Post tritt voraussichtlich auf Anfang Mai 2013 als spezialgesetzliche Aktiengesellschaft auf. Den genauen Zeitpunkt bestimmt der Bundesrat Ende Jahr. Der geplanten Schweizerischen Post AG werden die drei Konzerngesellschaften PostFinance AG, Post CH AG - mit den Logistik- und Kommunikationsdiensten - sowie die bereits bestehende PostAuto AG unterstellt. Der Bundesrat nahm an seiner Sitzung vom Mittwoch von den organisatorischen Absichten Kenntnis, wie das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) am Donnerstag mitteilte.
Weniger Halbjahres-Gewinn
Die Post hat im ersten Halbjahr 2012 einen Konzerngewinn von 459 Millionen Franken erzielt. Trotz des Rückgangs von 17 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode zeigte sich Postchef Jürg Bucher zufrieden. 2012 werde solide ausfallen. Der Konzerngewinn für das erste Semester 2011 war 91 Millionen Franken oder 17 Prozent tiefer als das Rekordergebnis von 550 Millionen im ersten Halbjahr 2011. Die Post habe die Ziele sehr gut erreicht, sagte Konzernchef Bucher am Donnerstag in Bern vor den Medien.
Die schwierige Lage auf den Finanzmärkten mit "nahezu null Zinsen" mache sich beim Vorsorgeaufwand und auch beim geringen Zinserfolg bemerkbar. Zudem seien ausserordentliche Erträge aus Immobilienverkäufen weggefallen. Umsatz leicht rückläufig Der Betriebsertrag oder Umsatz sank im ersten Semester 2012 leicht auf 4,29 Mrd. Franken (Vorjahresperiode: 4,31 Mrd.) zurück. Das Eigenkapital betrug Mitte Jahr 5,16 Mrd. Franken. Für das ganze 2012 rechnet die Post mit einem Konzerngewinn von über 800 Mio. Franken. Bucher sprach von einem soliden Jahr. Alle vier Märkte der Post sind laut Bucher "gut unterwegs": Der Hauptanteil des Betriebsergebnisses (EBIT) von insgesamt 448 Mio. Franken entfällt auf PostFinance mit 295 Mio. Franken (Vorjahresperiode: 330 Mio.). Hauptgrund für den Rückgang sind die historisch tiefen Zinsen auf den Finanzmärkten. Bucher: "Brief kann sich gut halten"
Das Betriebsergebnis der Kommunikation lag bei 61 Millionen Franken (75). Hier schlugen namentlich die höheren Aufwendungen für die Personalvorsorge zu Buche - in diesem Markt arbeiten die meisten Postangestellten. Das Betriebsergebnis für PostMail sank von 142 Mio. Franken in der Vorjahresperiode auf 112 Mio. Franken. Die Menge der adressierten Briefe ging um 1,8 Prozent zurück. Stark zugenommen hat die Menge der nicht adressierten Sendungen, nämlich um 47 Prozent. Grund ist die vollständige Übernahme der DMC-Gruppe. "Der Brief kann sich im Kommunikationsmarkt gut halten", stellte der abtretende Konzernchef dazu fest. Immer weniger Postgeschäfte werden am Schalter erledigt: Der Bereich Poststellen und Verkauf schloss wie in der Vorjahresperiode mit roten Zahlen ab, nämlich mit einem Defizit von 53 (70) Mio. Franken. Dank der Anpassungen im Poststellennetz konnte laut Bucher der Verlust reduziert werden.
Die Führung in der neuen Post AG ist die gleiche wie bei der Anstalt: Der Bundesrat wählte die bisherigen neun Verwaltungsräte für eine zweijährige Amtsdauer in den neuen Verwaltungsrat. Der ehemalige Arbeitgeberpräsident Peter Hasler bleibt somit Präsident. Damit sei die Kontinuität gewährleistet, schreibt das UVEK. Die neue Postgesetzgebung macht die neue Organisationsform der Post erst möglich. Das Postgesetz sowie das Postorganisationsgesetz setzt der Bundesrat auf den 1. Oktober in Kraft, wie das UVEK weiter mitteilt. Das Parlament hatte die Gesetze im Dezember 2010 verabschiedet. Dabei verzichtete es darauf, den Postmarkt vollständig zu liberalisieren. Die Post behält ein Restmonopol auf den Versand von Briefen bis zu 50 Gramm. Das Gesetz schuf auch die neue Regulationsbehörde im Postmarkt (PostCom), welche als Ersatz für die ehemalige PostReg die Einhaltung der Marktordnung überwacht. Als Präsident hat der Bundesrat wie angekündigt den ehemaligen Zürcher CVP-Regierungsrat Hans Hollenstein gewählt. Der PostCom gehören insgesamt sieben Personen an.
Im ersten Semester 2012 hat die Post 4,4 Prozent mehr Pakete zugestellt als im ersten Halbjahr 2011 - sie profitiert unter anderem von der Zunahme des Internet-Handels. Dass das Betriebsergebnis von PostLogistics mit 73 (78) Millionen Franken unter dem Niveau von 2011 blieb, liegt an höheren Aufwendungen für Speditionsleistungen und Investitionen in IT-Systeme. Agil bleiben PostAuto konnte das Betriebsergebnis der Vorjahresperiode mit 18 (19) Millionen Franken fast halten, bei rund 7 Prozent mehr gefahrenen Kilometern. Hauptgrund für den Rückgang sind höhere Kosten für die Personalvorsorge. Bucher zog an der Medienkonferenz für seine Zeit an der Spitze der Post. Die Post habe sich in den vergangenen Jahren laufend an veränderte Bedürfnisse anpassen müssen. Ein Abbau sei das nicht, betonte er. Angesichts der Anforderungen von Kunden und Konkurrenz müsse die Post agil bleiben, in der Organisation und in den Köpfen. (sda)