EMEX 09: An der diesjährigen Schweizer Fachmesse für Marketing, Kommunikation, Event und Promotion sprach die Branche Klartext. Ob zu höchstaktuellen Themen wie der Handhabung von Social Media Networks und der Frage, ob man Facebook am Arbeitsplatz sperren sollte, bis hin zu Green Marketing, der Zukunft der Printmedien und der dringlichen Frage, wie man im Internet überhaupt Geld verdienen kann. Der Blick nach vorn offenbarte eine Zukunft voller Herausforderungen und Fallen. Der Bericht:
Das Internet ist gross, das Internet ist mächtig. Doch wer verdient auf diesem digitalen Tummelplatz, der den Konsumenten täglich Unmengen von Informationen unglaublich schnell zugänglich macht, eigentlich Geld? Dies eine der wichtigsten Fragen, die Moderator Matthias Ackeret, Chefredaktor von persoenlich, in seinem Podiumsgespräch im Rahmen des von Swiss Marketing ausgerichteten EMEX Trendpanels am Donnerstagmittag an seine Gäste richtete. Ein Gespräch, während dem in einer Dreiviertelstunde praktisch alle heissen Eisen der Kommunikationsbranche kurz angefasst und betrachtet wurden.
"Google natürlich!" lautete die Antwort aus der Runde, die aus Swiss Marketing Präsident Uwe Tännler, dem WEMF Geschäftsführer Marco Bernasconi und dem Experten für Online Business Peter Hogenkamp von der Blogwerk AG bestand. Als Ackeret nach Schweizer Beispielen fragte, führte Hogenkamp zögerlich die Tamedia mit ihren Newsportalen an. Ob dort allein mit dem Online-Auftritt, an dem eine Redaktion von insgesamt 100 Personen beteiligt ist, derzeit schon Geld verdient werden kann, scheint allerdings sehr ungewiss. Die "NZZ" jedenfalls, habe die Neuerungen im Web total verpennt, meinte der Experte.
Das Problem lasse sich nur über eine Mischrechnung lösen, fügte Bernasconi an. Alleine könne sich das Web wohl kaum tragen. Man sei erst auf dem Weg zu passenden, ertragsreichen Modellen zu finden. "Wir haben die neue Form von Online-Werbung noch nicht gefunden", gab Hogenkamp ehrlich zu. Als Werber müsse man aber vor allem darauf bedacht sein, auf allen Kanälen erreichbar zu sein. Denn, obwohl Facebook in der Schweiz derzeit bereits über 1,5 Millionen User zählt und damit prozentual weit über den Nutzungsraten in den Nachbarländern liegt, weiss niemand, was die Zukunft bringt. Niemand kann mit Sicherheit sagen, welche Bedeutung Facebook in fünf Jahren hat oder ob es die Social Network überhaupt noch gibt. Die Online-Welt ist noch immer von unglaublich vielen Unsicherheiten und Ungewissheiten bestimmt zumindest dies kam am dritten Tag der diesjährigen EMEX wieder einmal klar zum Vorschein.
"Man ist im Online Bereich in viele Fallen getappt", sagte Hogenkamp und führte das Verhalten der Verlagshäuser und speziell der Newsportale als Beispiel an. Mittlerweile wird sehr viel Content umsonst zur Verfügung gestellt. Content, der Geld kostet. Nun versuchen viele deutsche Verlage diesen Schritt rückgängig zu machen und den Konsumenten wieder zum Zahlen zu bewegen. "Ich glaube kaum, dass dieser Fehler je wieder reparierbar ist", konstatierte der Blogwerk-CEO. Internet User seien in dieser Hinsicht nicht erziehbar. Das kostenlose Angebot habe sich eingespielt, genau wie die Tatsache, dass das Verschicken von SMS kostenpflichtig und dasjenige von E-Mails gratis sei. Auch dass die Stadt Zürich nun ihren Beamten die Benützung von Facebook verbiete sei töricht, sagte Hogenkamp weiter. Man könne die Leute nicht in dieser Form bevormunden. Wer übers Netz nicht auf Facebook zugreifen könne, nehme dann am Arbeitsplatz halt einfach das private iPhone zur Hand.
Aber, was alle betonten: Auch wenn das Internet viele Fallen biete und niemand wisse, was in fünf Jahren sein werde, dürfe man in diesem Bereich keinen Zug verschlafen. Man müsse jeden Kanal nutzen, um seine Kunden zu erreichen. Zum Beispiel auch den derzeit extrem aufblühenden Microblogging Dienst Twitter. Ihm wurde an der EMEX viel Platz eingeräumt: Es wurden Twitter-Schulungen angeboten und auf der E-Business Expertenbühne referierte am Donnerstagnachmittag Daniel Ebneter, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz, über "Microblogging als Marketinginstrument?".
Er demonstrierte in seinem Vortrag, wie stark die über das Portal abgesetzten Meldungen bereits die Meinungen der User beeinflussen. So flachte der Besucherzustrom des Ulkstreifens "Brüno" sofort deutlich ab, nachdem sich die Twitter Community mit grosser Mehrheit negativ über den Film geäussert hatte. Und er zeugte, wie sich die Verbreitung von Markennamen mittels sogenannter Hash-Tags einfach nachvollziehen lässt. Richtig angewendet, personalisiert und in Kombination mit anderen Plattformen wie Xing, Myspace oder Facebook bietet Twitter einiges an Potential auch für Werbetreibende. Denn die fleissigsten Zwitscherer sind keineswegs Jugendliche oder Twens, sondern Middle Agers mit guter Bildung und gutem Einkommen.
In der Schweiz twittern bereits mehrere tausend Personen und Unternehmen. Insgesamt hat sich der Traffic auf der Twitter Website im ersten Halbjahr 2009 auf 50 Millionen Besuche pro Monat verzehnfacht. Das Gezwitscher eines Einzelnen hallt also mittlerweile über die ganze Welt. Und auch die Website der EMEX war mit einem Messeblogger und mehreren Livetwittern immer auf dem neusten Stand. Dranbleiben, heisst es im Netz.
Nicht zuletzt wurde an der EMEX 09 auch das Thema Green Marketing breit abgehandelt. Es handle sich um einen wichtigen und richtigen Trend. Einen, der bleiben werde, konstatierte Swiss Marketing Präsident Uwo Tännler. Auch wenn sich die KMUs derzeit solche Engagement vielfach gar nicht leisten können.
(Text: Adrian Schräder)
Bild: Auch über Streetview, Googles neusten Streich, wurde an der EMEX gesprochen. Auf diesem Bild ist Blogwerk CEO Hogenkamp auf dem Rückweg vom Thai-Imbiss zu seinem Büro zu sehen. Beim Versuch mit dem iPhone ein Foto des Google-Autos zu schiessen.