Frau Ryter, Sie haben mit Glamnet eine Celebrity Plattform gestartet. Was findet man dort?
Auf der Plattform werden zahlreiche Schweizer Prominente aus verschiedenen Bereichen wie Entertainment, Sport, Kultur und Musik vorgestellt. Für den User sind ausführliche Informationen über diese Celebrities bereit gestellt: Von CV über Bilder, die letzten News sowie Presseerzeugnisse.
Was ist das Zielpublikum der Website?
Mit der Webseite sollen in erster Linie die Medien, Unternehmen und Agenturen angesprochen werden. Glamnet ist somit keine klassische Publikumsplattform. Mit der Zeit soll aber auch das Angebot für Fans ausgebaut werden.
Warum sollten Journalisten über Glamnet gehen, bis jetzt ging es ja auch auf direktem Weg über den Promi selbst?
Wenn ein Prominenter ein neues Projekt hat, kann dieser schlecht bei der Presse anrufen und sagen: Wow, schaut mal her, ich habe einen neuen Film gedreht. Mit Glamnet haben wir diese Funktion übernommen und informieren die Medien über berichtenswerte Neuigkeit unserer Celebrities.
Gerade in der People-Branche interessieren oft auch Gerüchte, Klatsch und Tratsch. Ist es für Journalisten und Leser nicht langweilig, wenn die Informationen vorher von einer Agentur "gefiltert" wurden?
Wir wollen insbesondere die sachlichen Neuigkeiten verbreiten. Daneben gibt es immer noch genug direkte Anfragen an die Prominenten. So klappt das weiterhin mit den Klatsch- und Tratsch-Geschichten. Ich war ja auch lange im Boulevard-Journalismus tätig und weiss wie das Ganze funktioniert. Die Agentur will dies keinesfalls unterbinden, wir machen ja keine Zensur. Wir pflegen einen sehr guten Kontakt zu unseren Prominenten und natürlich auch zu den Medien. Wenn wir über witzige Gossips informiert sind, kommunizieren wir diese ebenfalls aktiv und stellen sie den Journalisten zur Verfügung. Es findet ein wirklich freundschaftlicher Austausch statt.
Die Schweizer interessieren sich oft mehr für internationale als für die heimischen Promis. Weshalb?
Das liegt oft an den Schweizer Prominenten selber, die oft zu bescheiden sind, um sich selbst und ihre Projekte zu präsentieren und ins Rampenlicht zu stellen. Es gibt nämlich durchaus viele Schweizer, die viel erreicht und sehr eindrückliche und gute Geschichten zu erzählen haben, doch wurden diese einfach nie richtig kommuniziert. In Deutschland läuft das Ganze völlig anders ab: Wenn man dort beispielsweise eine gute Filmrolle ergattert, steht man hin und verkündet das stolz.
Allgemein hat man auch das Gefühl, dass die Schweizer gar nicht so Promi-versessen sind. In welchem anderen Land könnte sich Roger Federer so ungestört bewegen. Gibt es in der Schweiz überhaupt einen Markt für eine Promi-Plattform?
Es hat in den letzten Jahren ein extremer Wandel stattgefunden, sonst hätten wir auch Glamnet noch nicht ins Leben gerufen. Insbesondere ist diese Veränderung im Umgang mit den Missen zu beobachten. Die Entwicklung begann etwa mit dem Amtsantritt von Melanie Winiger als Miss Schweiz. Zuvor hat sich eigentlich niemand für die Missen interessiert. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Öffentlichkeit die Schweizer Promis immer mehr wahr. Viele Anlässe und Events leben heute von Prominenten. Auch zahlreiche Medien haben aus diesem Wandel heraus People-Rubriken eingeführt.
Bis jetzt hat die Schweiz fast nur Missen als Promis. Wollt ihr mit glamnet den Schweizer Promimarkt aufmischen und auch neue Gesichter ins Rampenlicht bringen?
Ja , das ist eine unserer Absichten. Bis jetzt finden tatsächlich nur Missen und vielleicht noch Personen, die beim Fernsehen tätig sind, viel Beachtung. Es gibt in der Schweiz aber zum Beispiel auch viele talentierte Schauspieler, die international tätig sind. Diese sind aber noch nahezu unbekannt. Daneben gibt es talentierte Moderatoren, die zwar nicht beim Schweizer Fernsehen arbeiten, aber dennoch interessante Persönlichkeiten sind sowie sehr charismatische Sportler oder Musiker, die durchaus Promi-Potential haben.
Wenn man die Liste der Celebrities auf Glamnet betrachtet, fällt auf, dass einem nicht alle Namen geläufig sind. Kann man daraus interpretieren, dass es für die Agentur einfacher ist, ein neues Image aufzubauen als ein schlechtes zu verändern?
Das ist eindeutig so. Es ist für uns generell auch wichtig, dass sich die Künstler an gewisse Grundsätze halten. Ansonsten kann es schon passieren, dass wir auch einmal ein Mandat niederlegen. Das war zum Beispiel bei Piero Esteriore der Fall, als dieser mit seinem Auto ins Ringier-Gebäude reindonnerte.
Auf der Homepage heisst es unter anderem, dass Glamnet Menschen mit Marken verbindet. Wird Branded Entertainment immer wichtiger?
Die Idee von Glamnet ist eigentlich aus diesem Gedanken heraus entstanden. Unsere ersten Künstler waren Isabella Schmid und Anatole Taubman, die beide seit Jahren in Deutschland leben. Sie haben uns erzählt, dass Branded Entertainment dort ein riesen Trend ist. Agenturen wie Glamnet gibt es in Deutschland schon seit mehreren Jahren. Die Schweiz hinkt da zwar noch hinten nach, doch gewinnt das Thema immer mehr an Bedeutung. Es fällt auf, das immer mehr Marken mit Personen als Botschafter oder Testimonials werben wollen. Der Marke soll ein Gesicht und damit eine Identität verleiht werden. Auch verleihen prominente Gesichter Attraktivität deshalb stellen wir auch für Anlässe massgeschneiderte Gästelisten zusammen und laden die Promis persönlich ein. Natürlich nicht nur solche, die bei uns in der Agentur sind. Wir verfügen über ein breites Netzwerk.
Apropos Anatole Taubman: In diversen Medien äusserte er sich kürzlich negativ über den neuesten James Bond Film, in welchem er mitspielt. Haben Sie ihm zu diesen Äusserungen geraten oder konnten Sie diese nicht verhindern?
Ich war bei den Interviews nicht dabei. Anatole wurde jedoch missverständlich zitiert, die Äusserungen waren aus dem Kontext gerissen. Wer ihn kennt, weiss, dass er ein grosser Fan von Quantum of Solace ist und er den Film für eine moderne und ausgezeichnete Neudefinierung von James Bond hält.
Was ist bei der Auswahl der zu vertretenden Prominenten wichtiger: Ein gut verkaufbares Image oder Authentizität?
Beides. Wir wissen von all unseren Prominenten, was sie privat sie für einen Lifestyle führen. Darauf aufbauend wird nachgedacht, welche Marke sich für eine Zusammenarbeit eignen würde. Der Promi muss sich mit der Marke identifizieren können. Etwas anderes lässt sich nicht verkaufen. Es wirkt einfach unglaubwürdig, wenn beispielsweise ein Vegetarier für Wurstwaren wirbt.
Man kann also einem Prominenten nicht irgendein Image aufdrücken?
In der Schweiz ist dies nicht möglich. Ganz anders sieht es zum Beispiel in den USA aus. Dort sprechen die Stars kaum direkt mit einem Journalisten. In der Schweiz besteht vielmehr Nähe zwischen den Prominenten und den Journalisten und dies soll auch so bleiben. Das ist auch das Sympathische, die Schweizer Promis sind viel greifbarer.
(Interview: Corinne Bauer)