André Hauser, 60, Inhaber Hauser & Partner

Hinter den Kulissen mit… - Ob eine Silvesterparty in einer stillgelegen Seilbahnstation oder ein ganzes Museum für das Künstler-Ehepaar Christo und Jeanne-Claude – André Hauser verleiht Marken, Produkten und Unternehmen die richtige Präsenz.

Vor den Toren Zürichs, inmitten der tristen Ansammlung von funktionalen grauen Gewerbebauten, fällt es auf: das Haus Dado. Dado bedeutet Würfel und bezieht sich auf die kubische Aussenform des Gebäudes an der Zürichstrasse 125 in Dübendorf.

Die dreidimensionale Struktur der Aluminium-Aussenhülle, eine Art Rauten-Netz, widerspiegelt die Philosophie des Unternehmens, welches seit zwei Jahren das Haus bewohnt: Hauser & Partner denkt, skizziert und konzipiert in drei Dimensionen. Die rund 75 Mitarbeiter gestalten Räume, dekorieren Schaufenster, bauen Messestände und Ausstellungen oder konzipieren ganze Events – alles für eine gelungene Markenpräsentation. 


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Kreativer Kopf im Haus Dado ist André Hauser, Gründer und Inhaber der Firma Hauser & Partner.

Herr Hauser, wie kommuniziert man dreidimensional?
Wir kommunizieren ohne Geräusche oder Töne, sondern versuchen durch Visualisierungen Emotionen zu wecken und eine Botschaft zu vermitteln. Unsere Kreationen machen die Identität von Produkten, Unternehmen und Brands sichtbar - sei es mit einer Verpackung, dem Design eines Messestandes oder durch die Gestaltung einer Räumlichkeit. Diese Art von Kommunikation entsteht dort, wo Botschaften und Emotionen anhand von etwas Dreidimensionalem – wie einem Raum oder eben einem Messestand – verbildlicht werden sollen. Das Ziel ist erreicht, wenn sich der Betrachter unserer dreidimensionalen Konzeption in eine andere Welt versetzt fühlt.

Diese Welten erschaffen Sie von A-Z inhouse. Geraten sich Handwerker und Kreative nie in die Haare?
Die Zusammenarbeit ist nicht immer einfach. Oft entstehen Ideen in der Grafik oder im Design. Dann muss aber ein Budget eingehalten werden, weshalb nicht immer alles realisierbar ist, zum Beispiel auf ein Material verzichtet werden muss, das man unbedingt verwenden wollte. An unseren Sitzungen führen wir deshalb oft lösungsorientierte Diskussionen.

Präzisieren Sie dieses "Wir": Wer arbeitet genau bei Ihnen?
Unter anderem Dekorationsgestalter, Modellbauer, Bauzeichner, Logistiker, Grafiker, Designer, ein Zimmermann, Schreiner – wir gestalten ja seit einiger Zeit auch Büros.

Wie kam es dazu?
Wo jetzt das Haus Dado steht, waren früher ein grosser Kiesplatz und darauf eine Stahlmöbelfabrik. Um unseren Firmensitz zu bauen, mussten wir das Unternehmen Kim Stahlmöbel kaufen, abreissen und an einem neuen Standort – auch in Dübendorf – wieder aufbauen. Kim macht nun unsere Metallbauarbeiten. Sie setzen aber auch Möbel nach unseren Vorgaben um und vertreiben sie unter ihrem Namen.

Auch die Büroeinrichtung von Hauser & Partner stammt von der aufgekauften Möbelfirma. Während Unternehmen heutzutage meist auf helle, freundliche Farben setzen, dominiert hier Schwarz. Man müsse sich schon daran gewöhnen, räumt André Hauser ein. Er wolle sich aber von anderen abheben: Die dunkle Einrichtung ist ein nüchterner Gegensatz zu den bunten und auffälligen Kreationen, die im Innern des Hauses entstehen.

Unser Rundgang führt von den Büros der Grafiker und Designer in die Digitaldruckerei. Es herrscht gerade Hochbetrieb. Plakate für eine grosse Parfümeriekette werden gedruckt und aufgehängt. Hier kann man, wie aus jedem Stockwerk, durch Glasscheiben in die zentrale Halle des Hauses blicken. Diese bietet genügend Platz, um den Kunden Installationen zu präsentieren. Bei unserem Besuch im Hochsommer sind die Mitarbeiter bereits in Weihnachtsstimmung: Riesige Rentiere aus Holz werden gerade angefertigt und aufgestellt.

Weihnachten ist wohl die einzige Jahreszeit, in der wir noch ausgiebig Bummeln gehen, um Schaufensterdekorationen anzuschauen. Im Alltagsstress laufen wir meist daran vorbei, das Handy umklammert, den Blick nach unten gerichtet.

Herr Hauser, verliert POS-Kommunikation an Bedeutung, weil wir ständig online sind und nur noch auf unsere Screens schauen?
Ich glaube nicht, vor allem wenn man die internationale Dimension anschaut. Luxusmarken investieren immer mehr in diesen Bereich. Heute haben zwar vier von fünf Personen ein Smartphone in der Hand aber der POS ist ein realer Punkt, den man gerne wieder vermehrt anschaut.

Wie verändert sich dadurch Ihre 3D-Kommunikation?
Künftig wird 3D-Kommunikation vermehrt mit digitalen Kommunikationsmitteln kombiniert. Es kommt aber auch auf die Branche an. Nehmen wir die Finanzdienstleister: Die Gestaltung von 3D-Konzepten stellt eine grössere Herausforderung dar, weil die beworbenen Produkte wenig Emotionen auslösen. Hier wird es immer mehr in Richtung digitale Kommunikation gehen, es braucht nicht zwingend dreidimensionale Objekte, um die Botschaft zu vermitteln.

Unser nächster Raum ist randvoll mit dreidimensionalen Objekten: Per Lift geht es in die angenehm kühle Lagerhalle. Stühle, Vasen, Tische, Kronleuchter, Scheinwerfer: Alles, was es für die Gestaltung eines Events braucht, lagert hier. Perfekt beschriftet und geordnet in zig Schieberegalen.

Hauser achtet bei der Planung von Veranstaltungen auf jedes Detail. Es sei nicht nur wichtig, dass das Essen allen schmecke. Genauso entscheidend sei, wie die Toilette aussehe. "Wenn man seinen Job gut macht, ist die Arbeit, die dahintersteckt, nicht sichtbar. Dann hat man nämlich an alles gedacht.“

In der klassischen Werbung gibt’s Edi’s, Effies, adc-Awards oder die Cannes Lions, die solch gute Jobs honorieren. Wie ist das bei Ihnen?
Wir fragen bei den Kunden nach, wie sich der Umsatz eines Produkts verändert hat. Viele schreiben uns Mails, wenn sie positives Feedback bekommen. Besonders erfolgreich sind Konzepte übrigens oft, wenn sie komplett den anfänglichen Anweisungen widersprechen. In einem solchen Fall heisst es "gewinnen oder verlieren“. Und meist geht es wie gesagt gut.

Welches ist denn Ihr persönliches Lieblings-Konzept?
Wir haben einmal für einen Privatanlass einen Raum gesucht für eine Silvesterparty. Die Idee entstand im Oktober. Den eigentlich dafür geplanten Ort hätte man aber anderthalb Jahre zuvor buchen müssen. Also mussten wir uns schnell etwas Neues einfallen lassen. Wir sind dann auf eine leerstehende Bahnstation auf 2500 Metern Höhe gestossen. Diese wurde dann in kürzester Zeit total umgebaut und 130 Leute feierten knapp zwei Monate danach Silvester. "Du bist wahnsinnig!“, hiess es damals. Das ist für mich das grösste Kompliment, das ich bekommen kann.

Die aufwendigste Umsetzung?
2006 haben wir für einen Jubiläumsanlass der Credit Suisse auf der Bellevue-Wiese in Zürich extra ein neues Gebäude erstellt. Um eine Bewilligung zu bekommen, mussten wir aber etwas organisieren, das an mehreren Tagen stattfinden konnte. Gesagt, getan: Eine Woche nach dem Gala-Event brachten wir im gleichen Raum ein Museum unter, in dem das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude einen Monat lang seine Werke ausstellte. Die beiden waren begeistert. "Noch niemand hat extra für mich ein Museum gebaut“, sagte mir Christo. Ein solches Projekt wird es wohl nie mehr geben, es war schlicht einmalig.

Ausstellungsgebäude Christo und Jeanne-Claude

Silvesterfeier

Man spürt Hausers Begeisterung für seinen Beruf, der auch seine Berufung ist: Wegen seiner Synästhesie konnte er sich in der Schule oft schlecht konzentrieren, war langsam, etwa in der Mathematik, wo er nach strengen Regeln arbeiten musste. Deshalb war klar, dass er später einmal etwas Musisches machen musste. Im Raum standen Architekt und Dekorationsgestalter. Bei Hausers Vater schrillten die Alarmglocken: "Willst du denn keine Familie?! Als Dekorationsgestalter wirst du Mühe haben, diese zu ernähren.“ Doch der Sohn liess sich von seinem Plan nicht abbringen – zum Glück. 1982 hat er sich mit seiner Firma Hauser & Partner selbstständig gemacht. "Und meinem Vater habe ich bewiesen, dass ich eine Familie ernähren kann."

Text: Seraina Etter, Bilder: zVg