"Angst vor Zucker? Dann Rivella blau."

- Vor 50 Jahren wurde das Schweizer Getränk Rivella blau im Heimmarkt eingeführt. Also lange bevor die Welle von Light-Getränken aus den USA nach Europa schwappte. Die Light-Variante von Rivella war in den 1950er-Jahren nicht nur als Produkt ein Novum, sondern auch markengeschichtlich: Die Nachfrage im Ausland existierte bereits, bevor es das Produkt in der Schweiz gab. "persoenlich.com" erklärt, warum die Holländer glauben, Rivella blau sei ein Produkt aus ihrem Land, und zeigt Werbespots aus den 60er und 70er Jahren.

Für viele Schweizer ist Rivella ein Nationalgetränk. Seit 50 Jahren ist auch die Light-Version Rivella blau auf dem heimischen Markt. Allerdings waren die Schweizer nicht die ersten, die Rivella blau tranken. Ein Jahr nachdem das rote Rivella-Original in Holland eingeführt worden war, bat die holländische Diabetikergemeinschaft den Schweizer Getränkehersteller, Rivella auch in einer leichteren kalorienarmen Variante ohne Kristallzucker anzubieten.

Walter Horlacher, Laborchef und Schwager des Rivella Gründers Dr. Robert Barth, entwickelte daraufhin ein Rivella "light". Um Verwechslungen zu vermeiden, druckte man die Rivella-Etikette in blau. Im ersten vollen Lizenzjahr, 1958, tranken die Holländer 2.6 Millionen Liter Rivella, wobei die leichtere blaue Rivella-Variante in kürzester Zeit obenaus schwang.

Eineinhalb Jahre nach den Holländern lernten dann auch die Schweizer das Schweizer Getränk kennen. Vom Gesetz her war die Rivella AG damals noch gezwungen, das Produkt als "Diabetikergetränk" zu bezeichnen. Schon in den Anfängen war klar, dass man linien- und gesundheitsbewussten Menschen eine zuckerfreie Alternative bieten wollte. So stand die Lancierungskampagne 1959 unter dem Motto "Angst vor Zucker? Dann Rivella blau."

Exklusive Stellung erst nach 25 Jahren verloren

Anfänglich war Rivella blau nur im Detailhandel erhältlich: Die Wirte hatten in den Getränkeschubladen ihrer Ausschankbuffets zuwenig Platz und nahmen das kalorienreduzierte Rivella blau erst auf, als es von immer mehr Gästen verlangt wurde. Das Miss Twiggy-Schlankheitsideal der 60er- und 70er-Jahre trug das seine zur Nachfrage bei. Von 1970 bis 1979 steigerte Rivella blau den Absatz um 370 Prozent.

Rivella blau verlor seine exklusive Stellung als kalorienarmes leichtes Getränk erst vier Jahre später, als die amerikanischen Getränkekonzerne - allen voran 1984 Coca-Cola light - mit ihrem geballten Marketing ihre ersten eigenen Light-Getränke auf den Markt brachten.

Holländer glauben Produkt sei aus ihrem Land

Bis heute ist Holland der bedeutendste Auslandmarkt für Rivella, insbesondere für Rivella blau. "Die Holländer sind mit Rivella aufgewachsen, und wenn sie in die Schweiz in die Ferien kommen, sind sie erstaunt, dass es hier auch Rivella gibt, denn sie hatten stets geglaubt, Rivella sei ein holländisches Produkt»", sagt Rivella-CEO Franz Rieder. "Die Swissness, die in andern Auslandmärkten eine Trumpfkarte ist, spielen wir deshalb in Holland ganz bewusst nicht aus."

Dass Rivella in Holland senkrecht startete, während sich die weiteren Auslandmärkte nur zögerlich entwickelten, habe vor allem zwei Gründe, glaubt Rieder. "Zum einen lancierte Rivella eine für damalige Zeiten ungewöhnlich freizügige und provokative Werbekampagne für das kalorienarme Rivella. Zum andern war Holland ein Milchland, genau wie die Schweiz, und dass ein Getränk auf Milchbasis natürlich und gesund war, brauchte weder kommuniziert noch erklärt zu werden."

Werbemassnahmen von 1959 bis 1977

Markteinführung Rivella blau im Schweizer Detailhandel 1959:

Rivella-Werbung aus dem Jahre 1962:

Rivella-Kleininserate 1962 - 1965:

Werbespot mit Schauspiellegende Paul Bühlmann 1965:

Rivella blau im Detailhandel, Werbespot von 1967:

Ein Ehepaar sieht blau, Werbespot von 1969:

Freizügiger Bikini-Spot aus dem Jahr 1971:

Kalorienvergleich in einem Spot 1977: