Die frei erfundene Person Betty Bossi ist in den Schweizer Küchen omnipräsent. Mit innovativen Ideen, glaubwürdigen Rezepten, cleveren Küchenhelfern oder als Kummerkasten, wenn in der Küche mal etwas schief läuft. Bei aller Kompetenz, Qualität, Innovation und Inspiration wird ein Markenprädikat nie vergessen: die Einfachheit und Authentizität. Abgehoben ist die Marke nie, im Gegenteil: Sie hat es geschafft, eine treue Koch-Community auf- und auszubauen.
Viele starke traditionelle Marken haben es verschlafen, zum richtigen Zeitpunkt einen Generationen- und Verhaltenswechsel zu vollziehen und sind schleichend abgestürzt. Betty Bossi hat diesen Schritt vor fünf Jahren klug eingeleitet. Mit Coop als starkem Partner -- der sich im Gegenzug eine Beteiligung an Betty Bossi sicherte -- vollzog man den Einstieg ins "Fresh Convenience Food"-Geschäft. Heute verfügt das Unternehmen über zwei starke Standbeine, sowohl im traditionellen Kochsegment als auch im zukunftsgerichteten Fast Casual-Verpflegungssegment.
Zum 50- jährigen Jubiläum bestätigen auch die Zahlen: Dem Unternehmen ist der entscheidende Zukunftsschritt geglückt, die Marke steht stärker da denn je. Als Krönung erhält sie nun den GfM-Marketingpreis 2006 als Würdigung der kreativen Angebotsideen, des nachhaltigen Aufbaus der Erfolgsmarke und der erfolgreichen Realisierung von Marketing-Kooperationen.
Die Betty Bossi-Geschäftsleitung (v.l.n.r.): Isabelle Dürselen, Walter Lüthi, Susanna Ries, Susanne Furrer, Ueli Vetsch.
Betty Bossi-Geschäftsführer Walter Lüthi über 'Fresh Convenience'
Herr Lüthi, das Konsumverhalten hat sich auch bei Ihrer traditionellen Kundschaft verändert, müssen Sie in ein paar Jahren auch Ihre Zeitung und Kochbücher vollständig neu konzipieren?
Wir passen die Konzepte unserer Zeitung und unserer Bücher laufend den neuen Konsumverhalten an. Dabei nehmen wir nachhaltige Veränderungen auf, verzichten aber möglichst auf Mode- und kurzfristige Trends. Ein Veränderungs-Big-Bang ist von uns somit nicht zu erwarten.
Ihr traditionelles Zielpublikum altert -- braucht es die klassische Betty-Bossi-Marke in dreissig Jahren überhaupt noch?
Ja unbedingt. Der Konsument -- und nicht nur der traditionelle -- sucht in der heutigen Angebotsflut und -vielfalt eine Orientierung, der er vertrauen kann. Diese Rolle übernimmt unsere Marke heute und auch in Zukunft.
Im traditionellen Geschäft haben Sie eine sehr hohe Kommunikationskompetenz erreicht. Wie wollen Sie in Zukunft mit dem neuen Käufer der Fresh Convenience-Produkte kommunizieren? Eröffnet sich hier nicht auch ein Community-Potenzial?
Absolut, wir kommunizieren bereits heute via Produkte-Tipps und -Rezepte mit diesen Kunden. Zusätzlich entwickeln wir zurzeit ein neues, spannendes crossmediales Produkt, bestehend aus einem Print/Online-Angebot für diese Zielgruppe. Wir werden auch dieses neue Community-Potenzial erfolgreich erschliessen.
Nun sind ein bedeutender Teil dieser neuen Fast Casual-Konsumenten Männer. Wie muss denn ihre Betty Bossi aussehen, damit sie kommunikativ angesprochen werden können?
Es sind effektiv vor allem Männer, Singles und Kleinhaushalte, die zu dieser Zielgruppe gehören. Wir werden bei der Leistungsgestaltung das männliche Element stark berücksichtigen, ohne dabei das weibliche Geschlecht zu vernachlässigen. Aufgrund intensiver Marktforschung haben wir einen ganz klaren Weg vor Augen und sind mit der Gestaltung des neuen Produktes schon sehr weit. Man darf sich darauf freuen.