Wenige Tage vor der Fusion zur Grossgewerkschaft UNIA hat die Gewerkschaft Verkauf, Handel, Transport, Lebensmittel (VHTL) eine Broschüre ihrer 100-jährigen Geschichte herausgegeben. Die Gründung geht auf einen Vorkämpfer der Arbeiterbewegung in der Schweiz zurück: Hermann Greulich beschloss, die Angestellten der neuen Branchen besser zu organisieren. Fünfzehn Bauern, zehn Küfer, sechs Gärtner, vier Müller, zwei Tabakarbeiter und ein Bäcker taten sich 1904 zum "Verband der Lebens- und Genussmittelarbeiter" (VGL) zusammen und starteten mit 1429 Mitglieder.
Bereits 1915 fusionierte der VGL mit dem Handels- und Transportarbeiterverband zum Schweizerischen Verband der Handels-, Transport- und Lebensmittelarbeiter (VHTL). 1920 folgte ein erster Streik, als 1400 Arbeiterinnen einer Tessiner Tabakfabrik die Arbeit niederlegten als Protest gegen Lohnkürzungen. Die 83-seitige Broschüre "100 Jahre VHTL" zeigt zudem, wie die Gewerkschaft für "gleichen Lohn für gleiche Arbeit" kämpfte, sich 1946 mit einer Sternfahrt gegen den Wildwuchs im Transportwesen wehrte oder 1997 erreichte, dass der Bierkonzern Feldschlösschen einen Teil der Arbeitsplätze in der Freiburger Cardinal-Brauerei erhielt.
Vor vier Jahren dann startete der VHTL den Kampf um einen existenzsichernden Mindestlohn im Detailhandel. Die Kampagne "Kein Lohn unter 3000 Franken" führte er gemeinsam mit der von SMUV und GBI gegründeten Dienstleistungsgewerkschaft unia. Am kommenden Samstag nun folgt die Fusion von VHTL, GBI, SMUV und unia zur Grossgewerkschaft UNIA.