Der Migros-Reisekonzern Hotelplan streicht dieses Jahr rund 150 Stellen, davon allein 50 in der Schweiz, wie CEO Hans Lerch in einem Interview mit dem "Sonntag" sagt. Ende Jahr beschäftigte Hotelplan rund 2400 Personen. "2012 dürften 7 Prozent der Stellen wegfallen", sagt Lerch. Er sei gegen einen generellen Einstellungsstopp, "aber wir sind sehr zurückhaltend bei der Personalpolitik um die Kosten tief zu halten." Entlassungen seien indes keine geplant. "Das funktioniert über die natürliche Fluktuation, die in der Reisebranche gewöhnlich sehr hoch ist", sagt Lerch. Zudem setzt der Reiseprofi, der zuvor 35 Jahre für Kuoni arbeitete, den Gerüchten um seinen Rücktritt definitiv ein Ende: "Zwischen September und Dezember ist Schluss. Der Verwaltungsrat muss vorher noch den Nachfolger bestimmen. Dies dürfte bald geschehen." Die Migros-Tochter leidet unter den starken Preissenkungen. "Bei den Passagierzahlen liegen wir in der Schweiz prozentmässig zwar einstellig im Plus gegenüber dem Vorjahr. Das wäre nicht so schlecht. Aber gleichzeitig sind die Preise 20 Prozent günstiger. Man rechne. Insgesamt liegen die Umsatzzahlen rund 10 Prozent unter Vorjahr", sagt Lerch im "Sonntag". Besonders schlecht laufe das Geschäft in Italien, das 15 Prozent zum Hotelplan-Umsatz beisteuert. "Momentan ist die Konsumstimmung in Italien miserabel. Wir liegen rund 20 Prozent im Minus."
Reisen nach Griechenland sind bei den Schweizern nach wie vor beliebt, insbesondere nach Kreta. Doch bereitet sich Hotelplan auf eine Rückkehr der Drachmen vor bei den Euro-Vorauszahlungen und den Verträgen mit griechischen Hoteliers: "Darin steht, dass unsere Euro-Deposits bei Bezahlung der Rechnungen zum Tageskurs in Drachmen umgerechnet würden. Und selbstverständlich würden die neuen Drachmen- Preise sofort die Euro-Preise ersetzen." Ob man dieses Jahr schwarze Zahlen schreiben werde, lasse sich noch nicht sagen. "Im Schweiz-Geschäft erzielen wir sicher einen Gewinn, ähnlich wie letztes Jahr, als wir 6,5 Millionen Franken erwirtschafteten." Insgesamt werde es wohl ein besseres Resultat als 2011 geben, auch weil man das defizitäre Russland-Geschäft verkaufen konnte. "Für eine abschliessende Betrachtung müssen wir den Sommer abwarten und es wird sicher schwierig." Um den Umsatzrückgang zu stoppen will Lerch die Online-Kundschaft zurückholen: "Wir werden noch in diesem Sommer unsere neue Online-Plattform aufschalten und mit dynamischen Produkten und attraktiven Features wie Filmsequenzen aufwarten, mit Apps für iPhones und iPads." (Sonntag)

