Die Werbevermarkterin Goldbach Group kämpft derzeit mit Problemen im sich rasch wandelnden Online-Geschäft. An der Halbjahresbilanzmedienkonferenz vom Dienstag, gab CEO Klaus Kappeler bekannt, dass der Umsatz nur dank Mehreinnahmen aus dem Radio- und Fernsehgeschäft lediglich um 0,4 Prozent auf 208,9 Mio. Franken gesunken ist (persoenlich.com berichtete). Im Interview, anschliessend an die Konferenz, erklärte Kappeler weitere Details zu den Verlusten im Bereich Audience und zur Konkurrenzsituation von Interactive in der Schweiz:
Herr Kappeler, wie zufrieden sind Sie mit den heute präsentierten Zahlen?
Unter Berücksichtigung des wirtschaftlichen Umfeldes sind wir mit dem Erreichen des Vorjahresumsatzes mit einer Gewinnsteigerung von 11 Prozent durchzogen zufrieden. Vor allem das zweite Quartal hat unseren Vorsprung aufgefressen.
Das Online-Geschäft läuft schlechter als erwartet. Warum?
Die Display-Märkte sind sehr volatil und somit auch in der Entwicklung unterschiedlich. In Polen hat sich Facebook mit dem Börsengang für die Eigenvermarktung entschieden, was 50 Prozent des Gesamtumsatzrückgangs im 1. Semester 2012 ausmacht. In der Schweiz aber ist es uns gelungen trotz eines Umsatzrückganges Markanteile dazuzugewinnen.
Auch bei Interactive sank der Umsatz: um - 8.1 Prozent. Dieser Bereich verzeichnet zudem einen starken Ebit-Rückgang, nämlich - 86.7 Prozent.
Der Ebit-Rückgang bei Interactive ist auf die starke Auslandexpansion zurückzuführen. Diese verlangte Investitionen: Wir mussten Personal und Infrastruktur aufbauen, zudem kam es zu Mandatsveränderungen.
Welche Art von Mandatsveränderungen?
Einige Kunden haben ihre kreativen Aufträge und Kampagnen aufs nächste Halbjahr oder auf 2013 verschoben, andere wechselten die Agentur.
Sie zählen Goldbach Interactive zu den Top 4 Schweizer Agenturen. Mit welchen Konkurrenten messen Sie sich, resp. wer liegt aus Ihrer Sicht vor Ihnen?
Natürlich Futurecom der Interactive-Teil von Advico Young & Rubicam. Dann auch Namics sowie Unic.
Als Folge davon mussten Sie Ihre Prognose korrigieren, das Wachstum 2012 bleibt auf Vorjahres Niveau. Warum die Anpassung?
Weil sich die gesamte Wirtschaft weniger gut entwickelt als erwartet, müssen auch unsere Kunden Budgets kürzen. Vor allem die Dienstleistungsbrachen, aber auch die Automobil- und die Versicherungsbranche fahren ihre Werbeausgaben zurück. Dies spüren wir. Zudem belastet uns weiterhin die Entwicklung des Franken-Wechselkurses.
Sie wollen nun beim Online-Geschäft den Radar neu ausrichten. Was wollen Sie tun?
Wir fokussieren auf die Bewegtbild-Vermarktung. Dazu haben wir ja Anfang 2012 das Goldbach Video Network mit 40'000'000 Views und 3,8 Millionen Unique Users lanciert, denn das Bewegtbild gewinnt auch im Internet stark an Bedeutung. Es steht damit komplementär zum TV. TV- und Videowerbung werden weiter wachsen. Darum bauen wir dieses Videonetzwerk nun auch in anderen Ländern auf, z.B. in Polen Kroatien und Österreich. Ziel ist, unseren Kunden ein paneuropäisches Netzwerk anbieten zu können.
Was haben Sie sonst noch geplant?
Am 6. September 2012 veranstalten wir im Güterbahnhof Zürich erstmals die Goldbach Mobile World. Vertreter der Branchenleader in der mobilen Kommunikation informieren über den aktuellen Stand der Mobilenutzung und Services, geben einen Ausblick auf die mobile Zukunft und zeigen, welche Auswirkungen die Trends auf die Werbeindustrie haben werden.
Interview: Edith Hollenstein