Christen "aufs Tiefste in religiösen Gefühlen verletzt"

Migros - Empörung um "Heilandsack"-Taschen überrascht Peter Lesch von Lesch + Frei nicht.

Migros-Kulturprozent fungiert als Sponsor des Einsiedler Welttheaters (persoenlich.com berichtete). Um für den Anlass zu werben, sind an den Kassen der Migros-Filialen im Raum Zürich und Ausserschwyz Papier-Tragtaschen mit der Aufschrift "Heilandsack" erhältlich. Dies mag bei den Einen ein Schmunzeln auf das Gesicht zaubern, bei Anderen wiederum stösst es auf wenig Gegenliebe. Wie "20 Minuten" berichtet, hat eine Gruppe von Gläubigen Protespostkarten gestaltet und verteilt diese nun anonym an Bekannte mit der Bitte diese an die Migros zu senden. Stein des Anstosses ist der Begriff "Heilandsack", welcher im Alltag oft als Fluchwort gebraucht wird. Im Rahmen des Theaters dient das Wort jedoch als eines von 17 Zitaten aus dem Theatertext, die für die Kampagne von der Agentur Lesch + Frei ausgewählt wurden.

Wie Peter Lesch von Lesch + Frei gegenüber persoenlich.com sagte, ist er von der Reaktion der Religionsanhänger nicht überrascht. Er fühle sich an die Kampagne des Einsiedler Welttheaters aus dem Jahr 2007 zurück erinnert, bei der die Agentur ein Visual mit einem Engel kreierte, welcher in den Händen ein Dynamitstab hielt. Bereits damals ging es der Kreativagentur nicht um Provokation. Zudem betont er, dass die offizielle Bedeutung des Begriffs "Heilandsack" bekannt sei.

 

Auf den verbreiteten Karten steht: "Als Christen werden wir dadurch aufs Tiefste in unseren religiösen Gefühlen verletzt und können eine solch empörende Art und Weise der Entehrung und Beschimpfung des allerhöchsten Namens unseres Herrn und Erlösers auf keine Weise hinnehmen. Wir fordern Sie dringend auf, dieses Projekt sofort zu stoppen. Ansonsten müssten wir wohl andere Verkaufsketten für unsere Einkäufe bevorzugen."

Bis heute sind 258 Postkarten beim Lebensmittelmulti angekommen. Zum Vorwurf meint Christoph Frei, Leiter Migros-Kulturprozent: "Die Werbetragtaschen wurden vom Kloster Einsiedeln und vom Vorstand des Welttheaters abgesegnet."

Pater Urban Federer erklärte gegenüber "20 Minuten" denn auch, dass "Heilandsack" ursprünglich von "Heiland Sakrament" stamme, einem Ausdruck, den Christen früher als Stossgebet gebrauchten. Von Blasphemie könne hier also keine Rede sein.

Die Taschen nicht mehr zu verkaufen, zieht die Migros nicht in Betracht. Die Absender der Protestkarten werden in den nächsten Tagen, jedoch eine Stellungnahme in Form eines persönlichen Briefs erhalten. (lf/Bild: zVg)