21.06.2012

Adidas

Das Interview zum "Sklaven-Turnschuh"

Marketingleiter Schweiz Lukas Troxler spricht.

Herr Troxler, der "Sklaven-Turnschuh" sorgt in den USA für Empörung unter schwarzen Bürgerrechtlern. Jesse Jackson etwa wird von der "sda" zitiert, es sei unsensibel und unverantwortlich, wenn Adidas solche entwürdigenden Symbole vermarkte (persoenlich.com berichtete). Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?

Jeremy Scott, der den Schuh designt hat, ist extrem kreativ und bekannt dafür, dass er mit seinen Arbeiten zuweilen in Grenzbereiche vorstösst. Er hat für Adidas Originals etwa auch schon Schuhe mit Mickey Mouse- und Gorilla-Kopf gestaltet. Wir haben realisiert, dass der "Sklaven-Turnschuh" zu weit geht, dass er je nach sozialem Hintergrund, ein Affront darstellt und Gefühle verletzt. Das wollten wir auf keinen Fall und das wollte auch Jeremy Scott nicht.

Sie ziehen jetzt das Produkt zurück?

Ja. Der Schuh war bis jetzt noch gar nicht auf dem Markt. Wir haben bis jetzt einzig einen Prototypen auf unserer Facebook-Seite und im Internet vorgestellt. Dabei haben wir gute aber auch kritische Feedbacks erhalten und nun entsprechend reagiert.

Gab es je einen ähnlichen Fall bei Adidas: Dass ein Produkt für moralische Empörung sorgte?

In der Vergangenheit gab es Fälle, wo Adidas aus ethischen Gründen seine Zusammenarbeit mit einzelnen Produktionsstätten beenden musste, weil diese den sehr hohen Anforderungen der Qualitätschecks von Adidas nicht gerecht werden konnten. Dabei ging es aber um die Produktion. Jetzt erleben wir zum ersten Mal, dass das Design eines Produkts moralische Entrüstung auslöst.

In Europa wäre eine ähnliche Entrüstung kaum denkbar. Ist die USA nicht einfach am Überreagieren?

Klar, der kulturelle, soziale und geschichtliche Hintergrund spielt in diesem Fall eine grosse Rolle. Wir ziehen den Schuh deshalb zurück, weil wir in keiner Weise wollen, dass dieser Assoziationen mit Sklaverei auslöst.

Welche Zielgruppe sollen die von Jeremy Scott designten Produkte erreichen?

Die Zusammenarbeit von adidas Originals mit Jeremy Scott steht für Einzigartigkeit und Kreativität. Er ist einer der führenden Designer und seine Produkte sollen genau dieses Image auf Adidas Originals übertragen. Entsprechend sind die Produkte eher im oberen Preissegment plaziert und sollen als Zielgruppe Leute ansprechen, die gerne sehr exklusive, supertrendige und in der Auflage limitierte Schuhe tragen.

Interview: Benedict Neff


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