"Das ist kein netter PR-Gag"

- 1995 nahm Zweifel die "Zwiebelringli" aus dem Sortiment. 15 Jahre später fordern 12'000 Fans die Wiedereinführung der Snackers. Via Facebook organisiert sich die Chips-Bewegung und überzeugt das Unternehmen Zweifel davon, die Produktion wieder aufzunehmen. Im Gespräch mit "persoenlich.com" erklärt Roger Harlacher, Marketing- und Verkaufsleiter, warum sich Zweifel dem Diktat der Internetgemeinde unterordnet und Social Media zunehmend eine wichtigere Rolle spielt. Das Interview:

Herr Harlacher, 1995 nahm Zweifel die "Zwiebelringli" aus dem Verkauf. Warum?

Leider war die Nachfrage nach dem Produkt nicht mehr genügend.

Auf Facebook forderten gleich mehrere Fangruppen sehnsüchtig die Snacketti zurück. Warum erfüllt Zweifel nun diesen Wunsch? Ganz billig wird die Wiedereinführung nicht sein.

Die Dynamik und das Engagement der Facebook-Gruppe hat uns positiv beeindruckt. Zuerst haben wir das Engagement einfach beobachtet. Aber schon bald fanden wir die Idee so gut, dass wir uns mit der Wiedereinführung eingehend auseinandergesetzt haben. Inzwischen zählen die Gruppen rund 12'000 Fans.

Ist die Neulancierung aufgrund der Facebook-Resonanz nicht eher ein netter PR-Gag?

Nein. Erstens bietet sonst niemand auf dem Schweizer Markt Zwiebelringli an. Zweitens: Für einen netten PR-Gag wäre die nationale Einführung eines solchen Produktes viel zu teuer.

Erwartet Zweifel eine hohe Nachfrage?

Ja. Die enormen Dynamik bei unseren Kunden und die vielen positiven Rückmeldungen auf die Ankündigung der Wiedereinführung bestärken uns. Und schliesslich war die Nachfrage auch einmal sehr hoch.

Wie stark nutzt das Marketing von Zweifel Social Media als Marktforschungskanal?

Bislang noch nicht systematisch genug. Das wird sich in den kommenden Monaten aber ändern. Schliesslich müssen wir dort hinhören, wo unsere Konsumenten reden. Es wird schon eine ganze Menge über unser Unternehmen und über unsere Produkte gesagt.

Was können Sie Ihren Kollegen aus dem Marketing raten, wenn man mit Social Media arbeiten möchte?

In erster Linie geht es darum, die Konsumenten ernst zu nehmen. Das ist unabhängig vom Kommunikationsmedium. Ernst nehmen heisst auch, sich mit den Meinungen auseinanderzusetzen und hier beginnt der schwierige Teil. Die Beurteilung und Einschätzung der vielen Konsumenteninformation sind eine Herausforderung. Die Trennung der relevanten von den weniger wichtigen Informationen und die Identifikation von Chancen respektive von Gefahren der Gespräche sind Schlüsselpunkte. Darauf müssen wir uns einstellen, unsere Organisation anpassen und unsere Kommunikation auf die neue Realität einrichten.

Wird es vorerst bei den Zwiebelringen bleiben oder plant Zweifel noch mehr neue Geschmackssorten? Immerhin fordert eine andere Gruppe die Käse Snacketti zurück ins Regal.

Als Chipsexperte wollen wir unsern Konsumenten natürlich immer mal wieder etwas Neues offerieren. Mit Neuheiten und Abwechslung beleben wir ja auch den Markt und das gelingt uns glücklicherweise gut. Auch unsere jüngsten Neuheiten Graneo, ein Mehrkornsnack, oder unsere neuen Salt & Vinegar Chips haben sehr positiven Anklang gefunden.

Am letzten Samstag fand bei Zweifel Pomy Chips in Zürich-Spreitenbach eine öffentliche Vorproduktion statt. Waren viele Facebook-Fans der Einladung gefolgt?

Ja. Wir haben ganz speziell und exklusiv für die Fans die Erstproduktion gestartet. Die Gruppengründer hatten auch die Möglichkeit, die Zwiebelringli als erste zu degustieren. Zudem war es auch an ihnen, den Start-Knopf der Friteuse zu drücken und damit die Wiedereinführung offiziell zu machen. Unterstützt wurden sie von rund 300 Fans. Es herrschte eine tolle Stimmung.

Interview: Christian Lüscher