Das ungewöhnliche Modell Korea - Teil 2

Schweiz Tourismus - Interview mit Superstar Ji Min Han, dem aktuellen "Swiss Friend".

Frau Han, Sie sind vor vier Tagen in der Schweiz angekommen. Was sind Ihre Eindrücke bis jetzt?
Ich war unter anderem in Gruyères und in Zermatt. Wunderschöne Orte. Ich mag die Natur hier in der Schweiz. Die grünen Wiesen, den blauen Himmel, die weissen Gipfel. Das war alles sehr beeindruckend für mich.

Ihr Highlight?
Da kann ich mich wirklich nicht festlegen. Die Landschaft rund um Gruyères sah unglaublich einladend und gemütlich aus. Wie in einem Märchen – nur mit richtigen Menschen. In Zermatt hat mich die Mächtigkeit der Natur beeindruckt. Das war überwältigend. Ich hab mir das Matterhorn und die Bergketten angeschaut und musste mich kneifen.  Ich konnte nicht glauben, dass das alles echt ist.

Was hat Sie davon überzeugt mit Schweiz Tourismus zusammenzuarbeiten? (sie zeigt auf Jean Kim) Sie war’s! Diese Frau (lacht)! Ich wollte schon immer mal in die Schweiz zu kommen. Aber mit dem Timing ist das als Schauspielerin nicht so einfach. Ich bin sehr froh, dass es geklappt hat. Auch weil ich so die Natur und die Traditionen der Schweiz kennenlernen kann.

Was wenn Frau Kim für Norwegen arbeiten würde?
(Lacht) Ich weiss nicht. Schwer zu sagen. Aber Jean Kim macht wirklich einen guten Job für die Schweiz.

Wie Frau Kim mir sagte, fliesst kein Geld. Wieso machen Sie hier mit?
Wie gesagt: Ich kann mir einen Traum erfüllen und die Schweiz bereisen. Ausserdem werde ich mit einem schönen Land in Verbindung gebracht und bekomme von dieser Reise mediale Aufmerksamkeit in Korea. Eine win-win-Situation.

Touristiker und Marketingleute arbeiten mit Klischees: Die Berge, der Käse, die Schoggi, die Uhren. Ist das nicht ein bisschen zu einfach?
Das sind doch mehr als Klischees! Das sind alles Dinge, die man an anderen Orten so nicht erleben kann. Wer kann einem denn sonst zeigen, wie man Käse oder Schokolade macht? Welches Land hat sonst solche Berge? Das ist für uns nicht etwas, das man jeden Tag anderswo sieht. Wir Koreaner kommen vor allem wegen der Landschaft in die Schweiz. Etwas, was wir bei uns einfach nicht so haben.

Was wussten Sie vorher über die Schweiz?
Das erste woran Koreaner denken, wenn sie Schweiz hören, sind die Alpen und Heidi. Ich habe das Buch von Heidi als Kind gelesen und mir diesen Ort vor meinem geistigen Auge vorgestellt. Ich dachte mir: Irgendwann will ich dorthin. Wenn man wie ich jetzt die Möglichkeit dazu hat, ergreift man sie natürlich.

Gestern in Zermatt hatten Sie sogar die Heidi-Kleider an. Was mögen Sie an Heidi?
Ich erinnere mich nicht mehr richtig an die Geschichte. Aber das Bild ist stark: Ein kleines Mädchen, das über grüne Felder rennt. Im Hintergrund die Alpen.

Ich sage Ihnen jetzt mal, was ich über Korea weiss: Das Land hat einen starken Technologie-Sektor, Breakdance ist sehr beliebt, es werden interessante Spielfilme produziert und sie haben ein seltsames Nachbarland. Und ich glaube die Koreaner haben eine Vorliebe für Monster...
Monster? Was meinen Sie damit?

Ich habe mehrere koreanische Horrorfilme gesehen. In einem spielt ein Monster, das in der Wasserversorgung von Seoul lebt, die Hauptrolle.
Ah, Sie meinen den Film "The Host"! Der war sehr beliebt. Aber sonst steht Korea eigentlich eher für romantische Filme.

Was habe ich bei meiner Aufzählung vergessen?
Die meisten Leute kennen nur die moderne Seite von Korea. Es gibt nicht nur in der Schweiz alte Schlösser und Burgen. Und unsere Städte sind auch recht grün. Und dann natürlich koreanisches Essen. Die Leute aus den Nachbarländern – und langsam auch Touristen aus dem Rest der Welt – kommen wegen dem Essen nach Korea.

Mögen Sie das Essen hier?
Doch, ja, es schmeckt mir. Fondue, Raclette und Rösti esse ich sehr gern.

Welche Auswirkungen haben die politischen Spannungen mit dem Nachbarland Nordkorea auf das Leben im Süden?
Wir sind uns zwar der aktuellen politischen Situation bewusst, aber im Alltag spürt man das eigentlich nicht. Wir leben ein normales Leben.

Wir berichten auf unserem Portal über Marketing und Werbung. Kennen Sie Schweizer Marken?
(Wie aus der Pistole geschossen) Swatch! Als ich meinen Freunden erzählt habe, dass ich in die Schweiz fahre, haben alle gesagt: "Du musst dir eine Schweizer Uhr kaufen!" - Wenn sie an die Schweiz denken, dann denken sie an Uhrenmacher, die ganz präzise arbeiten und hochqualitative Dinge herstellen.

Kennen Sie bestimmte Marken?
Swatch ist die beliebteste Schweizer Marke in Korea. Rolex kennt man natürlich auch. Und auch die Schweizer Taschenmesser von Victorinox sind sehr beliebt. In Korea nennen sie es das McGyver-Messer.

Weiss man, dass Nestlé ein Schweizer Unternehmen ist?
Nein, das wusste ich nicht. Habe ich erst in der Cailler Fabrik herausgefunden. Aber die machen gute Schokolade!

Sie sind Schauspielerin. Was stehen als Nächstes für Projekte an?
Ich arbeite momentan an einem Film, der "Plan Man" heisst. Die Dreharbeiten fangen an sobald ich aus der Schweiz zurück bin. Deswegen habe ich meine Gitarre mitgebracht. Es geht um einen Mann, der besessen davon ist alles durchzuorganisieren.

Oh, ein Schweizer?
(lacht) Nein, nein. Sonst wär’s ja nichts Aussergewöhnliches. Ich spiele das genaue Gegenteil: Eine Frau, die aus der Reihe tanzt, nur ihren eigenen Vorgaben folgt. Sie spielt in einer Band, arbeitet Teilzeit in einem Supermarkt. Ein guter Kontrast zu meinen letzten Rollen. Da verkörperte ich sehr feminine, liebliche, süsse Frauen. Jetzt hab ich Ecken und Kanten, bin wild und schroff.

Sie bloggen über ihren Aufenthalt hier in der Schweiz, habe ich gehört.
Nicht ich selber. Das machen die koreanischen Mitarbeiter von Schweiz Tourismus. Aber sie fragen mich natürlich, was sie schreiben sollen.

Was haben Sie zuerst gebloggt?
Dass ich mich fühle, als ob ich von einem Augenblick auf den anderen kerngesund werden würde – wegen der sauberen Luft. Und dass alles sehr sauber ist in der Schweiz. In Zermatt ist mir aufgefallen, dass es keine Autos mit Benzinmotoren gibt. Und die vielen Sterne nachts. Normalerweise sieht man in einer Stadt keine Sterne. Zumindest nicht in Seoul, wo ich wohne.

Werden Sie die Schweiz wieder mal besuchen?
Ja. Aber wann steht noch in den Sternen. Das nächste Mal würde ich gerne meine Familie mitbringen.

Interview: Adrian Schräder/Bilder: Schweiz Tourismus - Das Interview wurde Anfang Juni in Bern geführt.

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