«Wir wollen Online und Offline miteinander verbinden»

Beaconsmind - In der heutigen Folge der Start-Up-Serie geht es um ein Jungunternehmen, das sich vom Begriff «Start-Up» abwendet und in der Verknüpfung von Online- und Offline-Welten Grosses vor hat. persoenlich.com hat Beaconsmind-CEO Max Weiland zum Gespräch getroffen.

von Sonja Gambon

Herr Weiland, Ihr Jungunternehmen Beaconsmind bietet Beacon-Strategien für Unternehmen an. Was muss sich der Laie darunter vorstellen?
Die Beacon-Technologie basiert auf Bluetooth. Damit können Personen vor Ort über ihr Smartphone, ihre Smartwatch oder ihr Tablet lokalisiert und mithilfe von Beacon-Signalen Push-Nachrichten an diese versendet werden können. Zur Veranschaulichung eignet sich das Beispiel unseres Kunden Tommy Hilfiger gut: Wir haben zusammen eine beaconfähige App entwickelt, die die Kunden vor dem Geschäft lokalisiert und via Pushmeldung kontaktiert hat, sie motivierte den Laden zu betreten, etwas zu kaufen und sie auch dafür zu belohnen.

Das geht ja schon sehr stark Richtung personalisierte Werbung. Mögen die Leute das?
Ja, das kommt gut an. Besonders bei mobile-affinen Konsumenten konnten wir eine aktive Nutzung der Push-Meldungen feststellen. Das Konzept funktioniert gut und ich bin sehr zuversichtlich bezüglich der Etablierung auf dem Markt.

Was denken Sie: sind die Menschen für diese technologische Höchstleistung schon bereit? Personalisierte Werbung, Smartwatches, Bezahlungs-Apps und ähnliche Gadgets haben einen eher schweren Stand.
Da ist was dran. Smartwatches sind bei vielen noch nicht akzeptiert, da viele Menschen gar keine Uhr tragen. Die Uhrzeit kann man ja überall sonst ablesen. Dass eine Smartwatch ein bisschen mehr kann, ist den Menschen noch nicht so ganz bewusst, weswegen sie sich weiter auf ihr Smartphone fixieren. Die Entwicklung dieser Gadgets wird daran nicht scheitern. Der Mensch wird aber aufgrund seines opportunistischen Verhaltens immer selber entscheiden, was er nutzen mag und was nicht. Wir können nur versuchen, Lösungen zu entwickeln, die den Konsumenten ansprechen und ihm einen Mehrwert bieten.

Noch sind Sie die einzige Full-Service-Agentur mit Beacon-Dienstleistungen. Warum?
Für uns ist die Beacon-Technologie ein Modul, das die Lücke zwischen Mobile Marketing und dem physischen Retail-Marketing schliessen soll. So wird Offline und Online verbunden. Es nutzen ja immer mehr Unternehmen technologische Lösungen. All diese Dienste sind jedoch Insellösungen, dessen Daten dezentral gespeichert werden. Dies steht in einem Widerspruch zum eigentlichen Sinn der Digitalisierung, die ja eine Vernetzung von allen Datenquellen, egal ob Offline und Online, vorsieht. Die Beacons haben nur die Funktion, diese beiden Welten zu verknüpfen. Es ist sehr komplex. (lacht)

Warum ist die Beacon-Strategie gerade für Marketer spannend? Welche Möglichkeiten ergeben sich dadurch?
Um beim Beispiels des Handels zu bleiben: Man könnte beispielsweise die Kundenkarte digitalisieren und somit den Kunden dazu erziehen, die Käufe über sein Handy abzuwickeln. Diese Daten werden dann gespeichert und zu einem umfassenden, detaillierten Profil verarbeitet. All diese Daten und ihre sofortige Nutzbarkeit sind für das Marketing sehr spannend. Durch die Personalisierung ist so eine stärkere Kundenbindung möglich, gleichzeitig erfährt das Unternehmen mehr über die Wünsche der Kundschaft. Die ganze Technologie per se lässt aber extrem viel Spielraum offen, da gibt es noch zig andere Möglichkeiten.

Sie sind für die diplomorientierte Schweiz einen eher unkonventionellen Weg gegangen. Nach einer Ausbildung stiegen Sie sofort erfolgreich ins Berufsleben ein, haben keinen akademischen Background. Wird das Studium in der Branche überbewertet?
Eine gute Ausbildung ist natürlich immer von Vorteil. Heute gibt es aber nicht mehr viele eigentliche Berufe, sondern eher Positionen oder Funktionen, in denen man wirken kann. Ich würde nicht sagen, dass ein Studium oder eine Ausbildung überbewertet ist, aber dass das, was wir in jedweder Ausbildung lernen, nicht mehr progressiv praktizierbar ist im Berufsleben. Dies liegt daran, dass die Ausbildungen und Studiengänge sich nicht so schnell entwickelt hat wie die Berufe, die man heute machen kann. Die Ausbildung ist wiederum kein Indikator für ein späteres erfolgreiches Berufsleben.

Schiessen die Universitäten am Ziel vorbei?
Ich empfinde das eigentlich als eine positive Entwicklung. Das zeigt, dass die Universitäten eben versuchen, sich an diesen neuen Berufsbildern zu orientieren und das Wissen dafür zu liefern. Man kann nur hoffen, dass die Entwicklung so weitergeht.

Sie sind erst für die Unternehmungsgründung in die Schweiz gekommen, davor lebten Sie in Deutschland. Warum der Wechsel?
In die Schweiz zog es mich wegen meinem vorherigen Unternehmen, der Eviom GmbH, eine Online-Marketing-Beratungsfirma. Da wir einige Kunden in der Schweiz hatten, wollten wir auch selbst vor Ort sein, weswegen wir hier einen Firmensitz aufgebaut haben. Dabei bin ich mit der Beacontechnologie in Berührung gekommen und habe mich relativ schnell dafür entschieden, Beaconsmind zu gründen – im Januar 2015 habe ich die Gesellschaft aufgebaut. Natürlich möchte ich die Schweiz als Wirtschaftsstandort nutzen und von hier aus wachsen und die Firma weiter führen, neue Arbeitsplätze schaffen. Im April werden wir dann in München ein Office eröffnen, um auch den deutschen Markt wieder stärker zu erschliessen.

Die Schweiz präsentiert sich gerne als innovativer, start-up-fördernder Standort. Können Sie dies bestätigen? Wie unterscheidet sich hier die Schweiz von Deutschland?
In Deutschland hat man natürlich ein grösseres Umfeld, und man hat Berlin als heimliche Start-Up-Hauptstadt – von der ich allerdings wenig halte. Deutschland ist dabei durchaus gründerfreundlich, wir haben einige Programme, die sehr hilfreich sind. Hier in der Schweiz kenne ich das leider zu wenig. Rein von der geografischen Grösse her ist es mir nicht möglich, die beiden Länder zu vergleichen. Und in der Schweiz habe ich mich ehrlich gesagt gar nicht um Startkapital bemüht. Ich habe einfach versucht, ein Produkt mit einem grossen Mehrwert für unsere Kunden zu entwickeln und habe dafür einen Grossteil meines eigenen Vermögens in die Firma investiert. Was ich aber sagen muss, und da ist jedes Land gleich, ist betreffend der Dauer von Prozessen zur Förderung von Start-Ups. Es dauert unheimlich lange, bis Entscheidungen getroffen werden.

Sie sind also völlig unabhängig mit ihrem Jungunternehmen.
Das ist richtig. Wir möchten ehrlich gesagt auch nicht als Start-Up wahrgenommen werden. Wir sind zwar eines, möchten von unseren Kunden aber nicht so gesehen werden. Wir sind ein seriöser Dienstleister, der mit sensiblen Daten arbeitet und müssen uns auf diesem neuen Markt etablieren. Die zu prominente Vermarktung als Start-Up wäre für uns kontraproduktiv.

Der Terminus «Start-Up» hat in Ihren Augen also eine negative Konnotation?
Es ist auf jeden Fall ein Malus. Es drückt aus, dass man im Markt noch nicht etabliert ist, als Unternehmen wenig Erfahrung hat, ganz gleich, welche Unternehmer involviert sind. Ich habe vor 6 Jahren bereits ein Unternehmen erfolgreich aufgebaut und verkauft und würde mich daher nicht als Start-Up Jungunternehmer bezeichnen. Der Begriff drückt zudem das Vertrauen von anderen Institutionen gegenüber einem aus, so hat man bei Banken beispielsweise keinen Anspruch auf eine Kreditlinie. In den USA mag die Bezeichnung anders wirken, aber hier ist es so.

Am 1. Februar wurde Ihre Zusammenarbeit mit Goldbach vorgestellt. In welchem Verhältnis stehen Sie zueinander?
Wir sind sehr stolz auf die Partnerschaft, weil die Goldbach Group eine der renommiertesten und etabliertesten Agenturen ist. Wir sind Teil des Accelerator Programms und profitieren so von Erfahrung, der Möglichkeit neuer Projekte, und der Nutzung unserer Technologie für Goldbach.

Die Goldbach Group wird Sie nun in einem Förderprogramm in den nächsten drei Monaten unterstützen. Können Sie etwas darüber erzählen, wie das ablaufen wird? Hat Ihnen die Partnerschaft schon etwas gebracht?
Wir sind jetzt schon voll drin. Der Speed ist sehr hoch und in den letzten vier Wochen ist schon viel gelaufen, was sehr vielversprechend aussieht. Wir haben viele Pläne, an dessen Ansätzen wir gerade arbeiten, und brauchen natürlich noch mehr Zeit, da wir erst in der Startphase sind. Die Gesamtumsetzung wird bestimmt diese drei Monate dauern.

Sie haben im Announcement dazu «gemeinsame Kunden» angesprochen. Können Sie mehr darüber verraten?
Wenn wir es schaffen, Goldbach von uns zu überzeugen, wird sich die Frage nach unserem Mehrwert für die Kunden der Agentur stellen. Wir können uns gut vorstellen, unsere Technologie für Kunden der Goldbach Group zur Verfügung zu stellen und darauf arbeiten wir auch hin.

Was war Ihr erfolgreichster Case bis jetzt?
Erfolgreich ist doch immer das, was unsere Kunde zufrieden stellt. Ich kann leider keine Zahlen nennen, aber der Zuspruch von unseren Kunden und der Zuspruch von neuen potentiellen Kunden ist schon ein Erfolg. Erfolg zeigt sich meist erst langfristig, und es wird sich auch erst in Zukunft zeigen, ob die Roll-Outs unserer bisherigen Pilot-Cases ankommen. Der Kunde muss selbst entscheiden, ob es erfolgreich war.

Seit der Gründung vor einem Jahr haben Sie nun schon einige Erfolge verzeichnen können. Was haben Sie im Sinn für 2016?
Ja, einiges! Wir werden das Office in München eröffnen und von dort für den Grossraum Deutschland und auch Europa Präsenz zeigen, und wir planen noch weitere Büros, um marktspezifisch für unsere Kunden da zu sein. Wir wollen einfach einen grossen Mehrwert für den Kunden bieten, das ist mein persönlicher Wunsch als Gründer. Und mit diesem Nutzen, den wir schaffen, werden wir wachsen und auch erfolgreich sein.

Max Weiland stammt aus München, wo er eine Ausbildung in der Medienbranche absolvierte und danach mehrere Jahre tätig war. Mit 24 Jahren gründete er seine erste Firma Eviom, eine Online-Marketing-Agentur, die ihn nach Zürich brachte. Von hier aus hat er seine zweite Agentur Beaconsmind gegründet, die Full-Service-Dienstleistungen mit der Beacon-Technologie anbietet.

Bild: Sonja Gambon