"Der Markt steht allen offen"

Jörg Krebs - An der Tour-de-Suisse wirbt das Tirol vor fremder Bergkulisse um Schweizer Feriengäste. Weshalb überlassen unsere Tourismus-Organisationen der ausländischen Konkurrenz das Feld? Jörg Krebs, Marketing-Verantwortlicher von Schweiz Tourismus, nimmt's gelassen. Er hält die Marketing-Strategie des Tirols für merkwürdig -- und nicht die von Schweiz Tourismus. Statt in den Spitzensport investiert sein Verband lieber in den Breitensport. Das Interview:

Tirol Werbung ist im Gegensatz zu Schweiz Tourismus Partner der Tour de Suisse. Stört Sie das nicht?

Diese Frage würden Sie besser den Tourismus-Verantwortlichen der Schweizer Regionen stellen, denn diese stehen in direkter Konkurrenz zur Feriendestination Tirol, nicht wir. Grundsätzlich aber gilt: Der Markt steht allen Anbietern offen. Mit Würth hat die Tour-de-Suisse einen deutschen Namenssponsor, dazu kommen weitere Werbepartner aus dem Ausland. Damit habe ich keine Probleme.

Dass die Schweizer Tourismus-Verantwortlichen das Feld der ausländischen Konkurrenz überlassen, wird bei den einheimischen Radsportfans doch beträchtliches Kopfschütteln auslösen...

Merkwürdig an der Sache ist doch, dass das Tirol vor der Schweizer Bergkulisse Werbung betreibt und nicht, dass die Tourismusregion Schweiz die Tour-de-Suisse nicht sponsert. Deshalb verstehe ich auch die Strategie von Tirol Werbung nicht ganz. Meiner Ansicht nach ist ihr Engagement denn auch eher kontraproduktiv.

Die Tour-de-Suisse ist das grösste nationale Sportereignis. Weshalb hat Ihr Verband keine Partnerschaft angestrebt?

Die Tour-de Suisse ist zweifellos ein Topevent, der überdies hervorragend organisiert ist. Ich verfolge die Rundfahrt seit den Zeiten von Hugo Steinegger. Dennoch haben wir uns nach mehrmaliger Prüfung gegen ein Engagement entschieden, weil wir im Sportbereich eine andere Strategie verfolgen. Wir investieren vor allem in den Breitensport. So etwa ins "Veloland Schweiz". Seit dem Launch 1997 hat Schweiz Tourismus für 3300 Fahrrad-Routen das gesamte Marketing übernommen. Dazu kommen die "SlowUps" -- hierzulande die wohl grössten Sportevents im Breitensport. Dort fungieren wir als Namensgeber.

Studien belegen, dass Sport in der Natur für Feriengäste immer wichtiger wird. "Wir wollen uns als Sportland Nummer 1 positionieren", sagt deshalb Tirol Werbung. Wie reagiert Schweiz Tourismus auf diesen Trend?

Im Sportbereich sind wir sehr aktiv. Wir haben als Erste vom "Schneesport" gesprochen, haben alle Sparten unter dieses Dach gesetzt und entsprechend kommuniziert. Im Sommer betreiben wir überdies Marketing für verschiedene Sportarten. An erster Stelle steht hier natürlich das "Wanderland Schweiz", dann aber auch das "Veloland Schweiz" und das "Mountainbike-Land Schweiz". An dieser Stelle sei aber noch einmal betont: Ich betrachte das Tirol nicht als unseren Konkurrenten, sondern vielmehr als Mitbewerber und strategischen Partner. Ein Beispiel hierfür ist unsere Zusammenarbeit bei der Fussball-EM 2008, wo das Tirol mit Innsbruck auch über einen Austragungsort verfügt.

Rund die Hälfte der Touristen in der Schweiz stammen aus dem Inland. Vom Gesamtetat von Schweiz Tourismus fliessen jedoch lediglich zwei Prozent in die Schweiz. Sind Ihnen die kaufkräftigeren Touristen aus dem Ausland wichtiger als die Schweizer?

Nein, ganz im Gegenteil. Herr und Frau Schweizer sind unsere wichtigsten Gäste. Darin unterscheiden wir uns nicht von den meisten anderen Ländern. Und deshalb investieren wir auch Werbegelder in der Schweiz. Wir versuchen im Inland aber in erster Linie, Plattformen aufzubereiten für unsere touristischen Partner. Nicht vergessen gehen sollte auch, dass die Schweiz eine sehr internationale Destination ist, im Gegensatz zu Östereich.

Was unternimmt denn Schweiz Tourismus konkret, damit nicht noch mehr Inland-Touristen ins Ausland abwandern?

Wir führen verschiedene Kampagnen, bei welchen wir mit klassischer Werbung arbeiten. Zugleich arbeiten wir mit Partnern zusammen, etwa der SBB-Tocher "Railway". Etwa vier Mal im Jahr veranstalten wir grössere Auftritte an Schweizer Bahnhöfen.

Kann man denn mit einem Werbebudget von unter einer Million Franken wirkungsvoll landesweite Kampagnen führen?

Unser Budget liegt netto bei 1.5 Millionen Franken. Aber Sie haben recht, das Geld ist schnell aufgebraucht, deshalb sind wir auf Partnerschaften angewiesen, mit welchen wir dank der Zusammenarbeit mit grösseren Partnern zusätzliche Mittel generieren können.