"Der Steiner-Spot liegt in einem Banksafe"

Economiesuisse - Interview mit Ursula Fraefel, scheidende Kampagnenleiterin des Wirtschaftsdachverbandes.

Frau Fraefel, nach vier Jahren treten Sie von Ihrer Tätigkeit als Kampagnenleiterin bei Economiesuisse zurück (persoenlich.com berichtete). Wieso?
Ich bin der Meinung, dass für das neue Führungsteam von Economiesuisse ein Neuanfang in der Kommunikation und Kampagnenleitung vernünftig ist.

Wechsel in der Geschäftsführung, Wechsel im Präsidium, Wechsel in der Kampagnenleitung: In den vergangenen Monaten ist die komplette Führungsriege ausgewechselt worden. Kehrt nun Ruhe ein? Und muss Economiesuisse keine Angst vor einem Braindrain haben?
Das glaube ich nicht. Es arbeiten hochkompetente Menschen bei Economiesuisse, wenn ich nur schon an mein erstklassiges Team denke.

Als grösste Niederlage Ihrer Amtszeit kann man wohl die verlorene Abzocker-Initiative bezeichnen. Welche kommunikativen Fehler hat Economiesuisse dort begangen?
Wir wussten, dass die Ausgangslage sehr schwierig war, wollten aber trotzdem gewinnen. Doch auch mit einer perfekten Kampagne hätten wir keine Chance gehabt.

Was denken Sie, wann wird der Spot von Michael Steiner eigentlich an die Öffentlichkeit dringen?
Der liegt gut verschlossen in einem Banksafe.

Was würden Sie als Ihre grössten Erfolge aufführen?
Den Abstimmungserfolg gegen die SP-Steuerharmonisierungsinitiative. Die Ausgangslage war schwierig und der Gegner stark. Geholfen hat uns der Kantönligeist, der eben doch noch stärker wirkt als man denkt. Gerade wegen der aus meiner Sicht wichtigen Steuerhoheit der Kantone hat mich der Sieg gefreut. Natürlich waren auch die Erfolge für die Revision der Arbeitslosenversicherung, gegen die Ferieninitiative, die Staatsvertragsinitiative und die 1:12-Initiative wichtig für mich und Economiesuisse.

Wohin wird Sie Ihr beruflicher Weg führen? Wonach gelüstet Sie?
Ich prüfe verschiedene Optionen. Grundsätzlich begleite ich gerne komplexe Entscheidungsprozesse an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft und ich führe gern.

Interview: Adrian Schräder