Welches sind die Hintergründe der Kooperation zwischen Clear Channel und Neo Advertising, die die beiden Aussenwerbespezialisten am Donnerstag bekannt gaben (persoenlich.com berichtete)? persoenlich.com hat sich mit Christian Vaglio, Director bei Neo Advertising (links im Bild), und Jürg Rötheli, CEO von Clear Channel, über das neue "Powercouple" in der Schweizer Aussenwerbung unterhalten.
Herr Rötheli, welchen Zweck hat die strategische Partnerschaft zwischen Clear Channel und Neo Advertising?
Jürg Rötheli: Durch die Zusammenarbeit können wir unser Portfolio an qualitativ hochstehenden Werbeflächen ausbauen und unseren Kunden ein flächendeckendes Netzwerk an digitalen Screens anbieten. Und dies an Standorten, wo sich die meisten Konsumenten aufhalten: in Einkaufszentren. Unser Ziel ist es, die Konsumenten zu begleiten, und zwar von der Strasse über das Parking bis in die Mall hinein und an den Verkaufspunkt. Werbetreibende können so ihre Werbewirkung maximieren. Und natürlich können wir durch die strategische Partnerschaft mit Neo unser bestehendes grosses Angebot in diesem Bereich – Werbeflächen in Einkaufszentren sowie an Tankstellen – optimal ergänzen.
Sie nehmen dadurch eine bedeutende Position in der digitalen Aussenwerbung ein. Wie hat die Wettbewerbskommission darauf reagiert?
JR: Wir haben die Zusammenarbeit, wie im Gesetz vorgesehen, der Wettbewerbskommission gemeldet und gehen davon aus, dass sie wettbewerbsrechtlich unbedenklich ist. Der Werbemarkt ist gross genug und bietet viele Alternativen. Es stehen viele andere Medien zur Verfügung.
Herr Vaglio, Welche Vorteile ergeben sich für die Kunden?
Christian Vaglio: Es ergeben sich zwei grosse Vorteile. Erstens das Produkt selbst: Wir haben alle unsere digitalen Screens in ein Netzwerk zusammengeführt und vereinheitlicht, mit 10-Sekunden-Spots und der Garantie, dass jeder Kunde 20 Prozent Exposure hat. Wir schaffen damit das erste nationale Angebot, um Konsumenten in der Schweiz zu erreichen. Der zweite Vorteil ist, dass wir alles aus einer Hand bieten: ein benutzerfreundliches Medium, welches sehr flexibel ist und viele kreative Möglichkeiten bietet. Die Idee hinter "Digital Shopping Media" ist, dass wir unseren Kunden einen einfachen Zugang zum Produkt und seinen Vorteilen bieten möchten.
JR: Wir erhoffen uns natürlich auch, aufgrund der vielen Vorteile von "Digital Shopping Media" (z.B. der Möglichkeit zur Interaktion mit den Konsumenten via Touchscreen oder Mobiltelefon und der tageszeitspezifischen Zielgruppenansprache), einen Teil der Online- und TV-Budgets abzuzweigen.
Hat dieser Zusammenschluss auch preisliche Vorteile?
ChV: Ja, um ein einheitliches Produkt anbieten zu können, haben wir viel Zeit darin investiert, einen einheitlichen Preis anbieten zu können, der sich im Grunde genommen nach der Anzahl Besucher in Kombination mit der Grösse der Screens richtet. Beide Parteien mussten daher Preisanpassungen vornehmen, was zu preislichen Vorteilen für den Kunden führt. Ausserdem werden Synergieeffekte längerfristig zu Preisreduktionen führen. Uns ist es wichtig, einen guten Trade-off zwischen Preis und Qualität zu bieten.
JR: Meiner Meinung nach liegt der grosse Vorteil für den Kunden in der Abverkaufssteigerung. Studien belegen, dass im Durchschnitt aller Branchen der Einsatz digitaler Werbung am POS eine Umsatzsteigerung von 20 Prozent bringt. Mit "Digital Shopping Media" – 653 Screens in 54 Shoppingzentren – können Werbetreibende 3 Millionen Ladenbesucher pro Woche erreichen – im Vergleich zu anderen Medien und deren Wirkung ist dies sehr gut angelegtes Geld.
Wie sieht das neue rechtliche Konstrukt aus?
JR: Es gibt keine Kapitalverflechtung – es handelt sich bei unserer Kooperation um eine rein vertraglich geregelte Zusammenarbeit.
Werden Sie jetzt noch stärker digitale Werbung akquirieren?
ChV: Ja, das Angebot ist auf jeden Fall gut genug, um sehr erfolgreich zu werden und wir möchten daher neue Kunden akquirieren, sowohl nationale als auch lokale.
JR: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, unseren Kunden ein möglichst grosses digitales Out-of-Home-Angebot zu unterbreiten und dieses laufend zu erweitern. Mit der neuen Kooperation bekennen wir uns zur digitalen Zukunft des Out-of-Home-Marktes in der Schweiz.
Gibt es unbeschränkt "Plakatstellen" für digitale Werbung?
JR: Aufgrund der Investitionen in Screens und Technik kommen primär hochfrequentierte Standorte wie Einkaufszentren, Bahnhöfe und Flughäfen in Frage. Selektiv auch Strassenstellen, sofern die Verkehrssicherheit dies zulässt. Aktuell läuft in diesem Zusammenhang ein Pilotprojekt mit der Stadt Zürich, mit dem die Akzeptanz digitaler Aussenwerbung geprüft wird. Ich bin der Meinung, dass digitale Aussenwerbung zu einem modernen Erscheinungsbild einer Stadt beiträgt und sie deshalb auch die traditionellen Plakatstellen ergänzen und mit der Zeit teilweise ersetzen wird. Damit meine ich jedoch nicht, dass die ganze Stadt mit digitalen Werbeflächen vollgepflastert werden soll. Wir möchten qualitativ hochstehende Werbeflächen, von welchen auch die Stadt und die Bürger profitieren – die Stadt von den Umsatzbeteiligungen und der Bürger wegen der ästhetisch sehr ansprechenden digitalen Werbung.
ChV: Ich bin der Meinung, dass es viele gute Stellen gibt für digitale Werbeflächen und wir können auch traditionelle Plakate durch digitale Screens ersetzen. Aber es ist klar, dass digitale Werbung das herkömmliche Plakat niemals vollständig ablösen wird. Digitale Werbeflächen können jedoch auch an Orten platziert werden, wo es eher schwierig war, traditionelle Plakate zu installieren, wie zum Beispiel in Einkaufszentren. Das herkömmliche Plakat befand sich immer im Parkhaus, während wir die digitalen Screens in den Malls installieren können. Der Prozess der Digitalisierung im Aussenwerbebereich ist ein langfristiger Trend, weltweit, sowie auch in der Schweiz.
Herr Vaglio, Sie planen neue Investitionen in digitale Werbung. Was bezwecken Sie damit?
ChV: Genau – Neo Advertising wird im ersten Quartal 2014 einen bedeutenden Investitionsplan umsetzen und 50 neue interaktive 55“-Bildschirme in 12 der grössten Einkaufszentren installieren. Diese Investition wird das "Digital Shopping Media"-Portfolio weiter vergrössern und Werbetreibenden ermöglichen, bei ihren Zielgruppen für noch mehr Aufmerksamkeit zu sorgen.
Interview: Matthias Ackeret, Bild: zVg