Rund 30 renommierte Designer aus 9 Länder haben den 21. Juni zum alljährlich wiederkehrenden "International Design Action Day". Aus Sicht der Designschaffenden werden unter den marktwirtschaftlichen Bedingungen Entscheidungen über Design oft zu kurzfristig getroffen. Design stehe in Gefahr, zu einer "automatischen Pseudoinnovations-Maschine" zu werden und damit die Welt "mit zweifelhaften Angeboten zu überschwemmen", wie es in der Begründung heisst. Grundlage für den Aktionstag ist die zweite Deklaration, die im Rahmen des vierten St. Moritz Design Summit entstanden ist. Alle Unterzeichnenden verpflichteten sich, an diesem Aktionstag die tägliche Routine zu brechen, um über die Rolle des Designs in der Gesellschaft nachzudenken.
Zu den Designer sind auch chweizer Persönlichkeiten wie Ruedi Baur, Leiter des Instituts Design2context der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich; Egon Babst, CEO der wellis ag, Willisau; Meret Ernst, Redaktorin von Hochparterre, Zürich; Britta Pukall, CEO milani design & consulting, Erlenbach; Chantal Prod'Hom, Direktorin Musée de design et darts appliqués contemporains, Lausanne; und Jörg Zintzmeyer, Verwaltungsratspräsident Interbrand Zintzmeyer & Lux, Zürich.
In verschiedenen Ländern sind grössere Events geplant. In der Schweiz lädt Ruedi Baur am heutigen Montag im Rahmen des Design Action Day 2004 als Leiter des neuen Instituts für Design der HGKZ zu Aktionen im Blauen Saal (Löwenbräuareal) in Zürich ein. Das Institut forderte vor drei Wochen internationale Designer und Künstler auf, Bilder als Zeichen des Protestes gegen die Missachtung der Menschenrechte zu gestalten. Gegen 200 visuelle Statements aus Ländern wie Frankreich, USA, Spanien, Neuseeland und der Schweiz werden der Öffentlichkeit präsentiert und in einem offenen Forum diskutiert. Vorab findet ein Podiumsgespräch zu den Möglichkeiten aktueller Intervention durch engagiertes Design für die Wahrung der Menschenrechte statt. Die Moderation übernimmt Dorothea Strauss, Direktorin Kunstverein Freiburg i.B.
Das Erlenbacher Designbüro milani design & consulting lädt einen auserlesenen Kreis zur Teilnahme des workshops "How to kill a designer -- and your own business" ein. "Innovationsdruck, Effizienzstreben und kurzfristig angelegte Optimierungsprogramme beeinflussen die Arbeit vieler Designer negativ. Und zwar in einem so hohen Masse, dass die Qualität von Designentwicklungen und den langfristigen Erfolg in Frage gestellt wird", erläutert Britta Pukall, CEO von milani design & consulting und Präsidentin der Raymond Loewy Foundation Switzerland. Die Welt werde mit Angeboten überschwemmt, auf die niemand gewartet habe. Mit zweifelhaften Innovationen solle die Tatsache verschleiert werden, dass es immer häufiger um mehr statt um sinnvolleres und klügeres Design gehe. "Strategien der Ent-Schleunigung tun Not: Abbremsen, sich Zeit nehmen, um sich grundsätzlichen Fragen der Designarbeit zu widmen. In der Hoffnung, dass sich so das Design und damit die Lebensqualität verbessern." Am "International Design Action Day" sei alles möglich, was ebenso leichtfüssig wie ernsthaft zum Denken über Design anrege.