Die Autobranche und ihr Markenproblem

Studie - Vorwärtsstrategien bei Vertriebsprozessen nötig.

Laut einer neuen Studie der Unternehmensberatungsfirma Mercer Management Consulting geraten die Automobilkonzerne und deren Markenpartner im deutschen Automobilmarkt immer stärker unter Druck. Während der Verkauf neuer Autos für die Hersteller bereits zu einem Nullsummenspiel geworden ist, droht nun offenbar auch der Verlust von Marktanteilen im noch gewinnbringenden Finanzdienstleistungs- und Ersatzteilbereich.

Die Mercer-Studie "Systemprofit Automobilvertrieb 2015" rät Markenherstellern deshalb zu einer Umgestaltung und Optimierung ihrer Vertriebskanäle, um nicht von markenunabhängigen Anbietern an die Wand gedrückt zu werden.

"Das Neuwagengeschäft muss in die Gewinnzone zurückgeholt, das Finanzdienstleistungs- und Teilegeschäft gegenüber freien Anbietern verteidigt werden. Darüber hinaus müssen Markenhersteller alles unternehmen um die Kundenzufriedenheit zu steigern und eine langfristige, enge Bindung der Kunden an die Marke zu erreichen", nennt August Joas, Director des Global Automotive Teams von Mercer Management Consulting im Gespräch mit pressetext die drei Hauptherausforderungen für die Automobilhersteller in den kommenden Jahren.

Durch verschärfte Wettbewerbsbedingungen stehe rund 20 Prozent des Volumens und ein Drittel des Gewinns auf dem Spiel, das von den Herstellern bis 2015 entweder erfolgreich verteidigt oder an freie Anbieter verloren werden könnte, so Joas weiter.

Alle Geschäftsbereiche müssen profitabel sein

"Den Turnaround im Neuwagengeschäft zu schaffen, ist sicherlich das schwierigste Unterfangen. Um den Systemprofit nachhaltig zu stärken, müssen aber alle Geschäftsbereiche profitabel sein", meint Joas, der davon ausgeht, dass Vertriebsprozesse noch effizienter und kostenbewusster gestaltet werden müssen.

Die im europäischen Markt oftmals verankerten nationalen Vertriebsstrategien der Markenhersteller würden ebenso Optimierungspotenzial bieten wie die immer noch prominent in den Vertriebsprozess eingebundene Grosshandelsebene. Jene müsse unbedingt ausgedünnt werden, um eine effizientere Aufgabenteilung zwischen Herstellern und Autohändlern zu erreichen, so Joas.

Mercer-Berater und Co-Autor Matthias Bentenrieder kommt in der am Dienstag präsentierten Studie zum Schluss, dass es das wichtigste strategische Ziel aller Hersteller sein werde, Kunden und Händler langfristig an ihre Marke und ihr Systemgeschäft zu binden. "Die nächsten zehn Jahre gehören dem Kampf der Marken um die besten Händler. Denn langfristig machen gute Händler erfolgreiche Marken und gute Marken erfolgreiche Händler", so Bentenrieder.