"Die Erwartungshaltung an ein Auto ist heute viel grösser als früher"

- BMW hat in der Schweiz in den letzten Jahren mit dem Claim “Freude am Fahren” zugelegt und belegt nun im Premium-Bereich den ersten Platz. Doelf Carl, seit vier Jahren Managing Director der BMW (Schweiz) AG, erklärt gegenüber "persönlich blau" sein Erfolgsprinzip sowie seine Beziehung zu Luxusautos und erläutert, was das Formel 1-Engagement der Automarke bringt. Ein Interview-Ausschnitt

Herr Carl, 2007 hat BMW in der Schweiz seine Konkurrenten im Premium-Bereich von der Poleposition verdrängt. Wie haben Sie das geschafft?

Unser Claim heisst "Freude am Fahren". Wir grenzen uns ganz klar mit unseren Markenwerten Dynamik, Innovation und Design ab. Bei diesen Attributen wollen und müssen wir immer einen Schritt voraus sein, was wir in der Kommunikation auch ganz gezielt unterstreichen. Diese Werte sollen die Kunden anziehen und überzeugen.

Verstehen Sie BMW als Luxusmarke?

Die Marke BMW setze ich nicht primär mit Luxus in Verbindung. In der Automobilbranche hat Luxus sehr viel mit Funktionalität zu tun, wobei auch das Design eine grosse Rolle spielt. Die BMW-Markenpfeiler heissen Freude, Dynamik und Innovation, was aber nicht heisst, dass ein Kunde -- sobald er in einem BMW sitzt -- nicht auch ein Gefühl von Luxus verspürt. Das oberste Segment wird in unserem Konzern durch die Marke Rolls-Royce repräsentiert, die seit 1998 zu uns gehört, aber immer noch als eigenständige englische Marke vertrieben wird. Rolls-Royce hat letztes Jahr zum ersten Mal weltweit über tausend Einheiten verkauft und will weiter expandieren.

Hat sich der Luxusbegriff in der Automobilindustrie in den letzten Jahren gewandelt?

Ja, die Erwartungshaltung der Konsumenten an ein Auto ist heute viel grösser als früher. Funktionelle Themen, wie beispielsweise passive und aktive Sicherheit oder die Umweltverträglichkeit eines Autos, spielen heute eine wichtige Rolle.

Seit 2001 gehört Mini zum BMW-Konzern. Welche Vorteile ergeben sich daraus? Der BMW-Fahrer ist ja nicht eben der klassische Mini-Fahrer...

Nein. Es sind zwei verschiedene Marken mit verschiedenen Geschichten. Dank Mini können wir eine jüngere Kundschaft ansprechen, wobei sich natürlich alle Generationen vom Mini angesprochen fühlen. Das hat mit seiner Geschichte zu tun. Diese Menschen erinnern sich an ein Auto, wie es vor 40 Jahren war. Jeder hat seine Assoziation zum Mini. Dies ist sein Erfolgsrezept.

Trotzdem ist dieses Mini-Comeback erstaunlich.

Der Mini wurde 1959 in England erfunden. Er stammt also aus der Zeit der Beatles und wird mit ihnen und dem damaligen Lebensgefühl verbunden. Hier hat BMW bei der Übernahme von Mini angesetzt. Beim Relaunch 2001 musste zuerst diese Aura wieder in den Vordergrund gerückt werden. Heute gilt der Mini als ein Kultauto, das sympathisch daherkommt und Emotionen auslöst. Seine Kernbotschaft hat die Kunden erreicht. Wir verkaufen weltweit über 222'000 Mini pro Jahr. Mit seinen drei Modellen sind wir stärker aufgestellt als viele andere Hersteller weltweit, die es seit Jahrzehnten gibt.

VW hat dasselbe mit dem New Beetle versucht, Mercedes mit dem Smart. Warum funktionierte es mit dem Mini besser?

Der springende Punkt ist: Der Mini war schon Kult. Wir mussten diese Tatsache nur wieder ins Bewusstsein rufen. Zudem haben wir ihm seine Eigenheit, das typisch Britische, gelassen. Der Mini wird weiterhin in England hergestellt, andererseits profitiert er vom "Made by BMW". Der Mini-Kunde weiss, dass sein Auto von einem Konzern getragen wird, der in puncto Qualität und Technologie sehr erfolgreich unterwegs ist.

Der BMW- und der Mini-Fahrer haben nichts gemeinsam. Wird der Vertriebs- und Marketingauftritt auch personell unterschieden?

Ganz bewusst. Beide haben unterschiedliche Markenwerte und eine separate Corporate Identity. Auch der Auftritt innerhalb der Handelsorganisation unterscheidet sich ganz deutlich. BMW ist BMW, Mini ist Mini. Es sollte keineswegs so sein, dass sich ein BMW-Verkäufer die Krawatte abnimmt, den Raum wechselt und plötzlich als Mini-Verkäufer agiert. Dies gilt selbstverständlich auch für Rolls-Royce. Diese Marke verfügt über eine eigene, unabhängige Struktur. Er wird vom Mutterhaus in Goodwood direkt an ausgewählte Händler der entsprechenden Länder geliefert.

Sie haben erwähnt, dass Sie mit Ihren Autos einen Viertel der Bevölkerung ansprechen wollen. Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Wir setzen klassischerweise auf Tages- und Sonntagszeitungen, Special-Interest- und Lifestyle-Magazine und natürlich das Fernsehen. Heute genügt es nicht mehr, nur schöne und vielfarbige Inserate zu schalten. Das Leben ist viel komplexer geworden. Um ein modernes Image zu vermitteln, benötigt man heute natürlich auch Technologien wie das Internet.

Sie besetzen auch Themen ausserhalb des Automobilbereichs.

Für BMW ist es wichtig, dass wir nebst der klassischen Kommunikation auch ein starkes Experiential Marketing haben. Unser Ziel ist es, an wichtigen Anlässen -- wie beispielsweise dem White Turf in St. Moritz oder auch der Art Basel -- präsent zu sein und gesellschaftliche Themen zu pflegen. Entscheiden wir uns für ein Thema, überlegen wir uns, wie bestehende oder auch potenzielle Kunden die Marke BMW oder Mini dabei spürbar erleben können.

Können Sie diese Themen selbstständig bestimmen, oder sind Sie auf die Vorgaben aus der Hauptzentrale angewiesen?

Nein. Unser Sponsoring beim White Turf in St. Moritz, welches wir seit Jahren mit der Credit Suisse betreiben, ist ein typisch schweizerisches Thema. Herausragende Leistungen, Spannung und Kraft sind Kernattribute, die den Ausschlag zu dieser Beteiligung als Sponsor gegeben haben. Diese Beteiligung ist sehr erfolgreich und wird von unseren Kunden auch sehr geschätzt. Während drei Wochenenden begrüssen wir jeden Winter bis zu 500 Gäste in St. Moritz. Weltweit gesehen sind Golf, Formel 1 und Segeln die drei Hauptsportarten, bei denen sich BMW engagiert.

Sie verfügen mit BMW Sauber in der Formel 1 über einen eigenen Rennstall. Was bringt ein solches Engagement, wenn man nicht ganz vorne mitfahren kann?

n diesem Punkt muss ich Ihnen widersprechen: Letztes Jahr haben wir mit dem dritten Rang unser Ziel klar erreicht. Für die Automobilbranche ist Formel 1 die Königsklasse. Wir sind stolz darauf, dass wir in Hinwil über ein Team von rund 400 Mitarbeitern verfügen. Da Peter Sauber in der Schweiz einen sehr hohen Sympathiebonus besitzt, können wir davon profitieren. Mit BMW Sauber F1 haben wir einen wichtigen Standort in der Schweiz.

Ist es insgesamt schwieriger geworden, potenzielle Käufer anzusprechen, als vor 20 Jahren?

Ja, es ist wirklich viel schwieriger geworden. Der Konsument wird im Privaten und im Beruflichen von Botschaften, Produkten und Marken überrollt. Dies führt zu einer Reiz-überflutung. Deshalb braucht man heute sehr viel stärkere und klare Kernbotschaften, um diese auch dauerhaft vermitteln zu können.

(Interview: Matthias Ackeret)