Alkohol: Die Migros verzichtet seit jeher auf den Verkauf alkoholischer Getränke in ihren Filialen. Ein Prinzip, das im Sinne der Volksgesundheit von Gründer Gottlieb «Dutti» Duttweiler (1888-1962) in den Statuten verankert ist. Es war ein frühes Kapitel der sozialpolitischen Mission der Migros. Duttweiler hatte das Prinzip mit dem Kauf einer Mosterei in Meilen 1928 übernommen. Heute ist die Migros allerdings durch ihre Tochter Denner und den Online-Shop ebenfalls am Verkauf von Alkohol beteiligt. 2022 lehnten die Mitglieder aller Genossenschaften die Einführung des Alkoholverkaufs in einer Abstimmung ab. Die meisten Regionen sagten mit über 70 Prozent Nein zum Vorschlag. Damit bleiben die Migros-Läden einzigartig gegenüber anderen Detailhändlern.
Bonusprogramm Cumulus: 1997 führte die Migros ihr Kundenbindungsprogramm Cumulus ein. Kundinnen und Kunden sammeln seither Punkte für ihre Einkäufe, die in Form von Bons oder Prämien eingelöst werden können. Mit dem Programm wollte die Migros Kundendaten gezielt nutzen und zugleich Treue belohnen. Heute ist Cumulus eines der grössten Bonusprogramme der Schweiz mit mehreren Millionen Teilnehmenden. Die Karte kann auch bei Partnerunternehmen eingesetzt werden. Damit wurde Cumulus zu einem wichtigen Marketinginstrument.
Durchschiebeverfahren: 1927 entwickelte Duttweiler für seine Verkaufswagen ein raffiniertes Beladesystem: Die Waren wurden auf einer Seite in niedrige Metallschubladen geschoben und auf der anderen wieder entnommen. So verkaufte man stets zuerst die ältere Ware, und das Beladen ging deutlich schneller. Das System ersetzte vorübergehend den Verkäufer im Wagen. Das Verfahren gilt als Beispiel für Duttweilers Rationalisierungsdrang.
Einkaufswagen: Obwohl der Einkaufswagen in den USA schon in den 1930er-Jahren üblich war, führte ihn die Migros in der Schweiz erst spät ein. In den USA galt er als Symbol für den rationellen Selbstbedienungsladen. Die späte Einführung lag auch daran, dass viele Filialen klein und beengt waren. Mit dem Ausbau grösserer Verkaufsflächen hielten die Wagen dann Einzug in Migros-Filialen. Heute sind sie selbstverständlich.
Firmenumbau: Im Jubiläumsjahr 2025 vollzieht die Migros den grössten Umbau ihrer Geschichte. Die Genossenschaft konzentriert sich stärker auf das Kerngeschäft im Detailhandel. Sie trennt sich von mehreren Firmen ausserhalb des Supermarktbereichs. Töchter wie Melectronics, SportX, Bike World, Do it + Garden, Micasa, Hotelplan, Mibelle und Alnatura werden entweder verkauft oder bis 2026 geschlossen. Der Schritt markiert einen tiefen Einschnitt in der Migros-DNA, die jahrzehntelang auf ein breit diversifiziertes Geschäftsmodell setzte. Für Beobachter ist er ein Symbol für den Wandel des Schweizer Detailriesen.
Genossenschaft: 1941 wandelte Duttweiler die Migros von einer Aktiengesellschaft in eine Genossenschaft um. Damit erhielten die Kundinnen und Kunden eine direkte Mitsprache im Unternehmen. Das Modell sollte die Unabhängigkeit sichern und die Gewinne wieder in die Gemeinschaft zurückführen. Die regionalen Genossenschaften bilden seither das Rückgrat des Unternehmens. Bis heute gilt dieses Organisationsmodell mit regionaler Ausprägung als einzigartig im Schweizer Detailhandel, es macht das Unternehmen aber auch schwerfälliger. Die Chefs der zehn regionalen Genossenschaften wurden gemeinhin auch als «Regionalfürsten» betitelt und sorgten teils mit Sololäufen und Fehlplanungen für Schlagzeilen.
Gottlieb Duttweiler: Der Zürcher Kaufmann gründete die Migros 1925 mit fünf Verkaufswagen und einem klaren Ziel: günstige Qualität für alle. Früh mischte er sich auch politisch ein, unter anderem als Nationalrat und später mit der Gründung der Partei Landesring der Unabhängigen (LdU). Er sah die Migros nicht nur als Geschäft, sondern als gesellschaftliches Projekt. Seine provokativen Werbeaktionen und juristischen Auseinandersetzungen machten ihn landesweit bekannt. Bis heute gilt er als einer der prägendsten Unternehmer der Schweiz.
Gottlieb-Duttweiler-Preis: 1970 rief die Migros den Gottlieb-Duttweiler-Preis ins Leben. Er zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich in besonderer Weise für das Gemeinwohl einsetzen. Zu den Preisträgern gehören unter anderem der frühere Uno-Generalsekretär Kofi Annan, die britische Schriftstellerin Doris Lessing und der ehemalige deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Der Preis ist mit einer Medaille und einem namhaften Geldbetrag dotiert. Verliehen wird er vom Gottlieb Duttweiler Institut in Rüschlikon. Damit bleibt der Gründername fest mit gesellschaftlichem Engagement verbunden.
Kaffee-Kapselsystem: 2022 sorgte die Migros mit der Lancierung von CoffeeB für Schlagzeilen. Das weltweit einzigartige System verzichtete auf herkömmliche Kaffeekapseln und setzte auf gepresste Kaffeebällchen mit kompostierbarer Hülle. Damit wollte die Migros dem wachsenden Abfallproblem der Aluminium- und Plastikkapseln begegnen. Trotz anfänglicher Skepsis fand CoffeeB eine Käuferschaft. Das System wurde in mehreren europäischen Ländern eingeführt. Ob es sich langfristig durchsetzt, ist offen.
Kult-Eigenmarken: Von «Ohä» über «Potz» bis zu «Handy» – die Migros hat eine lange Tradition markanter Eigenmarken. Oft entstanden sie wegen Boykotten von Lieferanten, die den Migros-Preisdruck scheuten. Das Unternehmen reagierte mit eigenen Produkten und provokanten Namen, die an Markenartikel erinnerten («Mivella» statt «Rivella» oder «Kaffee Zaun» statt «Kaffee Hag»). Viele dieser Produkte entwickelten Kultstatus und sind bis heute im Sortiment. Eigenmarken erlaubten es der Migros insbesondere, Preise tief zu halten.
Landesring der Unabhängigen: Die politische Partei entstand 1936 aus der Unzufriedenheit des Migros-Gründers Gottlieb Duttweiler mit der schweizerischen Politik der 1930er-Jahre. Ursprünglich ein Jahr zuvor als überparteiliche «Bewegung der unabhängigen Männer» gedacht, entwickelte sich die Gruppierung nach den ersten Wahlerfolgen 1935 zur Partei mit sozialliberalem Profil. Duttweiler fungierte als erster «Landesobmann» und prägte die Partei. Mit einem Unterbruch von drei Jahren vertrat der Migros-Gründer die Partei als National- und Ständerat von 1935 bis zu seinem Tod 1962. Die Migros trug bis zu Duttweilers Tod 1962 den allergrössten Teil der Parteikosten. Eine 1979 geschlossene Vereinbarung regelte die weitere finanzielle Unterstützung: Die Migros überwies jährlich 3 bis 3,5 Millionen Franken, solange sich der LdU im Rahmen des sozialen Liberalismus bewegte. Als der ökologische Flügel in den 1980ern die Oberhand gewann, kürzte Migros die Beiträge massiv und kündigte 1999 die Partnerschaft – der LdU löste sich im selben Jahr auf.
Marke: Der Name Migros leitet sich vom französischen Begriff «mi-gros» ab, was so viel wie «mittelgross» bedeutet. Der Erfolg der Migros rief früh Trittbrettfahrer auf den Plan. In den 1930er-Jahren versuchten zahlreiche Händler, vom Namen zu profitieren – von der «Kolonial-Migros» bis zur «Möbel-Migros». Duttweiler klagte mehrfach, um den Markenschutz durchzusetzen. 1933 entschied das Bundesgericht, dass «Migros» keine generische Bezeichnung sei, sondern durch Werbung und Geschäftsprinzipien zum unverwechselbaren Begriff geworden war. Das Urteil stärkte die Marke nachhaltig. Heute gehört «Migros» zu den bekanntesten Namen der Schweiz.
M-Budget: 1996 lancierte die Migros die Billiglinie M-Budget als Reaktion auf die Rezessionsjahre und verändertes Konsumverhalten. Die grün-weiss gestalteten Produkte boten Grundnahrungsmittel und Alltagsartikel zu Tiefstpreisen. Anfangs belächelt, entwickelte sich M-Budget zu einer Kultmarke, insbesondere bei Jugendlichen. Es wurden sogar landesweit M-Budget-Partys mit Eintritt für 9.90 Franken und Gratis-Snacks veranstaltet. Neben Lebensmitteln kamen auch Non-Food-Artikel hinzu. Die Linie half der Migros, die preissensible Kundschaft zu binden. Gleichzeitig sollte sie das Profil als günstiger Anbieter schärfen.
Migros-Magazin: Das Migros-Magazin ist die Nachfolgerin der Kundenzeitschrift Wir Brückenbauer, die 1942 gegründet wurde. 2004 erhielt das Blatt einen neuen Namen und ein moderneres Layout. Es erscheint wöchentlich in mehreren Sprachregionen und erreicht Millionen Haushalte. Die Inhalte verbinden Produkthinweise mit Reportagen, Interviews und Service-Themen aus dem Migros-Universum. Damit ist es zugleich Werbeträger und Kundenbindungsinstrument. Das Magazin gehört zu den auflagenstärksten Publikationen der Schweiz.
Preisanschrift: Über Jahrzehnte brachte die Migros als einzige Detailhändlerin Europas die Preise direkt auf ihren Produkten an. Damit wollte sie Transparenz schaffen und Manipulation ausschliessen. 2011 stellte sie auf Regalanschriften um. Der Schritt wurde mit Kosteneinsparungen und logistischen Vorteilen begründet.
Proteste: Von Anfang an stiess die Migros auf Widerstand der lokalen Lebensmittelhändler. Sie fürchteten um ihre Existenz und setzten auf Boykott, Blockaden und politische Vorstösse. In manchen Gemeinden war der Einkauf bei der Migros gesellschaftlich geächtet. Hausfrauen schickten oft ihre Kinder, um nicht selbst gesehen zu werden. Besonders heftig war der Widerstand gegen die Verkaufswagen in ländlichen Gebieten. Mit der Zeit wich die Ablehnung einer breiten Akzeptanz.
Selbstbedienungsladen: In den 1950er-Jahren führte die Migros das Selbstbedienungskonzept ein. Die Kundschaft konnte nun Produkte selbst aus den Regalen nehmen, statt bedient zu werden. Dies beschleunigte den Einkauf und senkte die Personalkosten. Der Wechsel erforderte grössere Ladenflächen und neue Ladenlayouts. Anfangs ungewohnt, setzte sich das System rasch durch. Die Migros war damit Teil eines internationalen Trends.
Türkei: 1960 expandierte die Migros ins Ausland und gründete in Istanbul die Migros Türk. Das Unternehmen entstand in Zusammenarbeit mit der Stadt Istanbul, um die Versorgung mit günstigen Lebensmitteln zu verbessern. Anfangs verkauften Verkaufswagen nach Schweizer Vorbild die Waren in den Quartieren. Später entstanden Läden und Supermärkte. Die Migros Türk entwickelte sich zu einer eigenständigen Gesellschaft und ist heute ein führender Detailhändler in der Türkei. Sie gehört nicht mehr zur Schweizer Migros.
Verkaufswagen: Am 25. August 1925 startete die Migros mit fünf Verkaufswagen vom Typ Ford T. Sie brachten günstige Lebensmittel direkt in die Quartiere und dienten zugleich als mobile Werbeflächen. Die Wagen hielten nach Fahrplan an festen Haltestellen, auch bei schlechtem Wetter. Später kam das Selbstbedienungssystem hinzu, das den Einkauf beschleunigte. Der Verkaufswagen prägte das Bild der frühen Migros entscheidend. Er steht bis heute für die Pionierzeit des Unternehmens.
Werbesprüche: Duttweiler stand Werbung grundsätzlich skeptisch gegenüber. Er wollte seine Produkte vor allem über Qualität und Preis verkaufen. Sein Credo lautete: «Die einzige Reklame soll die Qualität sein.» Dennoch nutzte die Migros schon früh einfache, prägnante Slogans wie «Migros – die frischen Qualitäten». Später folgten Botschaften, die Preisvorteile und Qualität betonten, etwa «Qualität + Preis = Migros». Ab den 1950er-Jahren professionalisierte die Migros ihre Werbung und setzte vermehrt auf Spots, Plakate und Humor. Die Werbestrategie blieb dabei volksnah und auf Sparsamkeit fokussiert.
Zur Rose: 2017 startete die Migros in Bern ein Pilotprojekt mit der Apothekenkette Zur Rose. Erstmals wurde eine Shop-in-Shop-Apotheke in eine Filiale integriert, Einkäufe konnten so mit dem Bezug von Medikamenten kombiniert und Cumulus-Punkte gesammelt werden. Der Erfolg führte 2018 zur Ausweitung des Konzepts auf weitere Standorte. Im Februar 2023 übernahm die Migros für rund 360 Millionen Franken das gesamte Schweizer Geschäft von Zur Rose. Damit wurden mehrere Apotheken sowie der gemeinsame Online-Marktplatz in die Migros-Gesundheitstochter Medbase integriert. (Thomas Oswald, AWP/sda/nil)