24.11.2011

"Die Kreativität unserer Hörer ist riesig"

Diesen Freitag findet zum neunten Mal das Energy Stars For Free statt. Zu dem Riesenevent im Zürcher Hallenstadion werden heuer Stars wie Lenny Kravitz oder Taio Cruz erwartet. Und was erwartet der Veranstalter Radio Energy? persoenlich.com sprach mit Senderchef Dani Büchi über den Promoeffekt, die multimediale Werbestrategie und ausgefallene Bestechungsmethoden. Zum Interview:
"Die Kreativität unserer Hörer ist riesig"

Herr Büchi, am Freitag geht bereits zum neunten Mal das Energy Stars For Free über die Bühne. Ist das Ganze bereits zur Routine geworden oder verspüren sie immer noch Nervosität?

Das Kribbeln und die Vorfreude sind natürlich immer noch da. Die ganzen Vorbereitungen laufen zwar routinierter und dadurch etwas ruhiger ab als auch schon, aber die Organisation eines solchen Events ist immer noch ein enormer Kraftakt und die Erlösung nach einem erfolgreichen Event ist dementsprechend gross.

Wie lockt man die grossen Acts nach Zürich?

Die schwere Arbeit machen die Labels, die sich jedes Jahr für uns ins Zeug legen, um die grossen Stars ans Energy Stars For Free zu lotsen. Der Event hat in den letzten Jahren einen Bekanntheitsgrad erreicht, der über die Schweiz hinausgeht. Künstler, die aufgetreten sind, schwärmen von der einzigartigen Atmosphäre und kommen immer wieder gerne nach Zürich.

Fliesst da viel Geld?

Wenn wir den Künstlern Gagen zahlen müssten, wäre der Event nicht bezahlbar. Wir sind auf ein grosses Mass an Goodwill angewiesen.

Welchen Stellenwert hat der Event für die Sender Energy Zürich und Energy Bern?

Der Stellenwert ist sehr hoch. Das Energy Stars For Free ist für Wochen Stadtgespräch und bietet hervorragenden Inhalt für die beiden Sender. Wir setzen ihn von A bis Z intern mit unseren Mitarbeitern um. Das ist zwar viel Arbeit, weil jeder viel mehr machen und über sich hinauswachsen muss. Aber danach mit dem Team in der Halle zu stehen und sich sagen zu können: Das haben wir auf die Beine gestellt, ist grossartig.

Wie gross ist der Werbeeffekt?

Der Werbeeffekt für unsere Partner, die Acts, aber natürlich auch für uns ist riesig. Der Erfolg des Energy Stars For Free ist für mich nicht richtig erklärbar. Uns ist es gelungen, in den letzten Jahren einen Event aufzubauen, der einzigartig ist. Wegen Energy Stars For Free werden wir nicht direkt mehr Radiohörer haben, aber alle, die einmal am Energy Stars For Free dabei waren, werden mit uns ein unvergessliches Konzerterlebnis verbinden.

Muss man als Radiosender heute auch Eventveranstalter sein?

Es hilft sicherlich. Wir verfolgen mit Energy eine multimediale Strategie. Die Radiosender in Zürich und Bern sind dabei sicher nach wie vor unsere Hauptpfeiler. Der Eventbereich mit unseren Veranstaltungen wie dem Energy Stars For Free, der Energy Fashion Night, den Energy Live Sessions und der Energy Movie Night haben wir in den letzten Jahren massiv ausgebaut - und wir haben noch weitere Pläne. Wir wollen unseren Hörern Entertainment bieten und das in allen Bereichen und auf allen Kanälen.

Wie genau messen Sie den "Erfolg" des Events bei der Zielgruppe?

Wir haben verschiedene Möglichkeiten, den Erfolg des Energy Stars For Free zu messen. Auf der einen Seite werten wir quantitative Punkte wie Anzahl Ticketanfragen, Facebook-Friends und -Usage, Webzahlen, Community-Anmeldungen, Hörerzahlen, Medienberichterstattung, etc. aus. Zum anderen machen wir zusammen mit unseren Partnern und Sponsoren verschiedene qualitative Befragungen der Hörer und der Zuschauer und nach dem Event. Und zu guter Letzt gibt’s auch noch ganz viele persönliche Erfahrungen. Solange ich nicht einkaufen gehen kann, ohne dass jemand ein Ticket von mir will, sind wir sicherlich auf einem guten Weg.

Auf welchen Act freuen Sie sich heuer besonders?

Ich kann mich nicht richtig festlegen. Mit Lenny Kravitz haben wir einen der ganz grossen Stars auf unserer Bühne. Das wird sicher grossartig. Besonders freue ich mich auch auf Snow Patrol. Ich habe nur schon beim Gedanken an ihren Hit "Chasing Cars" im vollen Hallenstadion Hühnerhaut.

Wird es auch Überraschungsgäste geben?

Ja, wir haben uns wieder ein paar Überraschungen einfallen lassen. Das Energy Stars For Free ist ja nicht einfach nur eine Aneinanderreihung von verschiedenen Auftritten, sondern soll eine richtige Show sein. Mit Jonathan Schächter haben wir auch den perfekten Gastgeber für ein solches Feuerwerk.

Ein Energy Stars For Free ohne Bligg?

Mal sehen… (schmunzelt). Die Schweizer Acts sind fürs Energy Stars For Free enorm wichtig, und das Energy Stars For Free ist für die Schweizer Acts eine hervorragende Plattform. Wenn man auf die letzten neun Jahre zurückblickt, ist so mancher internationaler Künstler aufgestiegen, am Energy Stars For Free aufgetreten und wieder verschwunden. Anders bei den Schweizern wie Bligg, Baschi, Stress, Seven, Ritschi, usw. – sie gehörten jeweils zu den grossen Abräumern des Events. Stress zum Beispiel war am Energy Stars For Free 2003 im X-tra dabei. Die Halle, damals zwar nur mit 1'300 Leute gefüllt, kochte, und Stress steht dieses Mal auf der Bühne vor 13'000 Zuschauern - und das Hallenstadion wird beben.

Die 13'000 Tickets für den Event sind heissbegehrt. Kann es sein, dass Ihr Freundeskreis jeweils auf Ende November schlagartig anwächst?

Ja, das ist so, aber das ist auch das Schöne daran. Wenn man bei einem Medium arbeitet, wird man grundsätzlich viel auf den Job angesprochen. Rund um Energy Stars For Free nimmt das aber jeweils sehr extreme Ausmasse an. Alle reden über den Event und wollen natürlich vor allem Tickets. Aber das geht nicht nur mir, sondern allen, die in irgendeiner Form am Event beteiligt sind so. Weil 13'000 Tickets verschenkt werden, haben alle das Gefühl, dass für sie sicherlich zwei Tickets drin liegen sollten.

Was ist das Absurdeste, was Ihnen Hörerinnen und Hörer für Tickets anerboten haben?

Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. Die Kreativität unserer Hörer ist riesig, und ich staune jedes Jahr, was für ein Ticket für Energy Stars For Free alles gemacht wird. Vor ein paar Jahren hat ein Moderator auf dem Sender gesagt, dass er dem nächsten Hörer, der ihm einen Kuchen vorbeibringt ein Ticket schenkt. Stunden später hatten wir 50 Kuchen in der Cafeteria. Und wie es mit den Moderatoren halt so ist, hat der nächste gesagt, dass er Lust auf Schinkengipfeli hätte, worauf wir nachher eine Jahresration Schinkengipfeli im Radio hatten.

In der Zwischenzeit haben wir das professionalisiert: Wir haben ein dreiköpfiges Team, dass sich während der Promotionsphase bei Energy Zürich und Energy Bern nur um die Hörer kümmert, die etwas bei uns vorbeibringen. Von Kuchen in allen Formen und allen Geschmäckern, zu selbstgebastelten elektrischen Miniatur-Bühnen des Energy Stars For Free über bestickte Kopfkissen bis hin zu Rap-Einlagen gibt es fast alles. Und unsere Moderatoren dürfen auf dem Sender nicht mehr sagen, worauf sie gerade Lust haben…

Interview: Adrian Schräder


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