«Wenn es der eigenen Profilierung dient, scheint in diesem furchtbaren Konflikt offensichtlich kein Thema zu gruusig zu sein.» Mit dieser Aussage in der Blick-Ausgabe vom Dienstag verurteilt die Migros den Verkaufsstopp von Spielzeugwaffen bei Lidl Schweiz.
Der Discounter nahm zwei Druckluftpistolen der Marke Nerf aus dem Sortiment, wie 20 Minuten publik machte. Im aktuellen Prospekt heisst es: «Aufgrund der aktuellen Geschehnisse haben wir dieses Produkt aus dem Verkauf genommen.» Die Plastikpistolen würden aber nicht aus Russland, sondern aus den USA stammen, so 20 Minuten.
Lidl habe damit aus Sicht der Migros eine Grenze überschritten, heisst es im Blick weiter. «Das Leid Millionen Not leidender Menschen auf die Stufe von sommerlichem Spielspass beziehungsweise Wasserpistolen für Kinder herabzusetzen, ist – gelinde gesagt – verharmlosend», so ein Migros-Sprecher. Und weiter: «Krieg und Marketing sind für uns nicht vereinbar.»
Damit nimmt die Migros dieselbe Position ein wie Markensoziologe Oliver Errichiello. «Wer als Unternehmensverantwortlicher oder Wissenschaftler diesen Krieg als Möglichkeit zur ‹Maximierung› versteht, egal ob die Währung Geld, Awareness oder Reputation heisst, verspielt sämtliche ethische Integrität», sagte er kürzlich in einem persoenlich.com-Interview. Dieser Krieg sei zu verurteilen, aber Marken seien keine Parteien. «Sie haben überhaupt keine Kompetenzen in diesen Bereich», so Errichiello.
«Wir verstehen die Kritik nicht ganz»
Lidl Schweiz weist die Vorwürfe zurück. «Wir verstehen die Kritik nicht ganz. Wir haben diesen Schritt (diese Produkte gar nicht erst in den Verkauf zu nehmen) ganz bewusst nirgends proaktiv publiziert – nur da, wo es zwingend rechtlich notwendig ist, wie beispielsweise unserem Onlinewerbeprospekt. Dies, damit unsere Kunden nicht extra in die Filiale gehen wegen der Produkte», heisst es auf Anfrage von persoenlich.com.
Die Medienresonanz sei erst durch Interaktion der Kunden mit den Medien entstanden. «Insofern können wir die Kritik unserer Kollegen bei der Migros nicht ganz nachvollziehen», so Lidl-Sprecher Mathias Kaufmann. «Wir sind selbstverständlich gleicher Meinung: Die aktuelle Situation darf man nicht für Werbezwecke ausnutzen.» (cbe)