"Die Schweiz kann gewinnen, wenn sie über einen überzeugenden Beitrag verfügt"

- Was haben der Eurovision Song Contest (ESC) und die Uefa Champions League gemein? Beide Wettbewerbe ziehen europaweit ein Millionenpublikum an und beide werden von der Luzerner Agentur T.E.A.M vermarktet. Im Interview mit "persoenlich.com" sagt CEO Thomas Klooz, weshalb es falsch ist, das Scheitern von DJ Bobo in Helsinki auf den Modus zurückzuführen und erklärt, welchen Anteil sein Unternehmen am Siegeszug der Champions League hat.

Herr Klooz, waren Sie in Helsinki mit dabei, um DJ Bobo zu unterstützen, der ja wie ihre Agentur aus Luzern stammt?

Ich musste am Fernsehen mitansehen, wie DJ Bobo die Finalqualifikation verpasst hat. Am Final war ich dann in Helsinki dabei.

Wie viel Zeit nahm die Vorbereitung des Contests in Anspruch?

Es ist ein Ganzjahresprojekt. Wir arbeiten sehr eng mit der European Broadcast Union (EBU) zusammen. Von Beginn weg sind wir in die Vorbereitungen für den Event involviert und an den Sitzungen dabei, wenn die Regularien etc. verabschiedet werden.

Kann Ihre Agentur Einfluss auf die Ausgestaltung des Events nehmen?

Wir sind nicht stimmberechtigt, werden aber bei Fragen konsultiert, die das Kommerzielle betreffen.

Die grossen Nationen Deutschland, Spanien, Frankreich und Grossbritannien rangierten am diesjährigen Anlass unter "Ferner liefen". Erschwert dies die Vermarktung für die kommenden Jahre?

Wir konnten bislang keinen Nachteil feststellen. Für uns sind vor allem die TV-Einschaltquoten wichtig -- und die sind beim ESC stets hervorragend. Ich kenne die genauen Zahlen noch nicht, aber wir gehen davon aus, dass ungefähr 100 Millionen Menschen das Finale verfolgt haben. Allein das ist für uns ausschlaggebend.

Die Quoten werden in den Ländern Westeuropas sinken, wenn ihre Stars nicht mehr gewinnen…

Wenn die Gewinnerliste des ESC über Jahre hinweg in eine bestimmte geographische Richtung abdriftet, muss dies in der EBU diskutiert werden. Man darf aber eines nicht vergessen: Letztes Jahr gewann Finnland, zuvor Griechenland -- das sind keine typischen Ostländer.

In der Schweiz hat sich die Quote halbiert, da DJ Bobo den Finaleinzug nicht geschafft hat…

Das kommt für mich nicht überraschend. In den Tagen zwischen Halbfinal und Final waren hierzulande sehr viele negative Stimmen zu vernehmen. In den Tagen nach dem Anlass stand der Qualitätsaspekt -- bzw. dessen Fehlen beim Schweizer Auftritt -- dann mehr im Vordergrund. Die Gewinnerin des Contests hatte nun mal eine hervorragende Stimme -- dass sie die Nase vorn hatte, lässt sich auch musikalisch rechtfertigen.

Dann muss das Reglement nicht angepasst werden?

Die EBU hat selber angeregt, Anpassungen vorzunehmen. Es gilt nun genau zu analysieren, um dann Vorschläge zu unterbreiten. Natürlich hat der Osten durch die Neuaufteilung der Staaten mehr Gewicht erhalten. Aber im vergangenen Jahr hat Finnland von ganz Europa Stimmen erhalten. Griechenland vor zwei Jahren ebenso. Ich bin überzeugt, dass auch die Schweiz gewinnen kann, wenn sie über einen überzeugenden Beitrag verfügt, der auch die nötige Ausstrahlung besitzt. Es ist völlig falsch, wenn man das Scheitern der Schweiz auf den Modus zurückführt. Im Gegenteil: Das frühe Ausscheiden sollte Motivation sein, um zu sagen: Jetzt erst recht. Auch DJ Bobo gibt zu, dass nicht alles perfekt gelaufen ist.

Wäre es für die Schweiz nun angebracht, künftig auf eine Teilnahme am ESC zu verzichten?

Man kann schon sagen, dass man künftig nichts mehr mit dem europäischen Wettbewerb zu tun haben will. Nur: Sich abzukapseln ist immer der falsche Weg.

In welcher Grössenordnung sind die Sponsoreneinnahmen des ESC ausgefallen?

Genaue Zahlen kann ich nicht nennen. Nur soviel: Wir leisten der EBU einen substanziellen Beitrag an die Kosten, welche für die Organisation des Showcase-Events anfallen.

Für Ihre Agentur T.E.A.M geht es derzeit Schlag auf Schlag: Am Mittwoch findet der Uefa-Cup-Final statt, eine Woche später folgt der Champions League-Final -- beides Anlässe, welche T.E.A.M ebenfalls vermarktet. Lässt sich Ihre Arbeit für die Uefa vergleichen mit jener für die EBU?

Im Fussball besteht unsere Hauptarbeit neben der Vermarktung darin, sämtliche TV-Rechte weltweit zu verkaufen. Knapp 80 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Geschäft mit den Übertragungsrechten. Beim ESC sind die TV-Anstalten, welche die Show ausstrahlen dürfen, mit den Öffentlich-Rechtlichen bereits gegeben. Im Vordergrund steht hier das Sponsoring. Die Projekte -- wie auch die Dimensionen -- unterscheiden sich also beträchtlich.

Ihre Agentur vermarktet die Champions League seit Ihrem Bestehen und hat einen grossen Anteil daran, dass sie zum Erfolgsformat wurde. Was waren die wichtigsten Meilensteine?

Die aussergewöhnliche Zusammenarbeit von T.E.A.M mit der Uefa hat die Voraussetzungen geschaffen, dass die Champions League zu einem solchen Erfolg wurde. Ausschlaggebend dafür war, dass sich die Uefa dazu entschied, die Vermarktung der kommerziellen Rechte zu zentralisieren. Auch die Kulmination der Marketing- und Eventrechte in eine integrierte Marketing-Plattform gab es zum ersten Mal bei der Champions League. Dazu kamen verschiedene andere Elemente: Wir haben die Brand Identity sehr konsequent umgesetzt -- dies betrifft das Logo, die Musik wie auch die Programmabläufe. Stets war das Bestreben vorherrschend, dass die Champions League Benchmark ist im Sportmarketing-Bereich.

Fussball ist ein Wachstumsmarkt, dem kaum Grenzen gesetzt scheinen. Wird das auch in den kommenden Jahren so bleiben -- oder ist die Sättigungsgrenze erreicht?

Wir stellen keine Sättigung fest. Wir schliessen nun die erste Saison einer Dreijahres-Periode ab. Die Rechte sind verkauft bis 2009. In diesem Zeitraum konnten wir gegenüber der letzten Periode wieder eine Steigerung verzeichnen. Kurzum: Fussball ist und bleibt im Sport die Nummer eins -- und damit auch attraktiv für die TV-Anstalten und die Sponsorenpartner.

Was wird sich in den kommenden Jahren ändern?

Bis ins Jahr 2009 nicht viel. Was in der nächsten Periode kommen wird, arbeiten wir derzeit in Konzepten aus. Unser Ziel ist klar: Die Champions League soll auch in Zukunft Benchmark bleiben. Wir sind überzeugt davon, dass wir dies auch erreichen können.