"Die Verlagerung unserer Geschäfte ins Ausland wird weiter voranschreiten"

Publigroupe - CEO Arndt Groth im Interview.

Herr Groth, folgt man Ihren Ausführungen an der Pressekonferenz, so kommt man zum Schluss, dass die Publigroupe künftig stark auf digitale Geschäftsfelder setzt. Wie soll das Unternehmen in diesem Bereich konkret wachsen?
Wichtig ist die Darstellung, dass wir hier von Digitalgeschäft über sämtliche Segmente sprechen, sprich Media Sales (Publicitas), Search & Find (local.ch) und natürlich Digital & Marketing Services (Zanox, Improve Digital etc.). Bei Publicitas liegt die Stossrichtung auf der einen Seite auf der Optimierung des Printgeschäftes und auf der anderen Seite im Bereich Non-Print. Non-Print heisst nicht zwingend nur Digital, sondern bezieht sich auch auf andere Wachstumsfelder. Bei unserer Tochtergesellschaft Publicitas sehen wir in Indien, dass der Markt auch in den Bereichen TV-Vermarktung und Out-of-Home stark wächst. Auch in diese Bereiche wollen wir expandieren, nicht nur ins Digitale.

Momentan macht die Publigroupe rund 80 Prozent ihres Umsatzes in der Schweiz, lediglich 20 Prozent im Ausland. Wie wird sich dieses Verhältnis in Zukunft gestalten?
Bei PubliGroupe ist der Anteil im Ausland viel höher auf proportional konsolidierter Ebene, inklusive Zanox, wo wir 47.5 Prozent Anteil konsolidieren: über 60 Prozent. Bei Publicitas ist das Ziel , dass wir im Jahr 2015 einen Anteil von 40 bis 45 Prozent an unserem Umsatz im internationalen Bereich erwirtschaften. Das heisst, der Ausbau unserer Geschäfte ins Ausland wird weiter voranschreiten. Bei den anderen Segmenten, insbesondere bei Digital & Marketing Services werden Investitionen, wie etwa in das Unternehmen Improve Digital, das von Holland aus operiert, deutlich wichtiger werden.

Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Rohner sagte, die Zeichen für die Publigroupe ständen wieder ganz klar auf Wachstum. Auf der Bank liegen dafür 162 Millionen Cash zur Verfügung. Welche Akquisitionen werden Sie tätigen?
Wir werden sicherlich auch in Zukunft Akquisitionen im Non-Print prüfen, wenn sie uns erlauben, die skizzierte Stossrichtung schneller zu erreichen als durch organische Massnahmen oder wenn uns dazu die Kompetenzen fehlen. Wir interessieren uns a priori für Geschäfte, die uns helfen, unsere Servicedienstleistungen für Medienpartner sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite zu unterstützen. Diese Services werden in Zukunft vermehrt nachgefragt werden

Kommt es in diesem Jahr bei Publicitas zu Kündigungen?
Der neue CEO von Publicitas wird das Geschäft von Publicitas für die Zukunft ausrichten. Wir verfolgen die Entwicklung des Geschäfts sehr aufmerksam und streben die Erreichung der Gewinnschwelle 2013 an.

Sie rechnen damit, dass die Einnahmen aus dem Printbereich weiter zurückgehen. Können Sie für diesen Bereich trotzdem eine Vision formulieren?
Wir können davon ausgehen, dass in den nächsten fünf Jahren die Printanzeigen, die Volumina im Zeitungsbereich, um mindestens vierzig Prozent fallen werden. Wir müssen uns entsprechend anpassen, das heisst abgeleitet: Wir werden in fünf Jahren sicherlich nicht mit der gleichen Unternehmensstruktur hier stehen. Aber darüber hinaus werden wir in anderen Bereichen wachsen.

Die Publigroupe hat in diesem und im letzten Jahr Liegenschaftsverkäufe getätigt und damit das Ergebnis entscheidend verbessert. Planen Sie auch 2013 wieder Liegenschaften zu verkaufen?
Es gibt keine Planung des Verwaltungsrats zum aktuellen Zeitpunkt Verkäufe zu tätigen. Wir haben jetzt einen wesentlichen Schritt gemacht, dies auch mit der Rückführung von 47 Millionen Franken an die Aktionäre. Wir haben einen hohen Cash-Bestand, den wir für Akquisitionen einsetzen können.

Wann wird der Umsatz aus dem digitalen Geschäft denjenigen aus dem Print-Bereich überflügeln?
Nach unseren Hochrechnungen wird das für Publicitas nicht vor Ende 2015 der Fall sein.

Wo sehen Sie die Publigroupe in fünf Jahren?
Wir sehen uns als einen der führenden Player im Bereich der Media-Services und Dienstleistungen in der Verknüpfung von Angebot und Nachfrage von Media. Dort gibt es einen grossen Markt an Dienstleistungen, die wir sowohl im Bereich "Persönlicher Verkauf" als auch noch vielmehr im Bereich "Automatisierung" den entsprechenden Partnern auf der Anbieter- als auch der Nachfrageseite zur Verfügung stellen werden.

Interview: Benedict Neff