Herr Amstutz, kurz vor der Euro 08 spürt man hierzulande nur wenig Euphorie. Bereitet Ihnen dies als Sponsor nicht ein bisschen Bauchweh?
Überhaupt nicht. Auch vor zwei Jahren konnte man in Deutschland unmittelbar vor der Fussball-WM keine Euphorie feststellte. Die Deutschen haben vorher schlecht Fussball gespielt; trotzdem wurde die WM anschliessend ein grosses Fest. In der Schweiz und in Österreich wird dasselbe passieren. Ausserdem sind wir momentan mit uns selbst beschäftigt und müssen schauen, dass wir unser Programm auf die Reihe bekommen.
Was heisst das konkret?
Wir bereiten uns seit zweieinhalb Jahren auf die Euro 08 vor. Wir sind für die ganze Bierbelieferung der Euro verantwortlich, inklusive der UBS-Stadien. Das ist eine riesige logistische Aufgabe, die wir erfüllen müssen.
Was heisst das in Zahlen ausgedrückt?
Während der Euro rechnen wir mit 10'000 zusätzlichen Paletten -- das sind 1'000 Lastwagen Mehrvolumen, die wir im Juni zur Verfügung stellen müssen. Die Fanmeilen kann man nur von morgens 5 Uhr bis 10 Uhr anfahren. Anschliessend müssen 200 Stellen in den Fanmeilen beliefert werden, welche am Vorabend ihr Bier bestellt haben müssen. Über Nacht wird gerüstet und ab 5 Uhr früh geliefert. Das heisst: Wir stellen auf einen 24-Stunden-Betrieb um. Das gilt nur für die Schweiz. Gleichzeitig brauen wir hier in Rheinfelden auch das Bier für Österreich.
Das heisst, das Bier, welches in Wien getrunken wird, stammt aus Rheinfelden?
So ist es. Derjenige, der im Final in Wien gewinnt, wird mit Bier aus Rheinfelden anstossen.
Was bedeutet dies personell?
Allein für die Logistik beschäftigen wir bis zu 100 Leute zusätzlich, während wir im Event-Bereich 40 bis 50 Personen mehr eingestellt haben. Die Kosten für alle unsere Euro-Aktivitäten bewegen sich im sechsstelligen Bereich.
Was erhoffen Sie sich von diesem Engagement? Eigentlich ist es ja paradox: In den Stadien ist Alkohol verboten, gleichzeitig machen Sie mit nichtalkoholischen Getränken Werbung für ein alkoholisches Getränk.
Das ist nicht ganz korrekt, weder Alkohol noch Alkoholwerbung ist verboten. Dies betrifft nur das Fernsehen. Die Plakatwerbung ist kantonal geregelt, mittlerweile gibt es Werbeverbote in mehreren Kantonen. Im Stadion gibt es tatsächlich keinen Alkohol, aber dort wird auch nicht sehr viel konsumiert. In den Fanzonen und den Fanmeilen gibt es Alkohol -- in den offiziellen Uefa-Fanzonen Carlsberg, während man in den Fanmeilen, das heisst ein bisschen ausserhalb, jedes Bier konsumieren kann.
Aber nochmals, was erhoffen Sie sich von diesem Engagement?
Für die Marke Carlsberg bedeutet das sicherlich einen Sprung nach vorne, das Gleiche gilt auch für die Marke Feldschlösschen. Wir beliefern die UBS-Arenen mit Feldschlösschen, damit die Schweizer mit einem einheimischen Bier feiern können.
Gesetzt den Fall, die Schweizer würden relativ früh ausscheiden, würde auch die Euphorie schnell abflachen. Dies wäre doch für einen Sponsor verheerend.
Die Euphorie wird nicht abflachen. Als Italien vor zwei Jahren Weltmeister wurde, gab es in der Schweiz ein Riesenfest. Die gleiche Stimmung werden wir an der Euro mit den Portugiesen, den Türken oder Kroaten erleben. Selbst wenn die Schweiz frühzeitig ausscheiden sollte, würde dies die Euphorie innerhalb der Schweiz nicht dämpfen und hätte auch kaum einen Einfluss auf den Bierkonsum.
Durch Ihr Engagement erhoffen Sie sich eine nachhaltige Wirkung für Carlsberg und Feldschlösschen. Ist diese Nachhaltigkeit messbar?
Nein, man kann diese weder messen noch vorausberechnen. Ein Sponsor muss einfach an sein Engagement glauben oder es bleiben lassen. Wir glauben daran; neben der Euro sponsern wird schliesslich auch den Spengler Cup, sechs Eishockeymannschaften, das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest und über 8000 andere Events in der Schweiz. Innerhalb der Schweiz ist unsere Biermarke ein wichtiger Player. Von unserem Engagement versprechen wir uns vor allem Nähe zur Bevölkerung.
Was denken Sie als einer der Hauptsponsoren der Euro über Ambush-Marketing?
Dass unser Mutterunternehmen Carlsberg Hauptsponsor der Euro 08 ist, bringt uns Möglichkeiten, die andere nicht haben. Aber natürlich wollen alle von diesem Grossereignis irgendwie profitieren.
Wie differenzieren Sie bei der Euro zwischen der internationalen Marke Carlsberg und dem nationalen Label Feldschlösschen?
Wir sind von Carlsberg beauftragt, das Sponsoring an der Euro durchzuführen. Carlsberg ist der offizielle Sponsor. Das heisst: In allen offiziellen Zonen wird es Carlsberg geben. Auf der anderen Seite wollen wir auch Schweizer Biere anbieten. Deshalb haben wir in den Fanmeilen ein breiteres Portfolio.
Ist der Schweizer denn ein patriotischer Biertrinker?
Oh, ja, der Schweizer ist ein sehr patriotischer Trinker. Jedes vierte Bier, das in der Schweiz konsumiert wird, ist ein Feldschlösschen. Beim Lagerbier liegt der Schweizer Anteil über 90 Prozent.
(Interview: Matthias Ackeret)