Am Donnerstag konnte die in der Vermarktung elektronischer und mobiler Medien tätige Goldbach Media Gruppe an ihrer Bilanz-Medienkonferenz erfreuliche Zahlen für das Geschäftsjahr 2005 präsentieren. Der Gewinn hat sich gegenüber dem Vorjahr mit 4.5 Millionen Franken (Vorjahr: 1.7) knapp verdreifacht. Der Netto Umsatz stieg um rund 12 Prozent auf 182 Millionen Franken (Vorjahr: 163). In allen Marktsegmenten -- TV, Radio, adScreen, Internet und Mobile -- konnten die Marktanteile durchwegs erhöht werden.
Seit längerem kursieren Gerüchte, dass es Interessenten für eine Übernahme der Goldbach Media Gruppe gibt, die bisher in der Hand von Finanzinvestoren, dem Verwaltungsrat, dem Management und übrigen Aktionären liegt. In Medienberichten wurden die Swisscom und vor allem die PubliGroupe als mögliche Käufer genannt. Mit der Präsentation der aktuellen Zahlen scheint die Goldbach Media als Braut attraktiver denn je.
"Wir verhandeln mit niemandem", dementierte Klaus Kappeler, CEO Goldbach Media, an der Medienkonferenz. Falls es aber zu einer Übernahme kommen würde, müsse sich der Käufer einer Sache bewusst sein: "Eine Perle geben wir nicht ganz gratis aus der Hand." Verwaltungsrats-Präsident Peter A.C. Blum gab sich diplomatisch und meinte, dass eine gute Firma im Markt immer zum Verkauf stehe. An Gesprächen sei man stets interessiert. Eine Übernahme scheint also möglich, wenn der Preis stimmt.
Goldbach Media ist aber auch dafür offen, selber weitere Beteiligungen in Betracht zu ziehen, wie Klaus Kappeler erklärte. Dabei nannte er das Beispiel der zur Goldbach gehörenden AdLink Internet Media AG, die 30 Prozent an der Goldbach Media online Österreich übernommen hat.
Verlagerung der Werbemärkte hin zu elektronischen Medien
Goldbach VR-Präsident Peter A.C. Blum stellte in seinem Rückblick auf das Geschäftsjahr fest, dass sich die Verlagerung der Werbemärkte hin zu den elektronischen Medien verstärkt hat. Das mache die Sache für Goldbach aber nicht unbedingt leichter, da der Wettbewerb an allen Fronten aggressiver geworden sei. Allerdings würden neue Technologien wie Breitband als Standard auch neue Perspektiven eröffnen.
Der TV-Markanteil an den gesamten Werbeausgaben ist gemäss Media Focus 2005 gegenüber dem Vorjahr nur um 0.1 Prozent gestiegen. Der Umsatz im Bereich TV ist bei Goldbach Media mit 3.8 Prozent stärker gewachsen als der Markt, was bedeutet, dass andere Vermarkter Marktanteile eingebüsst haben müssen. Klaus Kappeler glaubt aber nicht, dass der TV-Markt an eine Grenze gestossen ist. Durch die Digitalisierung und neue Kommunikationswege sieht er ein Wachstumspotenzial gegeben.
Mit Elevator TV buhlt bald auch ein neues nationales Fernsehen um Werbegelder. Initiant Dominik Kaiser führt auch mit der IP Multimedia als möglichem Vermarkter Gespräche. Darauf angesprochen meinte Kappeler: "Eine gute Gelegenheit lassen wir nicht gerne an uns vorbeiziehen."
Allerdings hat man auch bei Goldbach gemerkt, dass man sich breiter abstützen muss. Trug der TV-Bereich bei der Gründung der Media Gruppe noch 90 Prozent zum Nettoumsatz bei, sind es 2005 64.8 Prozent. Als Ziel hat man sich sogar vorgenommen, dass der Anteil nur noch 50 Prozent betragen soll.
Dabei scheint man auf gutem Weg. So konnte Goldbach Media bei den stärker wachsenden Märkten Radio und Internet deutlich an Marktanteil zulegen. Der Umsatz konnte in beiden Bereichen um 30 Prozent gesteigert werden. Klaus Kappeler erklärte, dass sich der Online-Markt definitiv erholt habe und fester Bestandteil von Werbestrategien geworden sei. Der Vergleich mit dem Ausland, wo der Online-Anteil an den gesamten Werbeausgaben grösser ist, zeige, dass noch Entwicklungsmöglichkeiten vorhanden sind. Dies habe aber auch neue Vermarkter auf den Plan gerufen, was den Markt verschärfe.
Medien-Revolution im Gange
Als Fazit und Ausblick für die Zukunft sieht man bei Goldbach Media durch die neuen Technologien eine Medien-Revolution im Gange. Dies merke vor allem die Print-Werbung. Bei der Presse habe man die Verlagerung hin zu den elektronischen Medien lange verschlafen, habe den Trend jetzt aber erkannt. So sieht Kappeler als neustes Beispiel dafür das von Ringier angekündigte crossmediale Projekt "Cash daily". Der CEO der Golbach Medien Gruppe gab sich in seinem Schlusswort davon überzeugt: "Wer gewinnen will, investiert in elektronische Medien."