11.10.2012

Migros

Einkaufstour auf dem deutschen Markt

Genossenschaft kauft 300 Lebensmittelläden der Tegut-Gruppe.

Die Migros steigt im grossen Stil in den deutschen Lebensmittelmarkt ein. Der orange Riese kauft die rund 300 Filialen der hessischen Detailhandelskette Tegut und hegt mit diesen ehrgeizige Expansionspläne. Die Migros-Genossenschaft Zürich kauft von der Unternehmerfamilie Gutberlet die Supermärkte, die vor allem in den deutschen Bundesländern Hessen und Thüringen sowie im Norden Bayerns liegen. Für Migros Zürich ist dies eine Basis, um später mit Tegut zum Beispiel Richtung Süd- und Südwestdeutschland zu expandieren.

Den Kaufpreis gaben die Partner am Donnerstag nicht bekannt, wobei Migros Zürich durchblicken liess, dass neben dem Kauf auch Investitionen nötig seien. Geschäftsführer Jörg Blunschi sprach von einem zweistelligen Millionenbetrag, den seine Genossenschaft in die Finger nehmen müsse. Dafür kaufe Migros Zürich aber ein schuldenfreies Unternehmen, sagte er. "Wir machen zuerst Tegut fit für die Expansion", sagte Blunschi vor den Medien in Zürich. Einfach wird das auch für die erfolgreiche Migros nicht: Der deutsche Markt ist von Preiskämpfen geprägt, und Billigkonkurrenten wie Aldi und Lidl sind schon länger und mit grösserem Marktanteil unterwegs als in der Schweiz.

Allerdings wächst in Deutschland der Markt derzeit. In der Schweiz kann die Migros im Handel mit Lebensmitteln nach eigener Aussage ausser mit Bio- Produkten kaum noch zulegen.

Keine Tegut-Artikel bei Migros

Den orangen Riesen interessieren daher auch Zukäufe und Kooperationen ennet der Grenzen. Erst im Sommer war bekannt geworden, dass Migros Zürich mit der deutschen Alnatura zusammenarbeitet und der Bio-Kette den Schweizer Markt öffnet. Auch Tegut hat sich einen Namen gemacht mit Bio-Produkten. Vom 1947 gegründeten Unternehmen kauft die Migros nur das Filialnetz und den Vertrieb: Das Handelsgeschäft mit rund 4900 Arbeitsplätzen behält unter der Migros-Führung seinen Namen und seinen Firmensitz in Fulda. Die Tegut- Produktionsbetriebe mit rund 1400 Mitarbeitern bleibt im Besitz der Familie Gutberlet.

Beim Sortiment plant die Migros Ergänzungen. So sollen auch Migros-Artikel ins Sortiment der Tegut-Filialen aufgenommen werden. Umgekehrt fliessen dagegen aber keine Tegut-Artikel ins Verteilnetz der Migros Zürich, sagte der Geschäftsführer der Genossenschaft, Jörg Blunschi.

Duttweilers Grundsätze

Migros und Tegut betonten vor den Medien zudem, dass die Unternehmensphilosophien der beiden Unternehmen sehr ähnlich seien. Wolfgang Gutberlet, persönlich haftender Gesellschafter und Patron von Tegut, schwärmte von den Leitgrundsätzen von Migros-Gründungsvater Gottlieb Duttweiler. Er habe sein Unternehmen immer auch nach dessen Ideen geführt. Mit Migros Zürich übernimmt die zweitgrösste regionale Genossenschaft des Schweizer Detailhandelsriesen eine ausländische Kette. Das ist ungewöhnlich: Als 2007 der Discounter Denner und zehn Jahre zuvor die Warenhauskette Globus unter das Migros-Dach kamen, war der Käufer immer der Migros- Genossenschaftsbund (MGB).

Präsident Edi Class sagte, der Lebensmittelhandel sei die Stärke der Genossenschaften. Der MGB, also die Zentralorganisation der Genossenschaften, werde aber im Tegut-Aufsichtsrat vertreten sein. (sda)


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